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Kreativ in der Corona-Krise: Oberpleiserin bringt mehr Farbe in den Alltag

Kreativ in der Corona-Krise : Oberpleiserin bringt mehr Farbe in den Alltag

Farbenpost und Familienrallye: Die Oberpleiser Heilpädagogin Sonja Krebs entwickelt kreative Ideen in der Corona-Pandemie.

Der Corona-Alltag ist für viele Menschen „Grau in Grau“ - trostlos, eintönig, bedrückend. Wie gut, dass es Menschen gibt wie Sonja Krebs, die mit kreativen Ideen wieder Farbe ins Spiel springen. Mit ihrer Mitmachaktion „Farbenpost“ hat sie vor Weihnachten 133 Kindern und Erwachsenen Lichtblicke in Form kunterbunter Briefe und Karten beschert. Und die Ideen gehen ihr nicht aus: Derzeit arbeitet die Heilpädagogin aus Oberpleis an einer farbenfrohen Familienrallye.

„Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, um Menschen trotz Abstand das Gefühl der Verbundenheit zu bewahren und Farbe in den Alltag zu bringen“, sagt Krebs zu ihrem Farbenpost-Projekt. Normalerweise können in ihrem „MalRaum“ in Oberpleis Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Handicap nach Herzenslust malen und ihre Kreativität ausleben – corona-bedingt geht das aber derzeit nicht.

Postkarten farbenfroh gestaltet

„Kreativität und Begegnung sind Herzensanliegen meiner Arbeit“, so Krebs. Daher habe sie nach alternativen Wegen gesucht und sei auf die Idee mit der Farbenpost gekommen. Die Heilpädagogin ermunterte Jung und Alt, Postkarten farbenfroh zu gestalten und mit kleinen Grußtexten zu versehen; diese wurden dann als Überraschung an andere Teilnehmer der Aktion gesendet.

„Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, anderen und sich selbst eine Freude zu machen und ein Gefühl der Verbundenheit zu haben. Und echte Post zu erhalten, ist doch auch im digitalen Zeitalter für jede Altersstufe schön.“

Die Idee zu der Aktion verbreitete sich schnell weiter und so wurde die Oberpleiserin am Ende von einer Flut von 133 Briefen überrascht – mit viel Liebe und Fantasie gestaltet von Teilnehmern im Alter von zwei bis 72 Jahren. Selbst ein SOS-Kinderdorf für Erwachsene mit Handicap aus Bayern nahm teil, außerdem das Therapeutische Zentrum in Bonn, der katholische Kindergarten Sankt Franziskus in Königswinter und Drittklässler der Grundschule am Sonnenhügel in Oberpleis.

Nachrichten für unbekannte Menschen

Auf Sonja Krebs selbst kam die Aufgabe zu, all diese Briefe erneut einzutüten und an andere Teilnehmer der Aktion zu versenden. „Mein Sohn und ein Freund haben mir dabei geholfen“, berichtet sie. Schließlich flatterten so farbenfrohe Nachrichten in viele Briefkästen, „von eigentlich unbekannten Menschen, die nun irgendwie miteinander verbunden sind“.

Farbe in den Alltag bringen und Freude stiften soll auch die Familienrallye, an der Krebs zurzeit tüftelt. „Ich bin ja selbst Mutter und weiß daher, wie sehr man sich über Anregungen freut, draußen mit Spaß und Freude etwas zu unternehmen.“ Mit etwa 45 bis 60 Minuten Dauer ist die Rallye auch mit kleineren Kindern gut zu bewältigen.

„Natürlich spielen Farben eine Rolle“, verrät Krebs. „Tatsächlich gibt es nämlich mehr Farbe in Oberpleis, als man vielleicht denkt.“ Noch befindet sich die Rallye in der Testphase, doch schon in Kürze sollen Interessierte die Beschreibung online anfordern können.

Auch bietet Krebs während des Lockdowns kreative „Zuhause-Workshops“ für Kinder, Teenies, Familien und Erwachsen an, die online stattfinden. Es geht ihr dabei weniger um Kunst als vielmehr darum, Kreativität zu nutzen, um die Persönlichkeit und das Selbstverstrauen zu stärken, um Lebensfreude und Gestaltungskraft zu entdecken. „Das geht ja im Alltag häufig verloren.“

Ausleben der Kreativität ist nicht immer einfach

Sie selbst versteht sich dabei als Wegbereiterin und Wegbegleiterin. In Zeiten der Corona-Pandemie ist es mit dem Ausleben der Kreativität natürlich nicht immer einfach – zumal die eigenen vier Wände nun mal kein „MalRaum“ sind. „Manche haben auch verständlicherweise keine Lust, nach einem Tag im Homeoffice schon wieder vor dem Computer zu sitzen, aber viele nehmen das Angebot auch sehr dankbar an“, berichtet Krebs.

In ihren Workshops versucht sie daher stets, die Teilnehmer selbst aktiv werden und „sie nicht nur konsumieren zu lassen“. Auch wenn auf diesem Weg also viel Schönes und Buntes und sogar echtes Gemeinschaftsgefühl entstehen kann - persönlich freut sich die Heilpädagogin auch schon wieder auf den echten „MalRaum“ und all den Teilnehmern vor Ort.