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Königswinter: Parkchaos am Kloster Heisterbach - Ordnungsamt lässt Autos abschleppen

Ordnungsamt lässt Autos abschleppen : Parkchaos am Kloster Heisterbach sorgt für Ärger

Das Ordnungsamt Königswinter lässt etliche Falschparker am Kloster Heisterbach abschleppen. Betroffene kritisieren Unverhältnismäßigkeit, das Ordnungsamt sieht sich im Recht.

Die Empörung ist dem Kölner auch zwei Tage nach dem Wochenende noch anzuhören: Angesichts des überfüllten Parkplatzes am Kloster Heisterbach stellt er am Sonntag seinen Wagen – wie etliche andere Autofahrer auch – auf dem Seitenstreifen der Landstraße 268 ab und startet zu einem Spaziergang. Als er zurückkommt, ist sein Auto weg. Abgeschleppt, wie etliche andere Fahrzeuge auch. „Das ist völlig unverhältnismäßig“, schimpft der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Auch wenn hundert Autos im Halteverbot parkten, habe er natürlich nicht das Recht, der 101. Falschparker zu sein, räumt er ein. „Aber die Autos gleich abschleppen? Mir fehlt da jegliches Verständnis.“

Der Kölner ist nicht der einzige, der mit Blick auf das vergangene Wochenende sauer auf die Stadt Königswinter ist. Das Ordnungsamt hatte einmal mehr die Touristenmagneten im Siebengebirge in den Blick genommen und die Einhaltung der Corona-Regeln, aber auch der Verkehrsbestimmungen kontrolliert. Die Parksituation rund um Kloster Heisterbach hatte sich dabei insbesondere bei gutem Ausflugswetter bereits in der Vergangenheit als besonders schwierig herausgestellt. Wie nun auch wieder am Wochenende.

„Eine Karawane von Familien mit ihren weinenden Kindern machten sich auf den 2,6 Kilometer langen Weg, um ihr Auto für 270 Euro wieder auszulösen zuzüglich der Strafe, die noch vom Ordnungsamt folgt“, schildert ein weiterer Betroffener dem GA. Axel Mörer aus Bonn hat Ähnliches beobachtet. „Als ich mit meinem alten Freund aus Leichlingen am Sonntag gegen 18 Uhr zum Auto zurückkam, standen dort Familien mit zum Teil kleinen Kindern aus Dortmund, dem Kreis Wesel, aus Oberhausen und natürlich aus dem Rheinland, die nach ihren Autos suchten“, schreibt er in einer E-Mail an den GA. „Da dort kein Mobilfunkempfang besteht, konnte man sich nicht einmal erkunden, wer das Auto wohin abgeschleppt hat.“ Mörer kritisiert insbesondere, dass ein Parkverbot an dieser Stelle nicht ausgeschildert ist: „Die Leute ohne vorherige Verwarnung abzuschleppen, obwohl niemand gefährdend oder behindernd geparkt hat, erscheint unverhältnismäßig.“

40 Fahrzeuge abgeschleppt

Das sieht Nicolas Klein, Geschäftsbereichsleiter des Königswinterer Ordnungsamts, anders. Insgesamt seien am Samstag und Sonntag 40 Fahrzeuge entlang der L268 abgeschleppt worden, so Klein auf Anfrage des GA. „Die Falschparker am Kloster Heisterbach haben in den vergangenen Wochen massiv zugenommen“, schildert er. Dadurch entstünden Situationen mit „absolutem Gefährdungspotential: Beim Ein- und Aussteigen, Parken oder bei Ausweichmanövern anderer Verkehrsteilnehmer auf die Gegenspur, zumal auf der Landstraße Tempo 70 gilt“.

Grundsätzlich sei das Parken auf Grünstreifen verboten. Die Straßenverkehrsordnung regele außerdem, dass „Verkehrszeichen, die lediglich die gesetzliche Regelung wiedergeben“ nicht aufgestellt werden dürfen. „Jeder Autofahrer weiß, dass er auf einem Gehweg nicht sein Auto parken darf“, so Klein. „Da wird er abgeschleppt, auch wenn da kein Schild eigens auf das Parkverbot hinweist.“

Naturschutz an erster Stelle

Noch „schwerer“ als die Straßenverkehrsordnung wiege im Fall der L268 der Naturschutz: Unmittelbar neben dem Seitenstreifen beginnt das vom Rhein-Sieg-Kreis ausgewiesene Naturschutzgebiet. „Deshalb wird die Anzeige nicht mit der Straßenverkehrsordnung, sondern mit einem Verstoß gegen die Naturschutzverordnung begründet“, sagt Klein. Und dort werden Verstöße härter sanktioniert und gingen über das „Knöllchen“ hinaus. Klein: „Beim Rhein-Sieg-Kreis wird das Verfahren geführt. Die Stadt hat davon nichts. Wir machen das nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern um die Sicherheit zu gewährleisten.“ Falschparker an der L 268 müssten auch in Zukunft damit rechnen, abgeschleppt zu werden. Einen weiteren Aspekt nennt Lutz Schumacher, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter: Je nach Trockenheit der Vegetation bestehe die Gefahr, dass ein heißer Katalysator selbige zum Glühen bringe. Ein Flächenbrand sei dann nicht ausgeschlossen.

Den Ausflügler aus Köln überzeugen die Argumente der Stadt derweil wenig. „Ein solches Verhalten trägt zur Politikverdrossenheit vieler Menschen bei“, glaubt er. „Wir alle befinden uns angesichts der Corona-Pandemie in einer absoluten Ausnahmesituation. Da sollte auch eine öffentliche Verwaltung mit mehr Fingerspitzengefühl und Toleranz vorgehen.“ Sein Vorschlag: Präventiv tätig werden und das Parkverbot kenntlich machen.