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Königswinter: Hinter den Kulissen von Schloss Drachenburg lauern Überraschungen

Hinter den Kulissen : Auf Schloss Drachenburg gibt es sogar eine Ferienwohnung

Ob Fake-Orgel, Zwischenräume und kaum sichtbare Türen: Es gibt viele Überraschungen hinter den Kulissen von Schloss Drachenburg.

Die Orgel-Attrappe ist enttarnt: Als Paul Spinat an die Brüstung der Empore im Musikzimmer von Schloss Drachenburg trat, um sich für seine Darbietung vom Publikum feiern zu lassen, lief die Musik vom Band munter weiter. Da war klar, dass der skurrile Unternehmer, der das Schloss in den 70er und 80er Jahren vor dem Verfall bewahrte, nicht wirklich gespielt hatte.

Das ging auch gar nicht, denn die Orgelpfeifen sind „fake“. Bloß Blechröhren. „Und es gab nie einen Orgel-Spieltisch hier“, berichtet Schlossführerin Gaby Brennig. Das sieht indes nur, wer oben steht. Nicht die einzige Überraschung, die Schloss Drachenburg hinter den Kulissen bietet.

Hat wohl jemals jemand beim Wandeln durch die Beletage Schritte oder Stimmen gehört, obwohl niemand zu sehen war? Möglich wäre es: Ohne Spuk, sondern wegen der „guten Geister“, die im Verborgenen wirkten. Woanders gibt es doppelte Böden, in Schloss Drachenburg kaum sichtbare Türen, Zwischenräume und zwei Dienstboten-Treppenhäuser, eins im Süden und eins im Norden, die hoch oben über dem Gewölbe des prächtigen Schlossfoyers verbunden sind.

Personal sollte unsichtbar sein

Unterm Dach nimmt der Boden die Gewölbeform auf: Auf und ab ging es da für die eiligen, zumeist weiblichen Bediensteten. Aber nur so, ganz oben im Schloss, gelangten die Diener von einer zur anderen Gebäudeseite, ohne Herrschaftsräume zu betreten. „Das Personal sollte unsichtbar sein. Dafür war die Infrastruktur solcher Häuser gemacht“, sagt Brennig.

Um das Erscheinen der Dienstmädchen auf der Repräsentations- oder der Privatebene zu minimieren, gab es zu jedem Raum einen Zugang vom Flur aus, durch die sie rein- und raushuschten. Bren­nig: „Und wenn sich Diener und Herr doch mal begegneten, stellten sich die Diener mit dem Gesicht zur Wand.“

Die Personalunterkünfte lagen in der obersten Etage, wo sich heute zwei Suiten befinden, eine davon nagelneu. Nur wer diese als Ferienwohnung bucht oder wer im Schloss arbeitet, nutzt die zwei Neben-Treppenhäuser derzeit regelmäßig.

Weder Staub noch Spinnweben vorhanden

Kaum vorstellbar, dass es auf den nicht einmal 70 Zentimeter breiten und früher vielleicht noch schiefen Stufen der teils gewendelten Treppen zwei Bedienstete, die zudem Speisetabletts oder Wassereimer schleppten, aneinander vorbeikamen.

Ob das Personal im Gründerzeit-Bau wohl den Dachboden für traute Treffen wählte? Weder Staub noch Spinnweben weist die zur Erbauungszeit von 1882 bis 1884 moderne Dachkonstruktion mit genieteten Stahlträgern heute auf. Und es riecht dezent nach dem Öl, mit dem die Holzböden gepflegt werden.

Ebenso makellos, zwar eng aber freundlich muten die Treppenhäuser an, dank der Fenster. „Aber früher ging man hier nachts mit Kerzen oder Gaslampen rauf und runter“, erinnert die Schlossführerin. Im Schummerlicht von einst war auch noch schlechter als heute die Türklinke im Schnitzwerk der Holzvertäfelung im Speisezimmer auszumachen, die zu einer versteckten Tür gehört.

Aktuelle Technik ist vorhanden

Öffnet sich diese, ist es, als ob die Wand aufgeht. Dahinter ein winziger Flur und zwei Türen: Eine ins Treppenhaus, die andere ins Anrichtezimmer: Wo Dienstmädchen früher das Essen auf Silbertabletts arrangierten, stapeln sich heute Stühle für Veranstaltungen.

Wo sich die Rückwand eines imposanten Büfettschranks wie an einer Durchreiche hochschieben lässt, wurden die Speisen wie aus dem Nichts aufgetischt. Und wo eine Magd einst gleichsam in der Wand zwischen einer Tür zum Salon und einer Tür zum Flur innehielt, sind heute Geräte für die Haussteuerung installiert.

Aktuelle Technik findet sich auch in den früheren „Kriechgängen“, durch die Warmluft der Zentralheizung in die Gemächer strömte.

Heizung, Lüftung, Strom, Einbruch- und Brandmelder: alles Aufgabengebiete der „guten Geister“ von heute: Schlossmeister Holger Grebert und Fritz Büllesfeld. Sie als „Hausmeister“ zu bezeichnen wäre untertrieben, und verstecken müssen sie sich nicht. Aber auch sie arbeiten oft unsichtbar vom Technik­raum im Keller bis zum Turm, auf dem sie gerne die Fahne aufhängen, „weil der Ausblick einzigartig ist“.

Früh morgens sind sie manchmal schon im Park, um Pflanzen zu gießen oder Wege zu räumen, oder ganz spät noch im Schloss wegen Malerarbeiten oder um nach einer Veranstaltung Möbel zu rücken oder Leuchter zu richten, damit die Kulisse am nächsten Tag wieder stimmt.