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Mikroplastik: Schüler aus Königswinter nehmen Proben am Rhein

Belastung mit Mikroplastik : Schüler suchen Kunststoffstücke im Rhein bei Königswinter

CJD-Schüler aus Königswinter beteiligen sich an der Aktion „Plastic Pirates – Go Europe!“. Die Fünftklässler nehmen Proben am Rhein, um dessen Belastung mit Mikro- und Makroplastik zu bestimmen.

CJD-Schüler sind unter die Piraten gegangen. Sie kapern allerdings keine Schiffe, sondern Müll: Mädchen und Jungen der fünften Klasse, mit Unterstützung von Klasse sieben, beteiligen sich an der Aktion „Plastic Pirates – Go Europe!“, die auf drei europäische Länder übergreift. CJD-Biologielehrerin Sabine Euskirchen hatte ihre Fünfer angemeldet, die den passenden Fluss schließlich direkt vor der Nase haben.

Im Unterricht hatten sich die 25 Schüler auf ihre Aufgabe gut vorbereitet, etwa den Unterschied zwischen Makro- und Mikroplastik und etwas über dessen Auswirkungen auf das Meer erlernt. Am Rhein leisteten sie den praktischen Teil und trugen Daten zusammen, die Teil einer wissenschaftlichen Studie werden. Zehn Schüler aus der siebten Klasse betreuten die Gruppen des jüngeren Jahrgangs.

Ihr Revier hatten die Schüler bereits vor ihrem Forschertag abgeklappert. Sie schauten nach den passenden Uferbereichen zwischen CJD und Rheinfähre Niederdollendorf, wo sie ihre unterschiedlichen Aufgaben erledigen könnten. Besonders sorgfältig wurde jene Kribbe ausgewählt, die sich als Standort für die Probennahme von treibendem Müll eignen könnte. Gegenüber dem Rheinhotel Dreesen fand die Gruppe mit Jona, Nieke, Alice und Charlotte die vermeintlich perfekte Stelle.

Als die vier und ihre Betreuerinnen Emilia und Jana aus Klasse sieben aber am Piraten-Forschertag aufkreuzten, erlebten sie eine Überraschung: Der vordere Teil der Buhne stand knöcheltief unter Wasser. Eigentlich wollten die Kinder das spezielle Netz am Mast an der Spitze befestigen und so drehen, dass das Flusswasser durch die Netzöffnung strömen kann. An den Eisenstab kamen sie jedoch nicht heran. So bastelten sie eine Vorrichtung mit einem Holzstiel. Mit Geschick, Kordeln und Kabelbindern und einem dicken Stein gelang es, die Vorrichtung trotz der schwierigen Bedingungen zu installieren. Denn: 60 Minuten lang, so die Vorschrift, musste das Netz treibenden Plastikmüll „einfangen“.

Während dieser Zeit achteten Emilia und Jana darauf, dass sich ihre Schützlinge nicht zu weit nach vorn wagten. Sportlehrer und Rettungsschwimmer André Simonov beaufsichtigte den Einsatz ebenfalls. Im zweiten Teil ihrer Aufgabe ermittelten die Kinder die Fließgeschwindigkeit des Rheins – mit Hilfe von Maßband, Stöckchen, Seilen, Stoppuhr und einer Rechenformel. Schließlich musste die Beute, die im Probennahme-Netz hängengeblieben war, noch mit der Lupe analysiert werden. Die Vorgehensweise war in einem Aktionsheft Schritt für Schritt dargestellt. Der Inhalt musste nach der Trocknung in eine Schale gegeben, sortiert und dokumentiert werden - nach größerem Mikroplastik, Bruchstücken und weißen Pellets. Die Schüler: „Das Netz und der Inhalt werden in einer großen Tüte an die Organisation zurückgeschickt.“

Louisa, Ella, Lorenz, Lukas, Jack und Lia indes sammelten auf einem Uferabschnitt kurz vor der Fähre Müll und legten alle Fundstücke sortiert auf eine Plane. Alles war dabei – von der Glasflasche bis zu Capri-Sonnen-Tütchen, etliche Plastikbecher mit Strohhalm, eine ganze Tüte mit Getränkedosen. „Vielleicht vergessen nach der Party. Die befüllte Tüte haben wir an einer Feuerstelle gefunden“, meinte Louisa. Auch einen Fahrradsattel entdeckten die Fünftklässler, die von Katharina und Anna aus der siebten Klasse betreut wurden. Katharina: „Das ist eine gute Aktion, um uns die Augen zu öffnen.“

Ins Gespräch mit den Passanten kam eine weitere Gruppe – Julian, Alma, Fynn, Aileen und Lilia interviewten zusammen mit Theo und Sudenaz aus der Siebten gezielt Spaziergänger. Sie wollten von ihnen zum Beispiel wissen, ob sie beim Einkauf auf die Vermeidung von Plastikverpackung achten, ob sie bei Ausflügen ihren Müll wieder mit nach Hause nehmen, ihn in Abfalleimer werfen oder ihn ganz und gar in der Natur entsorgen. Alma: „Die Leute waren vermutlich ehrlich.“

Knapp 30 Interviews schafften die CJD-Piraten. Spaß hat es ihnen auf alle Fälle gemacht. Abgehakt ist das Thema für die CJD-Plastikpiraten nicht. Vielmehr werden sie die Aktion nachbereiten und die exakte Dokumentation mit Fotos von den Tatorten ergänzen und alles gesammelt an die Plastic Pirates-Organisation senden.