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Historischer Schauplatz im Siebengebirge: Neues Besucherzentrum auf dem Petersberg öffnet im September

Historischer Schauplatz im Siebengebirge : Neues Besucherzentrum auf dem Petersberg öffnet im September

Ministerpräsident Armin Laschet kommt am 2. September zur Eröffnung des neuen Besucherzentrums auf dem Petersberg. Im Mittelpunkt stehen Konrad Adenauer und die Queen. Kurator Elmar Scheuren erklärt das Konzept der Ausstellung.

Konrad Adenauer und die Queen sind die unumstrittenen Stars im neuen Besucherzentrum auf dem Petersberg. Während im früheren Wachgebäude noch gebohrt und gehämmert wird, lässt Elmar Scheuren bei einem Rundgang den ersten deutschen Bundeskanzler und die englische Königin bereits in der Fantasie des Betrachters erscheinen. Der frühere Leiter des Siebengebirgsmuseums ist der Kurator der künftigen Ausstellung.

Das Besucherzentrum wird den Namen „Schauplatz Petersberg – Erlebnisraum für Geschichte und Natur“ tragen. Dort, wo jetzt noch Kabel aus dem Boden sprießen, wird in Zukunft Adenauer stehen. Der zweite Raum beim Rundgang durch die fünf sechseckigen „Waben“ des Besucherzentrums mit einer Ausstellungsfläche von rund 200 Quadratmetern ist ausschließlich dem Petersberger Abkommen gewidmet. „Die Teppichszene wird in der Medienstation in der Mitte des Raumes ins Bild gesetzt“, sagt Scheuren. Der Kanzler trete dann gewissermaßen aus dem Foto mit den drei Hohen Kommissaren heraus auf den Teppich.

Neue Erkenntnisse über die berühmte Teppichszene

Die Besucher werden an dieser Stelle auch erfahren, dass sich die berühmte Szene am 21. September 1949, als Adenauer das Besatzungsstatut von den Siegermächten entgegennehmen sollte, wohl nur in seiner Erinnerung so abgespielt haben dürfte.

Später wurde sie aber als Ausdruck des neu gewonnenen Selbstbewusstseins der jungen Bundesrepublik interpretiert. Denn erst in einer autorisierten Biografie des Kanzlers aus dem Jahr 1955 sei der Vorgang erstmals schriftlich dokumentiert worden. „Offensichtlich hatte die Szene für Adenauer eine große Bedeutung, spielte im Bewusstsein der anderen Anwesenden jedoch keine Rolle“, so Scheuren.

Aus dem Raum „Petersberger Abkommen“ hat man – vor allem im Winter, wenn die Bäume nicht so dicht belaubt sind – eine fast freie Sicht auf das Siebengebirge vom Oelberg bis zum Drachenfels. Die Aufwertung des ehemaligen Wachgebäudes ermöglicht die NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege, der die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Gebäude übertragen hatte.

Die Kosten des Besucherzentrums werden nach Angaben der NRW-Stiftung unter zwei Millionen Euro liegen, das endgültige Ergebnis stehe noch nicht fest. „Wir haben sehr großen Wert auf die Barrierefreiheit gelegt, sodass die Ausstellung auch für Menschen mit Handicap erlebbar sein wird“, sagt Mona Wehling, Abteilungsleiterin Heimat- und Kulturpflege bei der Stiftung.

Zu den Kosten steuert der Bund einen Anteil von 600.000 Euro bei. Weitere 50.000 Euro kommen vom Landschaftsverband Rheinland für die Ausstellung. Den Rest zahlt die Stiftung als Eigentümerin. Die Eröffnung mit Ministerpräsident Armin Laschet wird am 2. September stattfinden. In der ersten Wabe, dem Begrüßungsraum, erwartet die künftigen Besucher eine Theke, an der sie ihr Ticket lösen können.

Hier finden sie auch weitergehende Informationen sowohl zu kulturellen Angeboten in der Umgebung als auch zur facettenreichen Geschichte des Petersbergs – von älteren Spuren über die Ära Mülhens bis in die Gegenwart. Dort wird es auch einen Shop geben. Der Betrieb wird in Händen der Schloss Drachenburg gGmbH liegen. Den zweiten Höhepunkt der Ausstellung verspricht die dritte Wabe, die den Staatsbesuchen gewidmet und in royalem Gelb gehalten ist. Wie Adenauer nebenan wird hier die Queen den Raum beherrschen.

Zeitzeugen und historische Wochenschaufilme

Anlass ist ihr Besuch im Mai 1965 auf dem Petersberg. Zeitzeugenberichte und historische Wochenschaufilme werden zu sehen sein. Selbst die Aufstellungsordnung für die Ankunft der Königin auf dem Flughafen Köln-Wahn und die Liste der Wagenfolge werden gezeigt. Ganz besonders dürfte der Film der TV-Liveübertragung von der Autofahrt der Queen zum Petersberg interessieren.

In einer Galerie werden viele Staatsbesuche und andere hochrangige Gäste der damaligen Zeit dargestellt. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem ersten Staatsbesuch von Haile Selassie im Jahr 1954 und dem letzten Gast, Leonid Breschnew, im Jahr 1973 gewidmet.

Auch hier ist es den Ausstellungsmachern gelungen, mit einer Legende aufzuräumen. „Leonid Breschnew hat seinen Mercedes 450 SL Coupé nicht zu Schrott gefahren. Er ist bis zur Mondscheinwiese gefahren und dort in den Graben gerutscht, als er wenden wollte. Dabei ist nur die Ölwanne kaputt gegangen“, berichtet Scheuren. Das Fahrzeug war ein Geschenk für den Staatsgast.

Bei der Konzeption der Ausstellung galt es auch, die wichtige Rolle des Naturschutzes auf dem Petersberg mit der Nachkriegsgeschichte zu verknüpfen. Da passte es gut, dass der Bund der NRW-Stiftung insgesamt 93 Hektar des Buchenwaldes an den Hängen des Petersbergs übertragen hat mit dem Ziel, die Flächen dem Wildnisgebiet Siebengebirge anzugliedern.

Sie gehören zum Nationalen Naturerbe, zu dem auch viele ehemals militärisch genutzte Liegenschaften erklärt wurden. „Das Nationale Naturerbe steht somit also für das Ende des Kalten Krieges, dessen Vorboten auf dem Petersberg spürbar waren“, sagt Scheuren. Das Petersberger Abkommen habe ja die Einbindung in das westliche Bündnis und in die europäischen Organisationen vorbereitet. Dem Nationalen Naturerbe wurde auch eine eigene Wabe gewidmet.

„Mein Job war, das alles in ein Konzept zu bringen“, so Elmar Scheuren. Unterstützt wurde er dabei durch den fachlichen Rat des Bonner Hauses der Geschichte. Ab September werden sich die Besucher davon überzeugen können, wie gut das gelungen ist. In jedem Fall lohnt sich dann auch ein Ausflug in die Nachbarschaft. Das Besucherzentrum wird schließlich auch zum Ausgangspunkt für Führungen durch das Hotel und Erkundungen des Bergplateaus mit seinen Buchenwäldern.