Historische Ausstellung im Siebengebirgsmuseum Was der Wald früher mit dem Weinanbau zu tun hatte

Königswinter · Ein faszinierendes Kapital des historischen Weinanbaus thematisiert die neue Ausstellung im Siebengebirgsmuseum. Eine Erkenntnis: Nachhaltigkeit ist keine Erfindung von heute.

Die Kuratorin der Ausstellung, Christiane Lamberty, gibt einen umfassenden Einblick in die historische Landnutzung im Siebengebirge.

Die Kuratorin der Ausstellung, Christiane Lamberty, gibt einen umfassenden Einblick in die historische Landnutzung im Siebengebirge.

Foto: Iris Zumbusch

Das ist eine klare Aussage. „Was wir in der Ausstellung sehen, ist Kultur pur“, brachte Martina Gelhar, Leiterin der Abteilung Kulturlandschaftspflege im Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege des Landschaftsverbandes Rheinland, ihren ersten Eindruck zur neuen Ausstellung im Siebengebirgsmuseum auf den Punkt. Die Ausstellung „Zwischen Wingert und Busch“ zu historischen Landnutzungen rund um den Weinbau würdigte Gelhar als bedeutenden Beitrag zur Wertschätzung von Kulturlandschaften. Das Wissen um Landschaft in ihrer historischen Nutzung ginge leider oft verloren. Dabei seien Landschaften als Archive der Gesellschaft unbedingt schützenswert, um den Menschen die Identifikation mit ihrer Heimat zu bewahren. „Landschaft ist endlich und Raum ist nicht vermehrbar“, sagte Gelhar.

Weinanbau und Wald gehörten historisch zusammen

Die Ausstellung präsentiert die Ergebnisse des interdisziplinären mehrjährigen Forschungsprojekts „Zeugnisse der Landschaftsgeschichte im Siebengebirge“. Durchgeführt wurde das Projekt vom Siebengebirgsmuseum und der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis mit finanzieller Unterstützung der Nordrhein-Westfalen Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und dem Landschaftsverband Rheinland.

 Noch heute geben verzweigte Rahmbuchen Zeugnis von ihrer einstigen Nutzung für den Weinbau.

Noch heute geben verzweigte Rahmbuchen Zeugnis von ihrer einstigen Nutzung für den Weinbau.

Foto: Joern Kling

„Wir gehen in das Land hinter den Weinbergen“, führte die Kuratorin der Ausstellung, Christiane Lamberty, in die Themenfelder ein. „Wingert“ bezeichnet den Weinberg und „Busch“ den Wald“. Mit dem Titel der Ausstellung wird bereits auf den engen Zusammenhang des Weinanbaus und der Waldwirtschaft hingewiesen. Ein umfassenderer Blick gilt dabei der Waldwirtschaftsform, die als „Rahmbusch“ bezeichnet wird. „Rahm“ oder „Ram“ bedeutet Ast. Das Wort „Rahmen“ leitet sich bis heute daher ab.

Bei dieser Wirtschaftsform wurden in den zu den Weinanbaubetrieben zugehörigen Wäldern Weinbergspfähle im wesentlichen von Buchen geschlagen. „Der Rahmbusch hatte darüber hinaus eine Multifunktionalität“, erklärte Lamberty. So sei auch das Einstreu für das Vieh der Höfe in den Wäldern gesammelt worden. Das Futter für die Tiere kam von Wiesen aus dem Hinterland. Der Mist der Tiere wiederum wurde als Dünger für die Weinreben benötigt. Zum Binden der Pfähle wurden Weiden geschnitten. „Es war ein nahezu geschlossener Kreislauf, bei dem die Winzer im Siebengebirge fast ohne Zukäufe auskamen.“

Ein Holzstumpf als Zeitzeuge

Ein Zeuge aus der Zeit der intensiven Nutzung der Wälder für den Weinbau steht als imposanter „Stubben“ einer Rahmholzbuche derzeit als Teil der Ausstellung vor dem Museum. „Wir schätzen das Alter dieses mächtigen Holzstumpfes auf rund 240 Jahre. Der letzte Hieb an dem Baum muss vor 150 Jahren getätigt worden sein“, erklärte Barbara Bouillon von der Biostation Rhein-Sieg. Der Baum stamme vom Bittweg auf den Petersberg. Auch aus zoologischer Sicht seien die Rahmbäume bis heute wertvoll, böten sie doch Lebensraum für seltene Insektenarten, öffnete Dieter Steinwarz, Leiter der Biostation Rhein-Sieg weitere Perspektiven.

Die Ausstellung „Zwischen Wingert und Busch“ ist bis zum 17. November 2024 im Siebengebirgsmuseum zu sehen. Weitere Informationen unter www.siebengebirgsmuseum.de.

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