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"Königssommer" in Königswinter: Freiluftausstellung statt Sommerfest

Freiluft-Ausstellung statt Sommerfest : Der „Königssommer“ in Königswinter ist ein Kulturprojekt

Zum achten Mal findet das Sommerfest „Königssommer“ statt. In diesem Jahr indes Corona-bedingt in einer abgewandelten Version: Die Innenstadt von Königswinter wird durch 50 Stelen zu einem großen Ausstellungsraum unter freiem Himmel.

 Keine Chance für Musik- oder Bürgerfest, Konzerte und Märkte, aber der Sommer 2020 bekommt doch noch eine Krone aufgesetzt – konform mit Corona, dessen lateinischer Name ja auch „Krone“ oder „Kranz“ heißt. Allerdings wird der „Königssommer“ in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen.

Nach der XXL-Auflage zum Stadtjubiläum Königswinters 2019 mit mehr Veranstaltungen als sonst seit der „Königssommer“-Premiere 2013, hatte es zunächst so ausgesehen, als würde es wegen der Pandemie in diesem Jahr gar nichts damit werden. „Aber wir haben immer wieder Gespräche geführt mit der Stadt Königswinter über das, was trotz der gebotenen Auflagen möglich ist“, erklären Helmut Reichelt und Franca Perschen vom kulturbuero nr.fuenf als Organisatoren des „Königssommers“, die gemeinsam mit Andrea Pokorny, einer der beteiligten Künstlerinnen, das Projekt vorstellten.

Das Ergebnis: Eine abgewandelte Version der „Königsfarben“ aus dem Jahr 2018, als die kulturelle Vielfalt der Königswinterer Bevölkerung durch Stelen zu den dort vertretenen Nationalitäten Ausdruck fand. Jetzt sollen es 50 Stelen sein, die von Sonntag, 2. August, bis Sonntag, 4. Oktober, unter anderem eine Grundidee des „Königssommers“ widerspiegeln: Die Schaffung von niederschwelligen kulturellen Angeboten für Bewohner und Besucher der Altstadt im Sommer. Das Thema: „Kultur und Corona. Gemeinsam auf Abstand“.

 „Mit dieser neuen Aktion unter dem Titel ‚Königsfarben’ widmen wir uns der Kultur in Zeiten der Pandemie“, sagen die Organisatoren, und: „Kultur ist von Natur aus ein gemeinschaftliches Erlebnis, das in Zeiten des bewussten Abstandhaltens in der gewohnten Form nicht mehr stattfinden kann.“

Die 50 Stelen werden von lokalen und regionalen Künstlern gestaltet, die zu Farbtöpfen genauso wie zu Kameras, Stiften, Pinseln und sonstigen Materialien gegriffen haben. Zwei Meter ist jede Stele hoch, hat drei knapp 40 Zentimeter breite Seiten aus widerstandsfähigem Kunststoff, von denen jeweils zwei künstlerisch gestaltet und die dritte mit Informationen zur Aktion und zum Werk versehen werden.

Franca Perschen etwa hat „Abstandhalter“ gezeichnet: Zwei Figuren, die sich auf der schmalen Fläche weitmöglichst voneinander mit dem Rücken an die Wand drücken und trotzdem Aerosole Sprühnebel ausatmen.

Helmut Reinelts romantisch angehauchte, am Computer bearbeitete Fotografie des Siebengebirges zeigt „das Jahr 501 nach Corona, wenn wir alle verschwunden sind, von den Errungenschaften der Zivilisation nichts mehr übrig ist und die Natur zurückkommt“. Und weil

Andrea Pokorny im Lockdown „auch mit einer Online-Community live gemalt hat und sich manches online realer anfühlte, als die Wirklichkeit“ greift sie auf ihrer Stele Menschen und Masken, die virtuellen Zusammenkünfte am Computer und die Zusammenkünfte in einer realen Stadt auf.

Viel versprechen sich die Organiatoren von der Aktion. Dazu gehören neben der Veränderung des Stadtbilds für die Dauer des „Königssommers“ die Förderung des Wir-Gefühls in Königswinter, touristische Anreize sowie eine Unterstützung der lokalen Händler und Gastronomen.

Es geht aber auch um die Förderung von Kunst- und Kulturschaffenden. „Wir wollten auch den Künstlern die Möglichkeit der Öffentlichkeit geben. Kunst ohne Zeigen geht nicht.“ Zudem erhielten so auch die Künstler Aufmerksamkeit, „die gerade durch alle Raster fallen und um ihre Existenzen kämpfen“.

Daher freut es die Organisatoren auch, dass die Künstler ihre Stelen nicht nur behalten und nach der Aktion auch verkaufen dürfen, sondern auch, dass diese eine Aufwandsentschädigung erhalten. Für die Gestaltung gibt es 100 Euro pro Stele für die Künstler von der Stadt Königswinter. „Das soll zeigen, dass auch in aktuell schwierigen Zeiten Kultur einen Platz in der Gesellschaft hat.“ Künstler wiederum könnten Denkanstöße und neue Perspektiven auf ein Thema geben.

Und noch eins ist den Organisatoren wichtig: Die Gesamtaktion wird nur gering öffentlich gefördert, auch vom Rhein-Sieg-Kreis. „Aber ansonsten funktioniert die private Förderinitiative von Beginn des ‚Königssommers’ an.“ Der Dank der Organisatoren gilt den Sponsoren, die sich auch in diesem Jahr bereitwillig engagierten.