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Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur: Königliche Hoheit zu Gast in Heisterbacherrott

Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur : Königliche Hoheit zu Gast in Heisterbacherrott

Der Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur besteht seit 25 Jahren. Zur Jubiläumsfeier kam auch Franz Friedrich Prinz von Preußen, der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Dass er jemals an seine Geburtsstätte zurückkehren würde – der Urenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. hätte es nie geglaubt. Doch die Wende ermöglichte seine Reise in die Vergangenheit: Franz Friedrich Prinz von Preußen besuchte das Schloss Saabor im schlesischen Grünberg.

Mittlerweile ist der 73-Jährige stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur (VSK), der 1993 von Klaus Ullmann, dem damaligen Präsidenten des Vereins Haus Schlesien, initiiert wurde. Jetzt feierte der prominente Gast mit seinen Vorstandskollegen in Heisterbacherrott das 25-jährige Jubiläum des VSK – eine schlesische West-Ost-Achse. „Es wurde Zeit für diese Stippvisite“, betonte VSK-Vorsitzender Christopher Schmidt-Münzberg.

Das Kultur- und Begegnungszentrum in Heisterbacherrott sieht es als seine Aufgabe an, die Erinnerung an Schlesien aufrechtzuerhalten, aber auch auf das heutige Schlesien neugierig zu machen. „Hierzu gehört die enge Zusammenarbeit mit Partnern in Polen, insbesondere mit Museen und Hochschulen“, sagte dessen Leiterin Nicola Remig. „Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs erschien es denkbar, auch vor Ort das kulturelle Erbe dieser wichtigen Region mit Leben zu füllen“, betonte Professor Michael Pietsch, der Präsident des Vereins Haus Schlesien.

Vereinssitz auf Schloss Lomnitz

Aus dieser Aufbruchsstimmung heraus hatte sein Vorgänger den VSK initiiert, der seinen Sitz im Schloss Lomnitz hat. Architekt Schmidt-Münzberg zog den Hut vor den Leistungen von Haus Schlesien. „Es ist beeindruckend, wie hier, so weit im Westen, schlesische Kultur präsentiert wird und Brücken geschlagen werden über 800 Kilometer hinweg.“ Einer seiner ersten Aufträge war es, ein Schloss im Hirschberger Tal wieder aufzubauen. Seither ist der Bremer mit Breslauer Wurzeln hauptsächlich in Niederschlesien tätig.

„Es ist ein Glücksfall für den VSK, dass sein Vorsitzender dort lebt“, so Ehrenvorsitzender Karsten Riemann. „Die Polen haben ein vitales Interesse an der deutschen Vergangenheit entwickelt.“ Das bestätigte der seit 1997 in Potsdam lebende Franz Friedrich Prinz von Preußen. „Die Menschen dort sind sehr interessiert an der Historie.“ Die Marschallin der Woiwodschaft Lebus etwa bewundere Schloss Saabor, in dem der Hohenzoller im Oktober 1944 geboren wurde. Letzte Eigentümerin des Schlosses war Prinzessin Hermine von Reuss. Sie heiratete 1922 den verwitweten Kaiser Wilhelm II. und kehrte nach dessen Tod 1941 aus dessen Doorner Exil zurück ins Schloss.

Porträt der Großmutter für die Ausstellung

Dort lebte sie bis zur Flucht vor der Roten Armee mit weiteren Angehörigen des Kaiserhauses – darunter der Enkel Kaiser Wilhelms, Karl Franz Joseph von Preußen, dessen Frau Henriette, Hermines Tochter aus erster Ehe, sowie ihre Söhne Franz Wilhelm und Franz Friedrich. Zwar wurde Schloss Saabor im Jahr 1945 geplündert, jedoch nicht zerstört. Es wurde Sanatorium, 1998 Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als 2017 der restaurierte Spiegelsaal eingeweiht wurde, war der Prinz Ehrengast und brachte ein Porträt seiner Großmutter Hermine für die Ausstellung mit. Inzwischen erwägt die Woiwodschaftsregierung, das Schloss touristischen Zwecken zuzuführen. Professor Pietsch: „Unsere wichtige Botschaft ist, was wir machen, das wird mit den Menschen dort gemacht.“

Seit 2017 stiftet der Verein einen Denkmalschutzpreis, denn nach wie vor gibt es wenig staatliche Anreize für die Wiederherstellung kleinerer Objekte. Der Kaiser-Urenkel: „Bis 1989 haben die Polen sich nicht getraut, an den Häusern etwas zu machen. Die glaubten, die Deutschen kommen wieder. Wir sagen – macht die alten Häuser wieder klar.“ Er staune, was da passiere. Dort hätten sie sogar einen alten Weinberg reaktiviert. Karsten Riemann hob das „wunderbare Miteinander“ heraus. Das äußere Zeichen: Die VSK-Zeitschrift ist zweisprachig.