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Bauvorhaben in der Königswinterer Altstadt: Neuer Anlauf für den Stadtgarten

Bauvorhaben in der Königswinterer Altstadt : Neuer Anlauf für den Stadtgarten

Das Bauprojekt am Stadtgarten in der Königswinterer Altstadt hat für Diskussionen gesorgt. Jetzt gibt es neue Pläne und nächste Woche einen digitalen Bürgerdialog zum Thema.

Punkthäuser, Solitär, Blockrand: Diese drei städtebaulichen Varianten stehen bei einem Bürgerdialog zur Diskussion, den die Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG) der Stadt Königswinter am Donnerstag, 18. März, digital organisiert. Es ist ein Neustart für das Bauvorhaben am Stadtgarten in der Altstadt, das im Unterschied zur ursprünglichen Planung jetzt in einer deutlich abgespeckten Form daher kommt.

„Das Projekt hat sich sehr positiv entwickelt. Wir sind einen Riesenschritt weiter“, sagte Bürgermeister Lutz Wagner, der als Vorsitzender des WWG-Aufsichtsrats gemeinsam mit Andreas Pätz, WWG-Geschäftsführer, Eckdaten der neuen Planungen vorstellte. „Wir schaffen zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum, erhalten dabei den Grünbereich und gewinnen zusätzliche Aufenthaltsqualität.“

Kritik an Massivität und ökologische Bedenken

Die Pläne für das Areal in zentraler Lage in der Königswinterer Altstadt hatten in der Vergangenheit für erhebliche Diskussionen gesorgt. Anfang 2020 stellte die WWG erste Planungen für das rund 9000 Quadratmeter große Areal vor. Danach sollten fünf Neubauten mit bis zu 120 Wohnungen entstehen, davon zwischen 60 und 70 Prozent geförderte.

Acht Gebäude mit 36 Wohneinheiten aus den 1950er Jahren sollten abgerissen werden. Die Massivität und ökologische Bedenken riefen zahlreiche Kritiker auf den Plan, die unter anderem den Erhalt des Spielplatzes und des alten Baumbestandes forderten. Eine Bürgerinitiative Stadtgarten gründete sich, die ein Bürgerbegehren anstrengte. Im vergangenen Sommer bestätigte schließlich ein Umweltgutachten das Urteil der Kritiker. Die WWG verwarf daraufhin die bestehenden Planungen und die Initiatoren des Bürgerbegehrens stellten ihre Initiative zurück.

Mit den drei vorliegenden Varianten soll das Vorhaben nun wieder Fahrt aufnehmen. „Es geht hier noch nicht um die Architektur der Gebäude, sondern es sind städtebauliche Varianten“, betonte Pätz.

Punkthäuser, Solitär oder Blockrand

Im ersten Bauabschnitt zwischen Hauptstraße und der Straße Am Stadtgarten sollen statt der derzeit zwölf Wohnungen in drei Gebäuden bis zu 36 „barrierefreie und bedarfsgerechte“ Wohnungen entstehen, davon mindestens zu 50 Prozent öffentlich geförderte. Vorgesehen sind dreigeschossige Neubauten mit einem Staffelgeschoss. „Damit bewegen wir uns im bereits genehmigten Rahmen“, so Wagner. „Ein Bebauungsplan ist nicht erforderlich.“

Variante 1 „Punkthäuser“ sieht drei Gebäudekörper ähnlich der bisherigen Bebauung vor und ermöglicht laut Beschreibung der WWG eine sehr flexible Grundrissbildung, der Fassadenanteil sei hoch, 32 Prozent der Grundstücksfläche werde bei dieser Variante überbaut. Bei der Variante 2 „Solitär“ entstehen zwei Gebäudekörper aus wiederum je zwei ineinander geschobenen Quadraten. Die Grundrissgestaltung sei effektiv, zudem entstehe zwischen den Gebäuden zusätzlich Platz, der eine Verbindung zwischen der Straße „Am Stadtgarten“ zum Spielplatz ermögliche.

Auch bei dieser Variante werden 32 Prozent der Grundstücksfläche überbaut. Etwas mehr – 37 Prozent – sind es bei der dritten Variante „Blockrand“, bei der die Fassaden parallel zur Straße laufen. Diese Variante ermögliche große Dachterrassenflächen, allerdings erfordere der durchgehende Baukörper eine Anpassung der Zugänge aufgrund der unterschiedlichen Geländehöhen.

Entwicklung als autoarmes Quartier

Die Rahmenbedingungen für das Bauvorhaben sind bereits abgesteckt: Neben einer energetisch nachhaltigen Architektur und Technik in den Gebäuden soll das Areal als autoarmes Quartier entwickelt werden mit einer reduzierten Zahl an Kfz-Stellplätzen. Vorgesehen sind unter anderem auch Ladestationen für E-Bikes und Car-Sharing-Angebote. „Die Lage und die Anbindung hier sind hervorragend“, betonte Wagner. „Insofern sind die Voraussetzungen für die Entwicklung eines autoarmen Quartiers ideal.“

Bei einem digitalen Bürgerforum am Donnerstag, 18. März, haben Interessierte Gelegenheit, ihre Fragen und Anregungen an Wagner, Pätz und an den Architekten Nikolaus Decker zu richten (siehe Infokasten). Bis zum 31. März können im Nachgang weitere Rückmeldungen zu den jeweiligen Varianten an die Planer gerichtet werden.

Die Auswertung fließt in die Beratungen bei der nächsten Sitzung des WWG-Aufsichtsrats Ende April ein. „Wir stellen alle drei Varianten zur Diskussion und gehen offen in diesen Diskurs hinein“, betonte Pätz. Wenn alles gut läuft, hofft der WWG-Geschäftsführer auf einen Baubeginn im Frühjahr 2022. Noch keine konkreten Pläne gibt es im Übrigen für den zweiten Bauabschnitt des Areals zwischen der Straße Am Stadtgarten und Steinmetzstraße: Dieses Projekt werde frühestens in drei Jahren in Angriff genommen.