Sieben Patenkinder in Afrika Das Ehepaar Mohr feiert Diamanthochzeit und bekommt Glückwünsche aus Kenia

Stieldorferhohn · Karl Mohr gibt es mehr als einmal auf einer Welt – zumindest seinen Namen: Der Obstbauer aus Stieldorferhohn, der jetzt zusammen mit seiner Frau Adele Diamanthochzeit feiert, hat mehrere Patenkinder im fernen Afrika. Einer aus diesem Septett hat vor Kurzem einen Sohn bekommen und ihn Karl Mohr genannt. Der GA weiß, wie es dazu kam.

Ihr Leben lang viel an der frischen Luft waren Adele und Karl Mohr, die in Thomasberg leben.

Ihr Leben lang viel an der frischen Luft waren Adele und Karl Mohr, die in Thomasberg leben.

Foto: Roswitha Oschmann

Festwoche für Karl und Adele Mohr mit Dankmesse, Geburtstag, Bürgermeister- und Landratsbesuch sowie Festzug mit dem Oldtimer-Traktor durchs Dorf. Der Anlass: Die beiden Jubilare vom Obsthof Mohr feiern Diamanthochzeit in Stieldorferhohn. Und alle feiern mit. Ein besonderer Glückwunsch erreichte die Mohrs aber bereits aus dem fernen Afrika – von Karl Mohr aus Kenia.

 Vor 60 Jahren gaben sich Adele und Karl das Ja-Wort.

Vor 60 Jahren gaben sich Adele und Karl das Ja-Wort.

Foto: Roswitha Oschmann

Die Diamanthochzeiter haben dort sieben Patenkinder. Und einer der Jungs wurde gerade selbst Vater und ließ seinen Sohn aus Dankbarkeit für die Unterstützung auf den Namen Karl Mohr taufen. Nun wartet Karl Mohr aus Stieldorferhohn mit Spannung auf ein Foto von dem Namensvetter aus Afrika.

Die Verbindung in das Dorf Miritini in der Gegend von Mombasa leitete sich aus der Freundschaft zu Pfarrer Uwe Diedrichs her, der einst fünf Jahre Kaplan in Stieldorf war und seit Langem in Afrika wirkt. Er hatte die sieben elternlosen Geschwisterkinder den Mohrs ans Herz gelegt. Einer von ihnen hat studiert und ist mittlerweile Schulleiter.

Eines der afrikanischen Patenkinder von Adele und Karl Mohr. Bei der Trauung in Kenia war das Obstbauerpaar aus dem Siebengebirge anwesend.

Eines der afrikanischen Patenkinder von Adele und Karl Mohr. Bei der Trauung in Kenia war das Obstbauerpaar aus dem Siebengebirge anwesend.

Foto: Roswitha Oschmann

Das Jubelpaar hat seine Hochzeit in Kenia miterlebt, und es freut sich, dass mit ihrer Unterstützung den Kindern in ihrer afrikanischen Heimat eine Perspektive erwachsen ist. „Dort herrscht eine solche Armut, das ist unvorstellbar. Da haben wir gesehen, wie gut es uns doch geht“, berichtet Karl Mohr. Aus Dankbarkeit darüber ließen sie in Kenia eine Muttergottes schnitzen und, sie errichteten in der Nähe ihres Hofes ein Heiligenhäuschen.

Karl Mohr als Meister im Fähndelschwenken.

Karl Mohr als Meister im Fähndelschwenken.

Foto: Roswitha Oschmann

Aus Dankbarkeit: Patenkind nennt seinen Sohn Karl Mohr

„Gemeinsam arbeiten, gemeinsam beten“, nennen sie ihre Devise. Auch wenn 1996 Sohn Karl Heinrich den Hof übernommen hat und die Jubilare mittlerweile in Thomasberg wohnen, so helfen die Mohrs doch „an fünf von sechs Tagen“ mit. Und große Freude herrscht bei Obstbaumeister Karl Mohr darüber, dass auch Enkelsohn Sven-Karl eine Gärtnerausbildung angetreten hat und damit die bereits fünfte Generation in den Startlöchern steht.

Durch die Landwirtschaft hatten sich die Jubilare kennengelernt, ganz davon abgesehen, dass Karl als Messdiener Adele schon die Kommunionkerze angezündet hatte. Als Karl Mohr aus Stieldorferhohn beim Schmied in Rauschendorf die Pferde beschlagen ließ, sah er direkt gegenüber auf dem Bauernhof Kehr ein bildhübsches Mädchen herumwirtschaften. Komisch, daraufhin suchte der junge Landwirt bei jeder Gelegenheit die Schmiede auf.

Im Karneval 1960 kam Karl seiner Angebeteten endlich näher. Er besuchte mit den Junggesellen aus seinem Heimatdorf einen Tanzabend bei „Röttgen“ in Stieldorf. Auch die 17-jährige Adele war im Saal. Sie musste am nächsten Morgen die Kühe melken und Karl und seine Freunde halfen ihr. „Ich habe mit ihr die schweren Milchkannen zum Milchbock geschleppt. Dabei habe ich sie das erste Mal geküsst“, erzählt Karl Mohr verschmitzt. Um sieben Uhr ging’s in die Frühmesse. „Wir Jungs haben uns hinten in die Ecke gestellt, wir stanken nach Stall, wir hatten doch die guten Sachen vom Vorabend anbehalten.“

Allerdings musste sich das junge Glück noch gedulden. Als Adele am 12. Mai 1964 mit 21 volljährig war, ging es am Tag darauf direkt aufs Standesamt. Am 14. Mai heiratete Karl seine Adele in der Pfarrkirche von Stieldorf. Sie zog mit ihm auf den Hof nach Stieldorferhohn. Zwei Kinder kamen, drei Enkel vervollständigen die Familie, von den Patenkindern in Afrika gar nicht zu reden.

Bereits Karls Eltern hatten Obstbau betrieben. Das ist noch heute so auf dem Obsthof Mohr. „Aber wir waren mit Leidenschaft auch Kuhlandwirte“, sagt Karl Mohr. „Wir haben stets morgens zusammen begonnen und abends zusammen aufgehört, alles gemeinsam gemacht. Wahrscheinlich sind wir durch viele Arbeit so fit und gesund“, so Adele Mohr.

Im Unruhestand traten sie einige Reisen an, nicht nur nach Afrika, sondern auch nach Kuba, Sri Lanka oder Kanada, wo sie beim Stadelball von Karl Moik in Toronto Ehrengäste waren. „Wir wurden am Flughafen von einem livrierten Chauffeur ins Hotel abgeholt. Bis 4 Uhr morgens ging der Ball.“

Aber Karl Mohr, geboren am 25. Dezember 1936 in Stieldorferhohn, war schon immer ein Hansdampf in allen Gassen. Weil es in seinem Dorf keinen Sankt Martin gab, setzte er sich mit 14 auf Moritz, den Schimmel der Eltern, und überraschte alle im Sankt-Martins-Zug. 40 Jahre schlüpfte er in diese Rolle. Mohr gehörte der Spielschar an, die damals unter Uwe Diedrichs agierte, und dem Junggesellenverein Stieldorferhohn. Viele Pokale erinnern an seine Erfolge im Fähndelschwenken, so gewann er auch die Bundesmeisterschaft im Fähndelschwenken.

Karl Mohr hatte den Handballverein mitbegründet und spielte bis 1979 als Torwart. Die Stieldorferhohner kämpften sich bis in die damals zweithöchste Klasse in Deutschland hoch. Von 1964 bis 1969 gehörte der Jubilar dem Gemeinderat Stieldorf an. „Wir waren schuldenfrei.“ Am Pfingstmontag fährt dann der Traktor zum Festzug vor.

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