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Kreuz am Taubenweg in Ittenbach: Geschichte hinter dem tragischen Schicksal

Gedenken in Ittenbach : Das ist die tragische Geschichte hinter dem Kreuz am Taubenweg

Ihr Tod im Jahr 1936 blieb erst für zwei Wochen unentdeckt - danach trauerte das ganze Dorf. Das Kreuz am Taubenweg erinnert an Margaretha Hülder aus Ittenbach.

Das Kreuz steht unter dem Apfelbaum im Garten von Dieter und Hildegard Siebertz am Taubenweg. Es erinnert an Margaretha Hülder, die Urgroßmutter der Hausherrin. Sie erlitt ein tragisches Schicksal, das Ende des Jahres 1936 die Bevölkerung aus ihrem Wohnort Ittenbach und den umliegenden Ortschaften erschütterte. Margaretha Hülder hatte sich am 14. Dezember zu Fuß aufgemacht, um die Familien zu besuchen und Weihnachtsgeschenke zu bringen. So war es Tradition.

Margaretha, die am 5. November 1858 in Lückert als Tochter des Ackerers Jodocus Wißmann und seiner Frau Barbara geboren wurde, war noch sehr rüstig, ihr Ehemann Peter Hülder bereits verstorben. Der Weg bis in den Oberhau stellte normaler­weise kein Problem für die 78-Jährige da. Aber an diesem Tag stieß sie auf ein Hindernis, das ihr das Leben kosten sollte.

Zunächst aber blieb das völlig unbemerkt. Es vergingen die Weihnachtstage. Die Kinder in Ittenbach wähnten die Mutter bei ihren Geschwistern und machten sich zunächst keine Sorgen. Als sie aber am 28. Dezember immer noch nicht heimgekehrt war in ihr Haus an der Königswinterer Straße, fragte eine ihrer Töcher telefonisch bei ihren Geschwistern nach. Es herrschte großes Entsetzen bei Margaretha Hülders Kindern, als sie erfuhren, dass die Mutter gar nicht in Quirrenbach oder Eudenbach angekommen war. Paul Wertenbroich aus Nonnenberg ist 90 Jahre alt. Er erinnert sich noch an das Geschehen. „Mein Vater war beamteter Verlademeister bei der Rhein-Sieg-Eisenbahn. Er gehörte mit zum Suchtrupp.“ 30 Männer machten sich sofort auf den Weg und durchstreiften die Wälder. Zunächst ohne Erfolg. Erst am darauffolgenden Tag gegen Mittag fand ein Sohn die Mutter im Pleisbach tot auf. Sie lag auf dem Rücken und mit Oberkörper und Kopf im Wasser.

Es wurde rekonstruiert, dass Margaretha Hülder, um den Weg abzukürzen, von Hüscheid aus einen Fußpfad durch die Wiesen genommen haben musste. Normalerweise stand eine kleine Brücke mit Handlauf zum Überqueren des Baches zur Verfügung. An diesem Wintertag jedoch nicht. Sie war weggerissen, wie das der Erinnerung Wertenbroichs nach bei Hochwasser schon mal passierte.

„Sie wurde dann stets wieder aufgerichtet, der Pfad diente den Hüscheidern auch als Fußweg zur Bahnstation Nonnenberg.“ So musste die alte Frau den stellenweise zwei Meter breiten, aber nicht tiefen Bach überqueren. Sie warf ihre Pakete auf die andere Seite und trug Reisig- und Holzschanzen in den Bach, um darüber zu gehen. Dabei muss sie in dem lehmigen Boden ausgeglitten und rückwärts aufgeschlagen sein. Mit der Familie trauerte ganz Ittenbach. Schon bald wurde von den Hinterbliebenen ein Kreuz für Margaretha Hülder an dem Unglücksort in der Nähe der Nonnenberger Mühle (Basaltwerke Nonnenberg) aufgestellt.

„Da soll wohl auch noch eine Sammlung im Dorf stattgefunden haben“, berichtet Hildegard Siebertz. Mit ihrer Cousine Ulrike Haags transportierte sie das Kreuz 1968 nach Hause. „An der Stelle sollte wohl irgendetwas gebaut werden.“ Über 50 Jahre hatte der Gedenkstein daraufhin seinen Platz am Haus der Verunglückten. Als das Gebäude nun vermietet wurde, holten die Siebertz das Kreuz in ihren Garten. Ihr Mann Dieter reinigte das Kreuz und frischte die Inschrift wieder auf, bevor er es fest auf einem Sockel unterm Apfelbaum verankerte.