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Landgericht Bonn sieht keine Haftgründe: Nach Schüssen auf Elfjährigen: 32-Jähriger Bockerother muss nicht in Haft

Landgericht Bonn sieht keine Haftgründe : Nach Schüssen auf Elfjährigen: 32-Jähriger Bockerother muss nicht in Haft

Der 32-Jährige Bockerother der auf einen Elfjährigen geschossen haben soll, muss nicht in Haft. Nach Informationen des General-Anzeigers verhängt das Königswinterer Jugendamt allerdings ein Kontaktverbot für den Stiefvater. Er darf sich seinen Stiefsohn nicht mehr nähern.

Der 32 Jahre alte Mann aus Bockeroth, der wegen des Verdachts, mit einem Luftgewehr dreimal auf seinen elf Jahre alten Stiefsohn geschossen zu haben, festgenommen worden war, muss nicht in Haft. Das Landgericht Bonn hat mit seiner Entscheidung den Beschluss des Bonner Amtsgericht bestätigt, den Mann wieder auf freien Fuß zu setzen. Die Kammer wies somit die Beschwerde der Bonner Staatsanwaltschaft gegen die Entscheidung des Amtsgerichts zurück.

Wie Patricia Meyer, Pressesprecherin des Landgerichts Bonn, dem General-Anzeiger auf Anfrage sagte, habe das Gericht in seiner Begründung ausgeführt, dass „keine Haftgründe vorliegen, insbesondere keine Fluchtgefahr“, so Meyer. „Außerdem hat die Kammer ausgeführt, dass sie bezüglich eines vorsätzlich versuchten Tötungsdelikts keinen dringenden Tatverdacht sieht.“ Die Staatsanwaltschaft hatte Ende April Haftbefehl gegen den 32-Jährigen wegen versuchten Mordes durch Unterlassen, gefährlicher Körperverletzung und schwerer Misshandlung von Schutzbefohlen beantragt. Mit einem Luftgewehr soll er dreimal auf den Stiefsohn geschossen haben. Durch die Schüsse war der Junge so schwer verletzt worden, dass er noch am Abend des Tattages in einer Bonner Klinik notoperiert werden musste. Der Elfjährige, der zu den Geschehnissen nichts sagen kann, hatte zusammen mit anderen Kindern zwischen 14 und 17 Uhr im Bereich der Friedrichshöher Straße und der Florianstraße gespielt.

Keine Anschuldigungen gegen Mutter des Kindes

Die Druckluftwaffe, die der Bockerother nach einer Zeugenbefragung den Ermittlern übergeben hatte, verfügt über einen sogenannten Knicklauf. Heißt: Bevor ein Schuss abgegeben wird, muss der Lauf der Langwaffe geknickt werden, um sie jedes Mal neu zu laden. Gegen die Entscheidung des Landgerichts hat die Staatsanwaltschaft keine Rechtsmittel eingelegt, wie Robin Fassbender, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bonn, dem GA sagte. „Allerdings gehen unsere Ermittlungen in dem Fall weiter, und wir sind zuversichtlich, sie in absehbarer Zeit abschließen zu können“, erklärte Fassbender. Anschuldigungen gegen die Mutter des Kindes liegen laut Faßbender nicht vor, sie werde weiterhin als Zeugin geführt.

Nach Informationen des General-Anzeigers hat allerdings eine Familienrichterin auf Antrag des Königswinterer Jugendamtes ein sogenanntes Kontakt- und Aufenthaltsverbot gegen den 32-Jährigen ausgesprochen. Er darf sich dem Stiefsohn nicht mehr nähern. Bestätigen wollte Heike Jüngling, Dezernentin der Stadt Königswinter, auf GA-Anfrage weder den Antrag des Jugendamtes, noch die Entscheidung des Familiengerichts. „Ob wir involviert sind, unterliegt dem Sozialdatenschutz“, sagte Jüngling. Und dieser unterliege in diesem Fall bei minderjährigen Kindern „höchstem Schutz“, so die Dezernentin.