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Wolfgang Gellrich feiert Geburtstag: Leiter der Sonderabteilung Rheinaue wird 90

Wolfgang Gellrich feiert Geburtstag : Leiter der Sonderabteilung Rheinaue wird 90

Wolfgang Gellrich aus Stieldorf leitete einst die Sonderabteilung Rheinaue beim Garten- und Friedhofsamt Bonn. Am Montag feiert er seinen 90. Geburtstag.

Eigentlich ist allein die grüne Oase am Hause Wolfgang Gellrichs in Stieldorf schon die reinste Gartenschau. Aber den gebürtigen Dresdner zieht es mit Ehefrau Elke immer wieder in die Rheinaue. „Wir erholen uns in dem Park – wie es seine Zweckbestimmung auch war“, sagt Gellrich.

Und da kennt er sich aus. Gellrich hielt den Taktstock bei der Ausführung dieses Freizeitparks, den der Landschaftsarchitekt Gottfried Hansjakob komponiert hatte. Denn von 1971 bis 1979 war Gellrich Leiter der Sonderabteilung Rheinaue beim Garten- und Friedhofsamt Bonn, ehe er anschließend bis zum Renteneintritt 1995 als Leiter der Planungsabteilung im Grünflächenamt der früheren Bundeshauptstadt wirkte. Am 1. Juni vollendet Wolfgang Gellrich sein 90. Lebensjahr.

Er liebt die Rheinaue. Ein Foto zeigt ihn beim ersten Spatenstich, auf einem anderen steht er vor einer Skizze, um Publikum die Planung zu erläutern. Gellrich setzte mit städtischen Mitarbeitern und Firmen das um, was Gottfried Hansjakob entworfen hatte.

Höhepunkt seines beruflichen Lebens

Ja, es war der Höhepunkt seines beruflichen Lebens, aus dem ehemaligen Auwald und später landwirtschaftlich genutztem, plattem Stück Land einen hügeligen Landschaftspark zu gestalten, der nach Fertigstellung 1979 die Bundesgartenschau beherbergte. 160 Hektar groß ist der Freizeitpark, 35 Hektar davon liegen auf rechtsrheinischem Gebiet.

„Es war eine riesige Baustelle, kein Bereich konnte bleiben, wie er war“, erzählt der Senior. Bereits als kleiner Junge hegte er im elterlichen Garten in einem Vorort von Elbflorenz alles, was grünte, mit Leidenschaft, er pflanzte Gräserbüschel und experimentierte. „Aber das muss man lernen“, betont er bescheiden.

Nach dem Abitur absolvierte Gellrich eine Gärtnerlehre und studierte Gartenkunst und Landschaftsgestaltung an der Berliner Humboldt-Universität. Zwei Jahre nach dem Abschluss 1956 flüchtete er über Westberlin aus der DDR und sammelte zunächst Erfahrungen in der freien Wirtschaft, bis er dann 1965 Leiter der Gartenabteilung im Garten- und Grünflächenamt Hannover wurde. Die Bonner Stellenausschreibung, einen Park zu bauen, reizte ihn. Und die Wahl fiel auf ihn. Er hat es nicht bereut.

Leidenschaftlicher Fotograf

„Der Park war das Entscheidende, in den dann die Attraktionen der Bundesgartenschau hineingesetzt wurden.“ Immer abschnittsweise wurde gearbeitet. „Wir hatten städtische Grundstücke zur Verfügung, aber auch Privatflächen, die noch erworben werden mussten, während die Arbeiten anderenorts bereits im großen Umfang liefen.“

Gellrich ist nicht nur Gartenkünstler mit Hingabe, sondern auch leidenschaftlicher Fotograf. Er hat die Arbeitsschritte mit Super-8-Filmen, Fotografien und Texten festgehalten, fertigte ein Baustellen-Tagebuch. Überhaupt ist sein Archiv eine Schatztruhe: Tag für Tag schneidet er seit Jahrzenten aus Zeitungen interessante Berichte aus; seit Beginn seiner Zeit in Bonn und Stieldorf ist er General-Anzeiger-Leser.

Sehr viel Arbeit, so erinnert sich der rege Jubilar, hat der große See gemacht. „Die Umrandung zum Park musste passen. Einige Probleme mit der Dichtung hatten wir. Und auch eine Flutwelle ist uns in der Rheinauenbaustelle nicht erspart geblieben.“ Bäume wurden gepflanzt, die Pappeln, die schon vorher da waren, mit Sorgfalt wiederhergestellt.

Der Rosengarten als Perle entstand, ein Blindengarten. „Eine Landschaftsveränderung muss passen – das ist die Kunst. Es ist ein Genuss erst dann, wenn alles gut zusammengewachsen ist. So wie die Rheinaue muss ein Park aussehen“, sagt der Fachmann.

Immer wieder neue Perspektiven

Mindestens einmal im Monat ist er dort. Lieblingsecken hat er nicht, er genießt den Park immer aus einer anderen Perspektive. „Wenn im Frühling der Flieder blüht, geht es eben dahin.“ Gellrich liebt Linden, wenn sie blühen und duften. „Ansonsten bin ich nicht wählerisch. Pflanzen muss man schützen. Alles blüht, aber nicht alles blüht prächtig.“ 1994 erhielt Gellrich eine besondere Aufgabe.

Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker entsandte ihn nach Santiago de Chile. Die Stadt hatte im Stadtteil Las Condes einen Platz zum „Platz der Deutschen Einheit“ benannt – als Dankeschön sollte der „Bonner Hofgärtner“ einen Entwurf zu einem schönen Park schaffen. „Die Chilenen waren begeistert, jemanden aus Europa da zu haben. Ich habe dem Rat den Plan erklärt.“ Auch Ehefrau Elke und Tochter Jessika durften ihn bei dieser Dienstreise begleiten. Nach der Wiedervereinigung besuchten sie auch Gellrichs Heimatstadt Dresden, wo seine Liebe zur Landschaft, zu Pflanzen, Blumen und Parks einst geweckt wurde.