Integrationprojekt in Königswinter Ehrenamtliche machen Geflüchtete fit für die Bewerbung

Königswinter · Es ist eine Grundvoraussetzung, um im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: die richtige Bewerbung. Das Forum Ehrenamt und das Netzwerk Integration in Königswinter helfen Geflüchteten, ihre Unterlagen zu erstellen - bis hin zum perfekten Foto für die Mappe.

   Noch ein wenig Korrektur an der Haltung: Fotografin Ruth Evans fotografiert ehrenamtlich auch Siham Remo für die Bewerbungsunterlagen.

Noch ein wenig Korrektur an der Haltung: Fotografin Ruth Evans fotografiert ehrenamtlich auch Siham Remo für die Bewerbungsunterlagen.

Foto: Roswitha Oschmann

Siham Remo streicht sich noch einmal über das Haar. Fotografin Ruth Evans verändert noch ein wenig die Haltung der jungen Frau. Lächeln. Dann klickt es auch schon – das Foto für den Bogen mit dem Lebenslauf hat Evans im Kasten. Und Siham Remo ist ihrem Ziel, einen Schulabschluss zu machen, einen Schritt näher. Das Forum Ehrenamt und das Netzwerk Integration Königswinter (NIK) helfen als Kooperationspartner Flüchtlingen dabei, Bewerbungsunterlagen anzufertigen.

Professionelle Bewerbungsunterlagen sind wichtig

„Viele Geflüchtete wollen schnell in den Beruf. Dafür brauchen sie neben Sprachkenntnissen auch professionelle Bewerbungsunterlagen“, so Nisa Punnamparambil-Wolf von Forum Ehrenamt. „Hier wollen wir gemeinsam helfen.“ Mehrere Termine in der Begegnungsstätte „Grenzenlos“ in der Altstadt und in der Internationalen Begegnungsstätte in Oberpleis sind angesetzt für die zahlreichen Interessenten.

Um einen Tisch sitzen Frauen und verfolgen die Ausführungen von Ingrid Lemaire, sie ist Unternehmensberaterin und erklärt, worauf es ankommt beim Bewerben. Ehrlichkeit sei wichtig, sagt die Trainerin, die sich in Sachen Integration in den Arbeitsmarkt im Forum Ehrenamt engagiert.

Wenn jemand schreibe, fließend Englisch sprechen zu können, dann würde er das in einem Bewerbungsgespräch vielleicht auch direkt unter Beweis stellen müssen. Besser sei es, Grundkenntnisse aufzuführen, wenn keine Perfektion vorliege. Schul- und Berufsabschlüsse wären zu erwähnen neben sprachlichen Fertigkeiten, persönliche Fähigkeiten.

Ehrlichkeit ist wichtig

Nisa Punnamparambil-Wolf: „Nicht jeder hat eine Schule besucht oder hat eine Ausbildung. Erklären Sie, warum. Vielleicht gab es kein Schulsystem. Vielleicht wurde Ihre Ausbildung durch den Krieg unterbrochen.“

Ein Bewerbungsbogen von „Anna Musterfrau“ hilft den Teilnehmern, beim Erstellen des eigenen Schreibens. Nisa Punnamparambil-Wolf nimmt die handgeschriebenen Zettel mit ins Büro und überträgt alles am PC. Dann erhalten alle ihr Dokument online aufs Handy oder können sich das Bewerbungsschreiben auch ausdrucken lassen.

Etwa bei Thomas Bentler, der im „Grenzenlos“ Sozialberatung für das Forum anbietet. Viktoria Methfessel, die als Übersetzerin aktiv ist, hilft. Ebenso aktiv sind Anja Krall von der Evangelischen Kirche Siebengebirge und Cornelius Henze vom Netzwerk Integration.

Anfragen aus der Gastronomie

Siham Remo kam 2015 mit Mann und zwei Söhnen aus Syrien. Mittlerweile hat das Paar noch eine Tochter. Vor kurzem hat Remo den B 2-Sprachkursus bestanden, den Führerschein gemacht. Jetzt will sie den Realschulabschluss in Angriff nehmen und danach eine Ausbildung absolvieren, „etwas Medizinisches“.

Gerade aus der Gastronomie wären Anfragen nach Arbeitskräften an das Forum Ehrenamt gelangt. „Die brauchen dringend Leute. Aber auch für diese Arbeit ist ein Lebenslauf erforderlich. Das ist Voraussetzung.“ Thomas Bentler: „Manchmal sind auch Helfer überfordert.“ Zu umfangreich sei alles. Für die vielen ukrainischen Flüchtlinge hätten Formulare ausgefüllt werden müssen. Und dann müssten die schon länger hier lebenden Flüchtlinge zuschauen. Krall: „Es brodelt.“