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Musikschule Königswinter laufen die Lehrer weg

Vier Kündigungen 2021 : Der Musikschule Königswinter laufen die Lehrer weg

In den vergangenen Jahren sind an der Musikschule Königswinter viele Lehrer abgesprungen. Die Stadt Königswinter prüft jetzt, ob mehr bisherige Honorarkräfte festangestellt werden können.

Bereits vier Honorarkräfte an der Musikschule Königswinter haben in diesem Jahr gekündigt, weil sie Festanstellungen an anderen Musikschulen in der Umgebung gefunden haben oder sich der Einsatz für sie finanziell nicht mehr lohnte. Insbesondere die Musikalische Früherziehung und die Musikalische Grundausbildung sind davon betroffen. Seit dem Jahr 2016 sind allein in diesem Bereich zwölf Lehrer abgesprungen – zum Teil bereits nach kurzer Zeit.

Die Verwaltung schlägt deshalb Alarm und holte sich jetzt im Kultur-, Tourismus- und Wirtschaftsförderungsausschuss den Auftrag für ein Personalkonzept, mit dem dieser Trend gestoppt werden soll. Der Ausschuss unter Leitung von Klaus Ruppert (Grüne) legte aber Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei nur um einen ergebnisoffenen Prüfauftrag ohne eine Vorfestlegung handelt.

Nur knapp die Hälfte aller Dozenten sind Honorarkräfte

Geschäftsbereichsleiter Ulrich Berres berichtete, dass sich die Situation in Königswinter mit 85 Prozent der Dozenten auf Honorarbasis fundamental von anderen Regionen in Bund und Land unterscheide. Hier seien nur knapp die Hälfte aller Dozenten Honorarkräfte. „Wir stellen verstärkt fest, dass in der Region Festanstellungen angeboten werden. Das führt zu einer Wanderungsbewegung. Wir müssen auf diese Entwicklung reagieren“, so Berres. Da die Honorarverträge jeweils auf ein Jahr befristet seien, seien eine langfristige Planung und eine kontinuierliche Musikschularbeit oftmals nicht möglich, so die Verwaltung.

28 von 33 Lehrkräften waren zum Stichtag 1. Januar 2021 auf Honorarbasis beschäftigt. Nur fünf, unter ihnen die Leiterin und der stellvertretende Leiter, hatten eine feste Anstellung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Mit dieser geringen Quote hält die Verwaltung die Musikschule auf Dauer für nicht mehr konkurrenzfähig.

Neues Personalkonzept am 23. November

„Wir würden gerne bis zur nächsten Sitzung am 23. November ein Personalkonzept vorstellen, das eine qualitätsvolle und nachhaltige Arbeit sichern soll“, so Berres. Geprüft werden soll die Schaffung neuer TVöD-Stellen. Durch die Musikschul-Offensive des Landes NRW verspricht man sich zudem zusätzliche finanzielle Mittel. 40 Prozent einer Vollzeitstelle könnten auf diesem Wege gefördert werden.

Die Verwaltung erhofft sich von einer größeren Zahl von Festanstellungen gleich mehrere positive Effekte. Für die stellenweise prekär beschäftigten Honorarkräfte erhöhe sich so die soziale Absicherung durch ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitnehmerverhältnis. Regelmäßige Fort- und Weiterbildungen seien dann eher möglich. Neben der Unterrichtstätigkeit könnten festangestellte Lehrkräfte zudem zu weiteren Aufgaben wie der Kundenakquise, der Präsentation der Musikschule in der Öffentlichkeit oder der konzeptionellen Weiterentwicklung der Musikschule eingebunden werden.

Ausschussmitglieder sehen noch Beratungsbedarf

Peter Aßmann (FDP) sah bei dem Thema wie die meisten anderen Ausschussmitglieder allerdings noch erheblichen Beratungsbedarf. Zudem liege die Zuständigkeit in erster Linie beim Haupt-, Personal- und Finanzausschuss. In der Vorlage vermisste er viele wichtige Informationen. „Wir haben keine Vorstellung, wie sich die Stunden verteilen. Die Stadt muss die Honorarverträge auch nicht befristen. Klar ist: Es wird auf jeden Fall teurer. Die Musikschule muss entweder das Angebot streichen oder die Gebühren deutlich erhöhen“, meinte er. Gerhard Duda (SPD) interessierte die Frage, in welcher Lage sich die derzeitigen Mitarbeiter befänden. Und wie sich die bei mehr Festanstellungen höheren Kosten auf Stadt und Schüler verteilen würden. „Es braucht nicht viel Fantasie zu der Annahme, dass bei den Haushaltsberatungen nicht mehr Geld zu verteilen sein wird.“ Ulrike Ries (Königswinterer Wählerinitiative) fragte, ob die Stadt denn bei der Höhe der Honorare festgelegt sei.

„Wir sind realistisch genug zu erkennen, dass es künftig nicht nur Festanstellungen geben wird“, meinte am Ende Ulrich Berres. Bis Ende November sollen nun alle Fragen beantwortet werden, so dass die Kommunalpolitiker in den Haushaltsberatungen mögliche Entscheidungen treffen können.