Anja Klafki im Siebengebirgsmuseum Neue Facetten einer bekannten Landschaft

KÖNIGSWINTER · Das Siebengebirgsmuseum in der Königswinterer Altstadt zeigt Arbeiten von Anja Klafki unter dem Titel „RheinRaum“. Historische Landschaftsgrafiken werden in ihrer Arbeit neu entdeckt.

 Einen ebenso interessanten wie ungewöhnlichen Spaziergang durch die Rheinlandschaft hat Künstlerin Anja Klafki geschaffen.

Einen ebenso interessanten wie ungewöhnlichen Spaziergang durch die Rheinlandschaft hat Künstlerin Anja Klafki geschaffen.

Foto: Frank Homann

Die Dunkelkammer eines Fotografen? Von wegen! Was auf den entfernten flüchtigen Blick wie an der Leine hängende Abzüge ausschaut, ist vielmehr eine kunstvolle und vor allem begehbare Rheinlandschaft im Siebengebirgsmuseum. Diese Installation „RheinRaum“ stellt das Herzstück einer Ausstellung der Künstlerin Anja Klafki dar – Rheinromantik aus einer anderen Perspektive eben, in einer ganz neuen Interpretation.

Dem Betrachter bieten sich beim Durchwandern Sichtachsen der besonderen Art, deren Basis großformatige Druckgrafiken auf Bütten und auch Folien sind, die durch ihre außergewöhnliche Hängung im Wortsinn den Durchblick erlauben. Für diese quasi maßgeschneidert fürs Siebengebirgsmuseum geschaffene Schau hat Anja Klafki, Jahrgang 1967, historische Landschaftsgrafiken aus dem Bestand des Museums aus vier Jahrhunderten als Inspirationsquelle einbezogen. So beispielsweise eine Lithographie der Stromkarte vom Rhein um 1800 oder Heinrich Reifferscheids Radierung des Siebengebirges von 1903.

Eine maßgeschneiderte Schau für das Museum

Die gebürtige Eckernförderin hat durch Besuche bei ihrer im Siebengebirge lebenden Mutter die Rheinlandschaft schätzen gelernt. Bei der Eröffnung der Ausstellung sagte Bürgermeister Peter Wirtz: „Heute entdecken wir eine ungewöhnliche Facette der Sicht auf unsere Landschaft.“ Und Museumschef Elmar Scheuren meinte bei der Vernissage ergänzend: „Anja Klafki setzt sich mit Karten und Landschaft auseinander und hat sich aus unserem Magazin Material ausgesucht.“

Sie versteht Druckgrafik nicht nur als Reproduktionsmedium, sondern auch als eigenständiges Ergebnis künstlerischen Denkens und Handelns, bei dem das Skulpturale und Haptische des Prozesses im Zentrum stehen. Klafki bearbeitet die Platten mit Beitel, Hammer und Zangen und nutzt nicht nur traditionelle Materialien wie Metall und Holz, sondern auch moderne wie Kunststoffplatten.

"Spannungsgeladene Raumsituation"

Sie hat Freie Kunst an der Muthesius-Hochschule Kiel studiert. Ihr einstiger Kommilitone Anders Petersen brachte den Besuchern der Vernissage den Werdegang und die Techniken seiner Künstlerkollegin näher, die, wie er, in der kürzlich von Kunsthistoriker Jens Martin Neumann als „Edelschmiede der zeitgenössischen Grafik“ geadelten Klasse ihr Handwerkszeug erlernte. Entstanden sei eine Installation, in der Anja Klafki sämtliche Techniken ihres Künstlerlebens „einsetzte, überlagerte, konfrontierte und die Irritation mit den Maßstäblichkeiten zu einer spannungsgeladenen Raumsituation werden lässt“.

Anders Petersen: „Als Betrachter befinden wir uns in einem Panorama, in dem die Zeitsprünge eine nicht zu verachtende Rolle spielen. Sowohl im Kontrast der klassischen Landschaftsdarstellung zu der frei empfundenen zeitgenössischen Landschaftssprache Anja Klafkis als auch zu der zeitlosen, allgemeingültigen Formfindung, mit der sie das Wasser, den Strom in seiner Durchlässigkeit und mit seinen Lichtreflexionen in diesem Raum imaginiert.“

Und Anja Klafki, die eine Professur an der Hochschule für Technik in Stuttgart inne hat, betonte: „In meinen Landschaften interessiert mich das Verhältnis von Abstraktion und Assoziation, aber auch das formale Gefüge von Natur und Infrastruktur. Der Betrachter ist gefordert in seiner Wahrnehmung von Landschaft und steht vor der Aufgabe eigener Vergewisserung und Verortung.“ Ein spannender Spaziergang.

Die Ausstellung ist bis zum 17. April im Siebengebirgsmuseum, Kellerstraße, Königswinter, zu sehen. Gelegenheiten, um mit der Künstlerin diese Rheinlandschaft zu begehen, bieten sich am Mittwoch, 8. März, 18 Uhr, innerhalb der Serie „Kostprobe“ sowie am Sonntag, 26. März, 15 Uhr. www.siebengebirgsmuseum.de