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Geschichte des Siebengebirges: Neues Buch vom Kenner der Heimatgeschichte im Siebengebirge

Geschichte des Siebengebirges : Neues Buch vom Kenner der Heimatgeschichte im Siebengebirge

Geschichte(n) vor dem Vergessen bewahren: Das ist das große Anliegen von Karl Schumacher. Gemeinsam mit weiteren Co-Autoren hat er sein neues Buch "Überliefertes und Erlebtes aus dem Siebengebirge" herausgegeben.

Bereits sein Buch über die Mühlen Oberdollendorfs war ein Renner. Nun legt der Kenner der Heimatgeschichte, Karl Schumacher, nach unter dem Titel: „Überliefertes und Erlebtes aus dem Siebengebirge – von Eiszeitjägern, Mönchen, Vaganten, Räuberbanden und Steinmetzen“.

Bei der Vorstellung des neuen Bandes sagte der Vorsitzende des Heimatvereins von Oberdollendorf und Römlinghoven, Wilhelm Kummerhoff: „Wir haben ein virtuelles Brückenhofmuseum, das ist unser digitales Gedächtnis. Wir haben aber auch ein analoges Gedächtnis – das ist Karl Schumacher. Er weiß zu jeder Frage eine Antwort.“

Das liegt daran, dass Schumacher Informationen über vergangene Zeiten aus Archiven zieht, viel liest, immer wieder in Gesprächen eine Menge Neues erfährt oder auch Niederschriften erhält. Für das neue Buch hat er einige dieser Geschichten zusammengefasst, außerdem haben einige Mitautoren Beiträge beigesteuert.

Kummerhoff: „Dieses Buch ist eine Herzensangelegenheit Schumachers.“ Anliegen des Heimatkundlers ist, dass diese überlieferten Geschichten nicht verloren gehen. Schumacher: „Wegen ihrer Vielfältigkeit an kuriosen, heiteren, aber auch traurigen Geschehnissen sollen sie erhalten bleiben.“

Die Geschichte hinter dem Buch

Es waren besonders zwei Storys, die den Autor zu seinem jüngsten Buch bewegten. Erst nach intensiven Recherchen erfuhr er, wer hinter einer Niederschrift steckte, die zufällig in den Nachlassunterlagen seiner Familie auftauchte. Sie trug weder Unterschrift noch Datum. Schließlich fand er heraus, dass das erschütternde Dokument einer Heimkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft von Josef Bonn aus Oberdollendorf stammte. Ausgemergelt, schwer von Dystrophie geschwächt, war Bonn 1947 zurückgekehrt. Selbst die Verwandten erkannten ihn kaum wieder.

Der Heimkehrer schildert die Situation im Gefangenenlager, die Hilfe einer russischen Ärztin, die ihm nach all dem Hunger dringend riet, nur ganz langsam wieder Speisen zu sich zu nehmen, die polnischen Frauen, die bei einem Stopp des Zuges den deutschen Soldaten Essen zusteckten. Der damals 32-Jährige hielt sich an die Anweisungen der Medizinerin – und überlebte. Viele schafften das nicht, starben noch unterwegs im Zug oder bald nach ihrer Rückkehr.

Persönliche Perspektiven

Auch das anrührende Schicksal der Anna Margarete Spee von Langenfeld, die in Bruchhausen als Hexe verbrannt wurde, nahm Schumacher in sein Buch auf, „um die unverzeihliche Schuld der Verantwortlichen vor dem Vergessen zu bewahren“. Ganz persönlich wird es bei der Geschichte um einen Anhänger seines Großvaters.

In einem Lederbeutel trug Engelbert Nolden immer einen walnussgroßen Basaltstein bei sich. Wie der Opa zu diesem Glücksbringer gelangte, hängt mit der lebensgefährlichen Arbeit im Steinbruch zusammen. Auch Schumachers Großvater entkam dem Tod nur knapp.

Er entdeckte auch 1914 das Doppelgrab von Oberkassel. Die menschlichen Überreste, die Schumachers Großvater mütterlicherseits fand und in einer Kiste sicherte, sind wiederum Grundlage von Überlegungen Bruno Hoenigs zur „Entstehung des Rheinländers“.

Der 90-jährige Co-Autor war ebenso bei der Buchvorstellung dabei wie Franz Richarz aus Römlinghoven, der vor Jahren ein Landschaftsbild gemalt hatte, ohne Menschen, das dem Text Hoenigs beigestellt ist. „Leider weiß ich nicht, wo sich das Original befindet“, meinte Richarz. Er würde sich freuen, wenn er durch die Veröffentlichung in dem Buch wieder auf die Spur des Werks gelangte.

Martin Thiebes erklärt im Buch wiederum, wie die Steinsäulen der Abteikirche Heisterbach entstanden. Weihnachtswunder, Räuberbanden im Rheinland, die Spitz- und Spottnamen in Königswinter und Dollendorf – es ist eine feine Sammlung von Geschichten, aufbereitet mit Fotos und einem ansprechenden Titel, für den eine Postkarte von 1930 Pate stand. Das Layout stammt von Schumachers Sohn Olaf.

Das Buch „Überliefertes aus dem Siebengebirge“ (128 Seiten, Herausgeber: Karl Schumacher) ist im Museumsshop des Brückenhofmuseums Oberdollendorf, Bachstraße 93, erhältlich. es kostet 14,80 Euro.