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Ehemalige Fraktionskollegen überrascht: Michael Köppinger kandidiert in Königswinter für die AfD

Ehemalige Fraktionskollegen überrascht : Michael Köppinger kandidiert in Königswinter für die AfD

Köppingers Weg führt von der Linken über die CDU zum Spitzenkandidaten der AfD. Seine ehemaligen Fraktionskollegen sind von dem Wechsel überrascht.

Ratsmitglied Michael Köppinger ist Spitzenkandidat der AfD in Königswinter für die Kommunalwahlen am 13. September. Das frühere Ratsmitglied der Linken und der CDU führt die Reserveliste der Partei an. Das bestätigte am Mittwoch Nicolas Klein, der am Dienstagabend die Sitzung des Wahlausschusses leitete.

Im August 2019 verließ der 43-jährige Köppinger die CDU-Fraktion. Damals schloss er noch einen Wechsel zur AfD aus. „Diese von meinen verbitterten Ex-Genossen gestreuten Gerüchte dienen einzig und allein dem Versuch, mich persönlich anzugreifen und einer sachlichen politischen Debatte über politische Themen und Positionen aus dem Weg zu gehen“, sagte der Kommunalpolitiker damals dem GA.

Köppinger will Radikalisierung entgegenwirken

Den Wechsel heute begründet Köppinger damit, dass sich in der hiesigen AfD liberal-konservative Kräfte gegen die Angehörigen des rechtsextremen Flügels um Björn Höcke durchgesetzt hätten. „Ich habe mich entschlossen, im Rahmen der noch jungen AfD demokratische Grundsätze zu fördern, auch um dadurch Radikalisierungsprozessen in und außerhalb der Partei entgegen zu wirken“, so Köppinger.

Köppinger ging 2014 als Spitzenkandidat der Linken in die Kommunalwahl. 2016 verließ er die Fraktion, weil ihm Kontakte zur rechten Szene vorgeworfen worden waren. Private Kontakte zum ehemaligen NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel und Axel Reitz, der ebenfalls für die NPD aktiv war, räumt er ein, betont aber, die seien erst nach deren Ausstiegen aus der NPD zustande gekommen.

Finanzielle Interessen vermutet

Andreas Danne, seit Köppingers Ausscheiden das einzige verbliebene Ratsmitglied der Linken, zeigte sich von Köppingers Wechsel zur AfD überrascht: „Er hat in den Ausschüssen, in denen er vertreten war, null Prozent zur politischen Arbeit beigetragen“, so Danne. Ihn aufzustellen, sei ein „Offenbarungseid der AfD sondergleichen“. Dass Köppingers Entscheidung auch von finanziellen Interessen geleitet sein könnte, sagen sowohl Danne als auch CDU-Fraktionsvorsitzender Josef Griese.

Im November 2016 nahm die Königswinterer CDU-Fraktion Köppinger auf, die er im August 2019 auf eigenen Wunsch wieder verließ. Seitdem ist er fraktionsloses Mitglied des Stadtrates. Den Wechsel „hätte ich ihm nicht zugetraut“, so Griese. „Die Chance, als Spitzenkandidat der AfD eine Fraktion zu bilden und deren Vorsitzender zu werden, lässt er sich nicht entgehen.“ Köppingers Forderung nach einem sicheren Listenplatz und einem Wahlkreis habe die CDU nicht erfüllen können.

Distanz zur Identitären Bewegung

Von der Identitären Bewegung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, distanziert sich Köppinger explizit in seinem Schreiben: „Die Identitäre Bewegung ist eine rechtsextreme Organisation, die zu Recht vom Verfassungsschutz beobachtet wird.“ Der Sprecherin der Königswinterer AfD, Irmhild Boßdorf, dagegen weist die „Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Köln“ Kontakte in die extrem rechte Szene nach. So habe sie unter anderem Mitte 2019 gemeinsam mit ihrem Chef Rüdiger Lucassen, dem heutigen Landesvorsitzenden der AfD, in Brüssel führende Vertreter der extrem rechten, rassistischen Partei „Vlaams Belang“ besucht. Boßdorfs Tochter Reinhild, die ebenfalls in Königswinter für die AfD kandidiert, gilt laut Beratung als Kopf der Organisation Lukreta, die sich aus dem Umfeld der Identitären Bewegung speise.

Köppinger gibt auf der Facebook-Seite des AfD-Stadtverbandes Königswinter zudem an, dass er auf Platz sieben der AfD-Kandidatenliste für den Kreistag gewählt wurde. Auf den Plätzen zwei und drei der AfD-Reserveliste kandidieren der Sprecher des Stadtverbandes, Edgar Lenzen, und Thomas Heßling. Drei der insgesamt 22 Wahlbezirke in Königswinter konnte die Partei nicht besetzen. Die Mitglieder des Stadtverbandes legen bis auf die stellvertretende Sprecherin Irmhild Boßdorf großen Wert auf ihre Anonymität, weil sie berufliche Repressalien befürchten. Boßdorf ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin des AfD-Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden Rüdiger Lucassen.