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Poesie erstrahlt in neuem Glanz: Neues Fenster für Schloss Drachenburg

Poesie erstrahlt in neuem Glanz : Neues Fenster für Schloss Drachenburg

Eine Spezialfirma hat ein im Krieg zerstörtes Fenster rekonstruiert und es auf der Westseite der Kunsthalle in Schloss Drachenburg eingebaut. Ermöglicht hat die Anschaffung eine Erbschaft.

Als der Brite Douglas George Leicester aus Brighton vor dreieinhalb Jahren im Alter von 85 Jahren starb, hinterließ er rund ein Viertel seines Vermögens Schloss Drachenburg. Genau genommen waren es 384.000 Euro. Die Liebe des wohlhabenden älteren Herrn zum Rheinland, das er von vielen Reisen kannte, kommt nun den Besuchern des Schlosses zugute.

Die Erbschaft machte es möglich, nach dem Fenster im Nibelungenzimmer jetzt auch das zentrale fünfteilige Maßwerkfenster mitsamt krönender Rosette auf der Westseite der Kunsthalle rekonstruieren zu lassen. Damit gewinnt der Raum einen Teil seiner einstigen Atmosphäre zurück, die ihm den Namen „Walhalla des Rheinlands“ einbrachte. In dieser Woche wurde das Fenster am Originalschauplatz eingebaut.

„Jetzt kann man sich wieder vorstellen, wie der Aufenthalt in der Kunsthalle im 19. Jahrhundert für die Gäste gewesen ist“, sagt Svenja Bach von Schloss Drachenburg. „Neben der Kunst haben die Besucher damals die Privatheit geschätzt, die diese Fenster bieten.“ Oft werde sie bei Führungen gefragt, warum man durch die Fenster nicht hinausschauen könne.

Die Antwort laute dann immer, dass die satinierten Fenster nur Stellvertreter für die im Krieg zerstörten Buntglasfenster seien. Diese waren zumeist den schönen Künsten gewidmet und zeigten Maler, Schriftsteller, Musiker und Architekten, aber auch Könige und Kaiser.

Die rekonstruierten fünf Lanzettfenster sind den Malern Dürer, Rubens und Rembrandt gewidmet. Die beiden Fenster mit Blumenmotiven zwischen den Darstellungen der drei Maler tragen Spruchbänder mit Passagen aus „In Hesperidens Zaubergarten“. Zusammen mit dem bekrönenden Rosettenfenster, das neben einer Allegorie der Poesie auch die Wappen des deutschen Kaiserreichs und des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland darstellt, nehmen sie eine Fläche von rund 20 Quadratmetern ein und bringen den vergangenen Raumeindruck teilweise zurück.

Rund ein Jahr Arbeit

„Mit der Rekonstruktion haben wir rund ein Jahr an den Fenstern gearbeitet“, berichtet Walter Uptmoor. Der Projektleiter von der Mayer'schen Hofkunstanstalt München baut das Fenster mit seinen Mitarbeitern in dieser Woche ein. Jeweils drei bis vier Glasmaler und Glaser seien mit der Arbeit beschäftigt gewesen. Die Originale, die im Zuge des Zweiten Weltkriegs zerstört oder entwendet wurden, waren noch von der Königlich Bayerischen Hofglasmalerei Franz Xaver Zettler gefertigt worden, die 1930 von der Mayer'schen Hofkunstanstalt übernommen wurde.

Um die Fenster zu rekonstruieren, standen den Spezialisten Abbildungen der Entwürfe und Zeichnungen aus dem Jahr 1890 zur Verfügung, außerdem eine Schwarz-Weiß-Schrägaufnahme und eine handkolorierte farbige Postkarte. Am Montag dieser Woche kam dann der Moment, als mit dem Einbau in der Kunsthalle begonnen wurde.

„Es ist spannend zu sehen, ob man alles richtig gemacht hat und ob die Farben auch stimmen“, meint Uptmoor, dessen Firma bereits Buntglasfenster in Schloss Neuschwanstein und im Kölner Dom restaurierte, aber auch neue für die New Yorker U-Bahn oder Flughäfen entwirft.

In den Jahren 2005 und 2007 hatte die Mayer'sche Hofkunstanstalt mit dem Uhland- und dem Schiller-Fenster die ersten beiden Fenster in der Kunsthalle eingebaut. Das Uhland-Fenster war das einzig noch vorhandene Original, an dem sich viele Jahre ein Privatmann in seinem Haus erfreut hatte, bevor er es Schloss Drachenburg zur Verfügung stellte. „Wer aufmerksam durch Königswinter geht, findet in den Häusern manchmal Originale aus Schloss Drachenburg eingebaut“, sagt Joachim Odenthal, Geschäftsführer von Schloss Drachenburg, mit einem Schmunzeln.