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Imkern im Siebengebirge: Paar aus Aegidienberg hat neun Bienenstöcke

Imkern im Siebengebirge : Paar aus Aegidienberg hat neun Bienenstöcke

Stefan Haasenleder und Shirley Ismay betreiben in Aegidienberg ihre Imkerei Aegidiusgold. Von einem befreundeten Berufsimker bekam das junge Paar 2016 seine ersten beiden Völker. Dann wurde es schnell mehr.

Es summt im Garten von Stefan Haasenleder und Shirley Ismay – und das gleich zigtausendfach. Verursacher ist die „Apis Mellifera Carnica“, auf gut Deutsch die Honigbiene, die dort – umgeben von Brombeerhecken und alten Obstbäumen – zu Hause ist. Am Vormittag herrscht reger Betrieb rund um die neun Bienenstöcke der beiden Imker aus Aegidienberg: Unermüdlich schwirren die kleinen Honigsammlerinnen aus, andere kehren zurück, mit dicken Pollenhöschen an den Hinterbeinen.

Haasenleder bringt den Smoker zum Rauchen. Das Gefäß, das aussieht wie ein Metallkanne, gehört zur Ausstattung des Imkers ebenso wie Handschuhe und Schutzhut. Immer wieder schwenkt der 29-Jährige den Smoker hin und her, während er an den Bienenstöcken zugange ist. Der Qualm der glimmenden Buchenspäne hält die Insekten derweil auf Abstand. „Der Rauch versetzt die Bienen in Alarmbereitschaft“, erklärt Haasenleder. „Sie bereiten sich darauf vor, im Fall eines Brandes ihre Behausung schnell verlassen zu können.“ Der Imker ist in diesem Zustand das geringere Übel für die Insekten, sie lassen ihn links liegen.

Haasenleder und Ismay werfen einen prüfenden Blick auf die Waben. In den einen lagern die Bienen derzeit fleißig Futter – eine Zuckerlösung – für den Winter ein, die anderen dienen als Brutwaben. Der Honig indes ist bereits „im Glas“: Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Sommer, wird geerntet, was die fleißigen Bienen zusammengetragen haben. 30 bis 40 Kilo Honig erzeugt jedes Volk im Jahr – „Agidiusgold“ haben Ismay und Haasenleder die süße Gesundkost genannt. Die Bienen, die den Honig eigentlich als Nahrung für den Winter gesammelt hatten, werden jetzt stattdessen vom Imker mit einer Zuckerlösung versorgt.

Auch die Behandlung gegen die Varroa-Milbe steht im Sommer auf dem Programm. Der Imker rückt den gefährlichen Bienen-Plagegeistern ein- bis zweimal im Jahr mit Ameisensäure zu Leibe. Werden die heimtückischen Achtbeiner nicht bekämpft, können sie ganze Bienenvölker ausmerzen. „Die Biene braucht den Imker“, betont Haasenleder. Zum Glück sind die Honigbienen im Siebengebirge in den vergangenen Jahren von der amerikanischen Faulbrut verschont geblieben, einer ansteckenden Seuche, die deutschlandweit erhebliche Bienenverluste verursacht.

Begeisterung fürs Hobby

Wenn Haasenleder und Ismay von ihrem Hobby erzählen, schwingt in jedem Satz die Begeisterung mit. Die Bienen faszinieren sie jeden Tag aufs Neue: „Es sind so intelligente Lebewesen.“ Wie den beiden Aegidienbergern geht es vielen: Die Zahl der Bienenhalter ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Auch in der Region entdecken mehr und mehr Menschen das „süße“ Hobby für sich. Hintergrund ist ein zunehmendes Bewusstsein für Umwelt und Natur und letztendlich auch für eine gesunde Ernährung.

Die Biene ist ein Superstar. Nach Rind und Schwein ist sie das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier: als Bestäuber von Pflanzen. Foto: Frank Homann

Für die 26-Jährige Shirley Ismay stand schon früh fest: „Wenn ich mal einen eigenen Garten habe, dann möchte ich auch Bienenstöcke haben.“ Von einem befreundeten Berufsimker bekamen das junge Paar 2016 seine ersten beiden Völker, „und dann wurde es sehr schnell sehr viel mehr. Das ist wie eine Sucht.“ Sich um die Bienen zu kümmern, „entspannt total vom normalen Alltag“.

Allerdings ist die Imkerei auch ein zeitaufwändiges Hobby: „Man sollte sich im Klaren sein, dass von April bis August kein Urlaub drin ist.“ Wer also der in erster Linie der Natur und vor allem den bedrohten Wildbienen etwas Gutes tun möchte, dem rät Haasenleder, lieber im Garten Blühflächen anzulegen und Insektenhotels aufzustellen. Soll es dann aber doch tatsächlich ein eigenes Bienenvolk sein, sollte der erste Weg zu einem Imkerverein führen.

Beide sind auch Wespen- und Hornissenberater

Die Leidenschaft von Haasenleder und Ismay beschränkt sich nicht nur auf die Honigbiene, sondern auf alles, was draußen summt und brummt: Als zertifizierte Wespen- und Hornissenberater helfen sie weiter, wenn sich die Tiere in Gartenhütten, auf dem Dachboden oder Balkon eingenistet haben. Wenn tatsächlich Gefahr im Verzug ist, dürfen sie Nester auch umsiedeln.

Die Bienenkönigin. Foto: Frank Homann

Zurück zu den Bienen: Mitten im Getümmel auf der Wabe hat Haasenleder die Königin entdeckt. Sie trägt einen deutlich sichtbaren grünen Punkt auf dem Rücken. Den hat nicht etwa die Natur dorthin gezaubert, sondern der Imker mit einem speziellen Stift. „Eine Königin wird maximal fünf Jahre alt“, erklärt er. Um zu wissen, wie alt die jeweilige Regentin ist, wird sie farblich markiert. „Die Farbe wechselt von Jahr zu Jahr. Das ist ein Standard, der weltweit gilt.“

Während die einzige Aufgabe der Regentin das Eierlegen ist, ist wiederum die einzige Aufgabe des Hofstaats, sich um deren Wohlergehen zu kümmern: Unaufhörlich sind die emsigen Arbeiterinnen damit beschäftigt, die Königin zu hätscheln und tätscheln, zu putzen und zu füttern. Dass zigtausend Individuen eines Volkes zu jeder Zeit ihres Lebens genau wissen, was ihre Aufgabe ist, beeindruckt die beiden Imker immer wieder. In ihrem Lebenszyklus – der im Sommer wenige Wochen, im Winter bis zu drei Monate dauert – durchläuft die Biene verschiedene Berufe: vom Putzen der Waben über den Dienst als Wächterin bis hin zur Arbeiterin im Hofstaat. Erst in den letzten 14 Lebenstagen fängt sie an, Pollen und Nektar zu sammeln – und stirbt auch irgendwann dabei. „Sie arbeitet sich im Sommer buchstäblich zu Tode.“