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Mängel an Fahrradwegen: Königswinter landet beim Fahrradklimatest im Mittelfeld

Mängel an Fahrradwegen : Königswinter landet beim Fahrradklimatest im Mittelfeld

Die Teilnehmer beim Fahrradklimatest bemängeln vor allem die Situation am Rheinuferweg und die fehlende Berg-Tal-Verbindung in Königswinter. Der ADFC sieht noch reichlich Luft nach oben.

Leicht verschwitzt und – was für ihn ungewöhnlich ist – leicht verspätet traf Peter Wirtz zum gemeinsamen Termin der Stadt mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bonn/Rhein-Sieg im Haus Bachem ein. Passend zum Anlass, der Vorstellung der Ergebnisse des Fahrradklimatests, war der Bürgermeister mit dem Fahrrad von Eudenbach in die Königswinterer Altstadt gekommen.

Erstmals wurde in der Stadt die erforderliche Mindestzahl von 50 Interviews erreicht. 112 Radfahrer nahmen an der im Herbst 2016 bundesweit durchgeführten Befragung teil, die vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird. Dabei mussten sie 27 Kriterien auf einer Notenskala von eins bis sechs bewerten. Dazu kam eine offene Frage. Königswinter schneidet mit einer Note von 3,89 etwas schlechter ab als der Durchschnitt vergleichbar großer Städte.

Im Kreisvergleich liegt die Stadt im vorderen Mittelfeld, allerdings deutlich hinter den führenden Kommunen Meckenheim (Note 2,69), Lohmar und Troisdorf (beide 3,48). „Da gibt es noch reichlich Luft nach oben“, sagte Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC für den rechtsrheinischen Kreis.

Fehlende Berg-Tal-Verbindung wird bemängelt

Königswinter erhielt von den Teilnehmern bei der Frage, ob Radfahren in der Stadt mehr Spaß oder mehr Stress bedeutet, mit 2,6 die beste Note. Am schlechtesten schneidet die Stadt bei den Kriterien Oberfläche der Wege (4,5), Breite der Wege (4,7) und Öffentliche Fahrradleihsysteme (5,0) ab. Letzteres möchte Lorscheid allerdings nicht überbewerten. Das Manko des fehlenden Leihsystems spiele in einer Großstadt wie Bonn eine größere Rolle als in der Flächengemeinde Königswinter.

Von den 112 Teilnehmern machten 39 Anmerkungen zur Situation für Radfahrer in der Stadt. Besonders bemängelt wurde dabei die Situation am Rhein, wo es fast an jedem Wochenende zu Kollisionen komme und eine klarere Kennzeichnung des Bereichs für Fußgänger und Radfahrer notwendig sei.

Bemängelt wurde auch die fehlende Berg-Tal-Verbindung und dass zwar die Fahrbahn der L 268 zwischen Oberdollendorf und Heisterbacherrott saniert worden sei, der Radweg aber weiter sehr schlecht sei. „Die Stadt muss stärker darauf drängen, dass die L 268 einen Radweg in genügender Breite bekommt und beim Ausbau des Rhein-Radweges endlich die Initiative ergreifen“, meint dann auch Ludwig Wierich, Verkehrsplaner des ADFC in Königswinter.

Verbesserungen wurden in die Wege geleitet

Wirtz betonte, dass es zu den Berg-Tal-Verbindungen entsprechende Beschlüsse des Stadtrats gebe. Der Bau- und Verkehrsausschuss hatte die Verwaltung im Februar beauftragt, mit dem Landesbetrieb Straßen NRW Gespräche aufzunehmen mit dem Ziel, dass im Bereich der Landesstraßen im Siebengebirge Radwegverbindungen zwischen Berg und Tal zeitnah realisiert werden. „Ich habe mich schon darüber geärgert, dass bei der laufenden Sanierung der L 331 nicht über einen Radweg nachgedacht wurde“, so Wirtz.

Er sei überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren etwas tun müsse, da die Zahl der Radfahrer weiter zunehmen werde. Auch beim Rhein-Radweg seien Verbesserungen in die Wege geleitet. Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes sollen die Wege für Radfahrer und Fußgänger entzerrt werden. Am einfachsten ließe sich nach seiner Meinung allerdings die Situation der Radwege zwischen Königswinter und Oberkassel verbessern, die zur Bundesgartenschau angelegt wurden und aus heutiger Sicht zu schmal seien.

Kleinigkeiten bereiten Radfahrern Freude

Auch ein Radschnellweg durch Königswinter war Thema. „Der Kreis stellt sich irgendwann einen Schnellweg von Niederkassel bis Bad Honnef vor. Da müsste man überlegen, ob man mit einer Alternativroute durch die Altstadt nicht besser bedient ist“, sagte Lorscheid. Wirtz sieht hier jedoch wenig Chancen. „Es gibt keinen Korridor durch die Altstadt, der breit genug ist. Ein leistungsfähiger Rad-Schnellweg wird eine echte Herausforderung“, meinte er.

Manchmal bereiten aber auch Kleinigkeiten den Radfahrern Freude. „Eine Riesenverbesserung ist, dass die Stadt im Herbst Drängelgitter und Poller entfernt hat“, sagte Bernhard Steinhaus vom ADFC. Der Oberdollendorfer freut sich auch schon auf die nächste Befragung, die in zwei Jahren geplant ist. Ob bis dahin von den Vorschlägen allerdings bereits viel umgesetzt sein wird, ist die Frage.