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Open-Air-Bühne in Königswinter: Kölner Theater inszeniert Beethoven vor der Chorruine

Open-Air-Bühne in Königswinter : Kölner Theater inszeniert Beethoven vor der Chorruine

Das N.N.-Theater setzt mit dem Stück „Ta Ta Ta Taaa! Beethoven – Der wilde Atem der Musik” das Beethovenjahr vor der Kulisse der Chorruine Heisterbach fort.

„Ta Ta Ta Taaa!“ Was auf den ersten, unbedarften Blick gesehen wie ein Tusch anmuten mag, ist bei genauerem Hinhören einer der bekanntesten Eingangstakte der Musikgeschichte weltweit. Das eingängige – heutzutage sagen viele – Intro von Ludwig van Beethovens fünfter Symphonie wählten die Macher des Kölner N.N.-Theaters als Überschrift aus, um Theater- wie Musikenthusiasten gleichermaßen für eine alles andere als alltägliche Fortsetzung des Beethovenjahres zu begeistern. Vor der romantischen wie naturnahen Kulisse der Chorruine der ehemaligen Abteikirche Heisterbach ist am Samstag, 14. August, 20 Uhr, die Uraufführung von „Ta Ta Ta Taaa! Beethoven – Der wilde Atem der Musik” zu bewundern.

„Ursprünglich für das Jubiläumsjahr 2020 vorgesehen, konnte das Stück, das extra für diesen Anlass vom N.N.-Theater geschrieben wurde, wegen der Corona-Pandemie zum vorgesehenen Termin nicht aufgeführt werden“, berichtet Ulrich Berres vom Geschäftsbereich Kultur der Königswinterer Stadtverwaltung. „Durch die Verlängerung des Jubiläumsjahrs ist es nun doch möglich, dieses Projekt einem interessierten Publikum darzubieten“, fügt Berres hinzu.

Seit 2016 gestaltet das N.N.-Theater das Programm für die Sommerbühne in Heisterbach

Als klassischer Glücksfall für die Inszenierung, die am Sonntag, 15. August, 18 Uhr, erneut an gleicher Stelle zu sehen ist, kann bezeichnet werden, dass der in Oberpleis lebende Schauspieler Tom Simon, seit 1998 festes Ensemblemitglied der Stunksitzung, in die Rolle des vor 250 Jahren in Bonn geborenen Musikgenies schlüpft – und außerdem noch Beethovens Vater und den Kutscher des Komponisten mimt. „Bei uns spielen seit jeher alle alles“, sagt Irene Schwarz, Regisseurin des Stücks sowie Gründungs- und festes Ensemblemitglied des N.N.-Theaters. Die Kölner Bühneninstitution bestückt seit 2016 das Programm der Sommerbühne Heisterbacherrott. „Die Vorstellung findet an einem Ort statt, der sich seit einigen Jahren zu einem festen Standort für Open-Air-Theater in einem der Umgebung angemessenen Rahmen entwickelt“, findet Berres. 300 Besucher finden auf dem Areal vor der machtvollen Chorruine einen Sitzplatz – „coronagerecht im Schachbrettmuster aufgestellt“, wie Berres betont. „Und wir haben noch Stühle in Reserve.“

Kaum einen schöneren Ort für Theater und Livemusikbegleitung kann sich Irene Schwarz für die Aufführungen vorstellen: „Es ist toll, dass das Gelände vor der Ruine ein wenig ansteigend ist. Wir haben diesen Ort schon immer gefeiert“, findet die Regisseurin und Schauspielerin. „Diese Kulisse schreit nach Theater.“ Thematisch geht es in dem Stück um die Frage, was im Kopf des Mannes aus dem Rheinland vorging, dessen Büste zu einem der meistverkauften Merchandising-Artikel auf dem Planeten zählt. „Es geht um den Kopf eines Rebellen und Freigeistes, der nach Beethoven Beerdigung tatsächlich immer wieder ausgegraben wurde und dessen Schädelteile als Reliquien verkauft wurden — auf der Suche nach dem Sitz des Genies“, sagt Simon, ebenfalls Ensemblemitglied des N.N.-Theaters. Durch das Stück habe er selbst eine Menge über Beethoven erfahren, was ihm zuvor unbekannt war.

„Beethoven war ein Revoluzzer“

Da sich das N.N.-Theater freilich in der Tradition eines Volkstheaters sieht, sei das Stück alles andere als verkopft. „Bekannt ist, dass er es liebte, unter Leuten zu sein. Er war eben in Rheinländer – auch in Wien“, sagt Simon. „Gleichzeitig war er ein Revoluzzer: Er hat Harmonien kreiert, von denen kann man nur sagen: Wie geil ist das denn?“, findet der Beethoven-Darsteller. Selbst seine zunehmende Taubheit habe die Genialität seiner Arbeit nicht aufhalten können. Aber: „Nicht hören zu können, trennte den Mensch Beethoven von den Menschen“, erklärt Schwarz. Was ihn für seine Zeit einzigartig machte: „Er war einer der ersten Musiker, der mehr oder minder selbstständig von der Musik leben konnte, da er nicht wie zu der Zeit üblich von einem Fürsten abhängig war.“

Nicht nur musikalisch, sondern auch schauspielerisch sind übrigens die vier jungen Musiker des Streichquartetts „Doron“ Teil der Inszenierung. Die 18 bis 22 Jahre alten Musiker lassen Kostproben aus dem Schaffen Beethovens erklingen – darunter das Streichquartett Nummer 14, Opus 131. „Das Streichquartett Opus 131 ist so ziemlich das Schwierigste, was Streichquartette überhaupt spielen können“, weiß Simon. „Gut, es ist anspruchsvoll. Aber die rocken die Hütte“, findet Schwarz. Das Quartett habe, so Schwarz, den Anspruch formuliert, dass das Publikum zu dieser Musik tanzen könnte.

Karten zum Preis von zwölf Euro, ermäßigt sieben Euro plus Gebühren sind im Vorverkauf erhältlich im Siebengebirgsmuseum Königswinter in der Altstadt und der VHS-Geschäftsstelle in Oberpleis sowie unter www.bonnticket.de für 14,40 oder 8,90 Euro plus Gebühren.