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Singen im Siebengebirge: Kölsch-syrisches Singen in Aegidienberg

Singen im Siebengebirge : Kölsch-syrisches Singen in Aegidienberg

Vier syrische Flüchtlinge singen im Männergesangverein kölsche Lieder. Rheinisch fällt ihnen leichter als Hochdeutsch.

Der Männergesangverein (MGV) an sich ist eine aussterbende Gattung. Seine besten Zeiten hatte er Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Mitglieder der Berliner Liedertafel einmal im Monat dienstags zusammenkamen, sangen und politisierten. Es gab noch keine verlässliche Straßenbeleuchtung, deshalb traf man sich an jenem Dienstag, der dem Vollmond am nächsten lag.

Seitdem geht es langsam, aber stetig bergab mit dem MGV. Allerdings: In vielen Dörfern auf dem Lande sind die betagten Sängerkreise immer noch wichtige Kulturträger. Frischer Wind weht jetzt beim MGV Aegidienberg von Süden her. Vier junge syrische Flüchtlinge sind der Altherrenriege beigetreten. Und sie haben Spaß am Singen, an weinseligen Stimmungsliedern, sogar am kölschen Liedgut. Das hat einen Grund: „Kölsche Lieder sind fast einfacher zu singen“, sagt der 21-jährige Amir Ahmad und vergleicht sie mit dem Hochdeutschen. Der Befund mag damit zusammenhängen, dass es in der Phrasierung der kölschen „Mottersproch“ ähnlich zugeht wie im Arabischen, der Amtssprache in Syrien. Wie dem auch sei: Die Mitgliedschaft im Männergesangverein bringt die vier Syrer auch in Sachen Integration weiter. Nicht nur der Spracherwerb ist ein wichtiger Baustein zur Eingliederung, auch die Vereinsmitgliedschaft ist nicht zu verachten.

Der Neubürgerbeauftragte des Kreises, Ludwig Neuber, der früher selbst als junger Mann aus dem 20 Kilometer entfernten Nachbarort Morsbach nach Ruppichteroth im östlichen Rhein-Sieg-Kreis einwanderte, hatte eine konkrete Erfolgsstrategie: „Damals ging ich in den Gesangverein, und die Isolation hatte ein Ende.“ Diese Lektion haben die vier kölschsingenden Syrer aus Aegidienberg erfolgreich verinnerlicht.