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Königswinter: "Klassik in der Scheune" zieht ins Gotteshaus um

Konzertreihe startet wieder : „Klassik in der Scheune“ zieht ins Gotteshaus in Königswinter um

Lange hatten die Liebhaber der Konzertreihe verzichten müssen, jetzt geht „Klassik in der Scheune“ in die nächste Runde. Allerdings finden die Konzerte diesmal nicht in Heisterbach, sondern in der Altstadt in der Kirche statt.

„Klassik in der Scheune“ ist auch 2021 der Titel der traditionellen Konzertreihe. Diesmal entschied sich der Veranstalter, die Stiftung Abtei Heisterbach mit den katholischen Kirchen im Sendungsraum Königswinter, für ein Ausweichquartier. Start ist am 3. Oktober in der Kirche „Maria Königin des Friedens“ – von der Zehntscheune in der Klosterlandschaft Heisterbach geht es in die Altstadt.

„2020 musste ,Klassik in der Scheune‘ wegen Corona ganz ausfallen. Wir wollten eigentlich im Mai 2021 beginnen. Aber die Leute haben Angst“, sagt Pfarrer Markus Hoitz, Geschäftsführer der Stiftung. Und: „Normalerweise besuchen 100 bis 150 Leute die Scheunenkonzerte.“ Unter Corona-Schutzbestimmungen ist das nicht möglich. Nun wird die Kirche als Konzertsaal genutzt unter 3G-Bestimmungen. Hoitz: „Mindestens 200 Plätze können belegt werden.“ Und die Kirche hat den Vorteil, beheizt werden zu können. Im vierten Quartal, in dem sich die seit 16 Jahren laufende Reihe 2021 ausnahmsweise abspielt, wären die Konzerte in der Scheune nicht durchführbar. „Da haben wir drinnen Außentemperatur.“

Nachträgliche Geburtstagsgrüße an Beethoven

Wie immer hat die künstlerische Leitung Wolfram Lehnert aus Vinxel, der die vier Konzerte unter das Gesamtmotto „Beethoven zum Geburtstag – nachträgliche Geburtstagsgrüße“ stellt. Bei „Beethoven goes Gipsy“ wird am 3. Oktober das Marcus-Schinkel-Trio mit dem Gitarristen Josho Stephan alles rund um Beethoven und Stéphane Grapelli aus ihren Instrumenten kitzeln. Pianist Schinkel gilt als einer der versiertesten Grenzgängern zwischen Jazz, Klassik und Pop und tourt bereits seit zehn Jahren mit dem Programm „Crossover Beethoven“. Sein Trio ist seit zwei Jahrzehnten in der Originalbesetzung. Vielseitig zwischen Tango und Klassik bewegt sich Bassist Fritz Roppel. „Und Schlagzeuger Wim de Vries gilt als bester Schlagzeuger der Niederlande und als einer der besten Europas“, lobt Lehnert, der sich geehrt fühlt, da mitspielen zu dürfen.

International bekannte Musiker sind zu Gast

Die beiden nächsten Konzerte finden in Zusammenarbeit mit „Bürger für Beethoven“ statt. Für den 24. Oktober wählte Lehnert den Titel „Beethovens Nachfolger im Pariser Salon“. Das Ensemble van Beethoven spielt Streichquartett und Streichsextett von Georges Onslow und Ferdinand Ries, „ein Konzert, wie es einst in Paris stattgefunden hat“. Ries, so Lehnert, „wurde in Frankreich geliebt, weil er so ähnlich wie Beethoven spielte“. Und Onslow galt in Frankreich als „der französische Beethoven“. Tragischerweise ereilte ihn ein ähnliches Schicksal wie Beethoven: Bei einem Jagdunfall wurde er am Ohr getroffen, das ertaubte.

Ein „Beethoven-Ries-Recital“ mit Sonaten für Violine und Klavier beider Komponisten ist für den 5. Dezember vorgesehen – Lehnert hat dabei den finnischen Pianisten Pauli Jämsä an der Seite. Am 19. Dezember heißt es „Christus am Oelberg“ mit Beethovens Bühnenmusik „Die Ruinen von Athen“, der ersten Sinfonie und dem Oratorium „Christus am Oelberg“ in der Kammerversion – es wirken mit der Kammerchor Oberpleis mit Solisten unter Leitung von Pavel Brochin sowie das Kammerorchester Ensemble van Beethoven. „Die Programme erzählen immer eine Geschichte“, so Lehnert. Seit 1988 spielt er in der Gruppe der Ersten Geiger des Beethovenorchesters und leitet seit fast 30 Jahren das Kammerorchester-Ensemble van Beethoven. Er gestaltet für die Klassik-Scheune das Programm und organisiert die Besetzung. Lehnert hat auch Musikwissenschaft studiert - bei seinen unzähligen Besuchen in Bibliotheken geht er auf Entdeckungsreise nach Besonderem.

Eine spezielle Bearbeitung einer Beethovenkomposition fand er in der Nationalbibliothek in Prag. „Da kam die Direktorin, weil sie sehen wollte, wer diese Noten haben wollte. Sie waren auf Büttenpapier aus einer Klostersammlung.“ Die Direktorin hatte den Tipp offensichtlich einem Prager Ensemble weitergegeben. „Das spielte das dann in Bonn im Beethovenhaus.“  

Natürlich hoffen die Organisatoren, dass 2022 die Reihe wieder in der Heisterbacher Scheune stattfinden kann. Aber Lehnert könnte sich auch vorstellen, über den Winter Konzerte in „Maria Königin des Friedens“ durchzuführen. Hoitz fügte mit Blick auf den Nicknamen der Kirche „Maria in Beton“ an: „Das ist dann Klassik in Beton.“