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Naturschützer pflanzen Apfelbäume in Königswinter

Rotes Seidenhemdchen auf dem Schnitzenbusch : Naturschützer pflanzen Apfelbäume in Königswinter

Die Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge hat neue Apfelbäume gepflanzt. Weil 2020 wegen Corona kein Baum gepflanzt werden konnte, waren es diesmal gleich 40 Exemplare auf einen Schwung.

Rote Seidenhemdchen auf dem Schnitzenbusch: Das klingt verführerisch nach Seide und Spitze, hat aber keinen erotischen Hintergrund. Aber süß und unwiderstehlich ist sie doch – die Apfelsorte „Rotes Seidenhemdchen“. Als jetzt die Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge (BNS) 40 neue Apfelbäumchen pflanzte, da gab es neben Cox Orange, Boscop und anderen bekannteren Sorten auch einige Bäume mit diesem schicken Namen, an deren Ästen später hervorragende Tafeläpfel gedeihen sollen.

Bevor die Roten Seidenhemdchen auf dem Schnitzenbusch wachsen, wird aber noch eine Zeit vergehen. „In den ersten zehn Jahren gibt es keine Früchte“, sagte Obstbaumwart Rainer Przygoda, der die Pflanzbäume mit einigen Schnitten an Krone und Wurzeln herrichtete. Etwa 40 Helfer waren auf die von der Initiative betreute Fläche gekommen, um mit anzupacken – alte Hasen genauso wie Neulinge, denen Fachleute wie Przygoda einige Geheimnisse des Obstanbaus erklärten.

Infektiöser Rindenbrandvirus

Der Grund für die Pflanzaktion: Zum einen wird ohnehin regelmäßig der Bestand ergänzt, zum anderen hat ein infektiöser Rindenbrandvirus im vergangenen Jahr erforderlich gemacht, dass 16 junge Bäume vernichtet werden mussten. Und wegen Corona konnte 2020 kein Baum gepflanzt werden. So also waren es gleich 40 Exemplare auf einen Schwung.

Generalstabsmäßig liefen die Vorbereitungen. Mit dem Bagger wurden die Pflanzlöcher ausgehoben. Mitglieder der BNS schafften Pfähle und Maschendraht zur Stabilisierung und zum Schutz der Pflanzen herbei. Arbeitstrupps machten sich dann daran, die Bäume in die Erde zu bringen. Außerdem wurde vorher durch Chris Harraß ein Luftbildkataster angelegt, das später mit den Sortennamen belegt wird. So können die Neuanpflanzungen später besser identifiziert werden.

Bäume für 100 Jahre

BNS-Vorsitzender Ignaz Schmitz zeigte sich erfreut, dass auch zu dieser Aktion wieder tatkräftige Hilfe eintraf. Die Naturschützer wurden vom Alpenverein, Sektion Rhein-Sieg, unterstützt, von Mitgliedern der Oberdollendorfer Ortsvereine, von der Jägerschaft und vom Lauftreff Siebengebirge. „Das verstehen wir als Wertschätzung unserer Arbeit“, so Chris Harraß. In der heimischen Baumschule Neuenfels waren die 40 Bäume gezüchtet worden und waren nun bereits um die drei Meter hoch.

„Wir pflanzen diese Bäume für 100 Jahre“, meinte Baumwart Przygoda. „Die kommen gerade aus dem Kindergarten, hier wechseln sie in die Grundschule.“ Den i-Dötzchen wird nun Zeit eingeräumt zum Wachsen. Przygoda erläuterte die Schneidetechnik. Dieser Prozess ist auf zehn Jahre ausgelegt. „Die Jungbäume werden geschnitten, damit sie stark wachsen können“, erklärte er den Helfern. Würden Bäume nicht gut gepflegt, „vergreisen sie“.

Engagement fürs Allgemeinwohl

Christian Strauch aus Bad Honnef machte zum ersten Mal mit. „Ich möchte etwas für das Allgemeinwohl tun – und ich lerne etwas“, sagte er und machte den richtigen Schnitt. Benjamin Künzel gehört erst seit kurzer Zeit zu der Initiative. „Bei der Apfelernte war ich schon dabei. Ich möchte etwas für die Natur tun, ich komme aus dem Bereich Gärtnerei.“ Von der Oberdollendorfer Junggesellen-Bruderschaft waren Patrick Wischrath und Volker Dziuba dabei. Sie verteilten Pfähle und rammten sie in die Erde. „Bei unserer Kirmes erhalten wir von der Bürgerinitiative die Eichen, die wir an die Haustüren unserer Königsjubilare stellen. Wir helfen auch gerne umgekehrt.“

Das war auch bei Frieda (7), ihrer Schwester Greta (5) und Cousine Elise (8) nicht zu übersehen. Sie lockerten mit ihren Schäufelchen die Erde, während Papa Robert Pinter aus Oberdollendorf mit den Eheleuten Manuela und Christian einen Baum pflanzte, ihn fachgerecht mit Draht schützte. „Wir müssen uns merken, welche Bäume wir pflanzen“, sagte Manuela. Und auch Frieda und Greta, die an der Schnitzenbuschschule lernen, wollen ihren Klassenkameraden den Tatort zeigen. Und in zehn Jahren werden sie hier bestimmt auch mal einen Apfel naschen.

Diebstähle nehmen zu

„Wenn Wanderer sich einen Apfel nehmen, haben wir nichts dagegen“, sagte Chris Harraß. Aber der Diebstahl nehme zu. Bei der letzten Ernte, die ohnehin wegen der Trockenheit bescheiden ausfiel, waren auch noch Apfeldiebe am Werk. Eine Familie aus Düsseldorf war sogar mit der Leiter angerückt und ertappt worden. „Die hatten sich nichts dabei gedacht. Allerdings haben wir Schilder angebracht. Der Erlös aus den Produkten dient dazu, dass wir die Obstwiesen pflegen können.“

Gerade erst ist ein Tausendliter-Tankwagen angeschafft worden, um die Bäumchen nach dem Pflanzen wässern zu können. Harraß: „Für die warmen, trockenen Tage bekommen die jungen Stämme spezielle Wassersäcke mit Vorrat.“ So können die neuen Heranwachsenden hoffentlich überleben – und später kann einmal aus ihren Äpfeln Saft, Apfelwein oder sogar Apfelsekt oder eine Art Calvados hergestellt werden. Ein Sekt „Rotes Seidenhemdchen vom Schnitzenbusch“ – das wäre doch schick.