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Gemeinschaftsaktion im Siebengebirge: Pfadfinder sammeln 16 Tonnen gebrauchte Kleidung

Gemeinschaftsaktion im Siebengebirge : Pfadfinder sammeln 16 Tonnen gebrauchte Kleidung

Die Pfadfinder im Bergbereich haben in einer großen Gemeinschaftsaktion dieses Mal etwa 16 Tonnen gebrauchte Kleidung gesammelt. Das hat dort schon seit vielen Jahren Tradition.

Das himmelblaue T-Shirt sieht „top“ aus, die kurzen Jeans-Shorts und die neongrünen Marken-Turnschuhe ebenfalls; die zerschlissene Jogginghose indes kann man keinem mehr anbieten, sie wandert in den Sack.

Im katholischen Pfarrheim in Oberpleis herrscht am Samstag „Wühltischatmosphäre“: Pullover, Hosen, Jacken, Shirts und Wäsche türmen sich auf langen Tischen zu stattlichen Bergen. Alle Hände voll zu tun für die Sortiermannschaft des Stammes Oberpleis der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG), die an diesem Vormittag säckeweise gespendete Kinderkleidung durchsieht. „Es sind überwiegend wirklich gute Sachen, aber man kann sich nicht drauf verlassen, dass nicht doch mal etwas Verschlissenes oder Kaputtes dabei ist“, erläutert Susanne Lehmann vom Leitungsteam der Pfadinder.

Sammlung hat eine lange Tradition

Die Altkleidersammlung der Pfadfinder hat schon lange Tradition: Seit rund 20 Jahren wird sowohl im Frühjahr als auch im Herbst eingesammelt, was die Bürger in der Bergregion ausrangiert haben. Rund sechs bis sieben Tonnen Altkleider kommen jedes Mal allein im Bereich der Oberpleiser Pfadfinder zusammen. Zusammen mit dem, was die Pfadfinder der befreundeten Stämme in Ittenbach und Heisterbacherrott in ihren Orten sammeln, summiert sich die Menge auf etwa 15 bis 16 Tonnen pro Sammelaktion – eine unglaubliche Zahl, findet Lehmann.

Die Altkleider werden an die Kolping Recycling GmbH verkauft, der Erlös kommt der Jugendarbeit der Pfadfinder zugute. Neben dem, was in den regulären Altkleidersäcken landet, wird zudem gut erhaltene Kinderkleidung gesammelt. Sie ist gedacht für Jungen und Mädchen, deren Eltern sich schlicht und einfach keine Neuware leisten können.

„Im Frühjahr bringen wir Sachen zur Kleiderstube der katholischen Gemeinde in Köln-Vingst“, so Lehmann. „Bei der Sammlung im Herbst haben wir die Kinderkleidung bislang an ein Waisenhaus in Namibia gespendet.“ Im Container wurden die Sachen zusammen mit anderen Spenden aus Deutschland von Borken aus nach Afrika verschifft. Aufgrund zu hoher Frachtkosten wurde dieser Spendentransfer jedoch eingestellt.

Dankbar für Vorschläge

„Jetzt müssen wir uns etwas anderes überlegen“, so Lehmann. Für Vorschläge, wo im In- oder Ausland dringend gut erhaltene Kinderkleidung benötigt wird, sind die Pfadfinder dankbar.

Die Altkleidersammlung ist jedes Mal eine große Gemeinschaftsaktion, bei der alle mitmachen, vom kleinen Wölfling bis hin zum erwachsenen Rover. Die Flyer werden stets von den Kindern während ihrer regulären Gruppenstunden an alle Haushalte verteilt, „damit die Leute wissen, was los ist“. Die Älteren ab 16 Jahre helfen bei der eigentlichen Sammelaktion mit.

Seit 7.30 Uhr in der Früh waren die Pfadfinder am Samstag unterwegs, um die Kleidersäcke einzusammeln. Eine exakte Tourenplanung sorgt dafür, dass auch wirklich keine Straße zwischen Freckwinkel und Eudenbach vergessen wird. Sicherheitshalber wird jedes der 14 Gebiete zweimal abgefahren. Gut für Langschläfer, denn „viele schaffen es nicht, ihre Säcke schon ganz früh morgens rauszustellen“.

Die gesammelte Kinderkleidung wird im Pfarrheim nach dem Prinzip „die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“ sortiert: Alles, was gut erhalten ist, wird ordentlich gefaltet und in Kisten gepackt, für die Kinder und Jugendlichen in Köln-Vingst. Insgesamt 30 große Kartons waren es dieses Mal. Was aussortiert werden muss, wird nicht etwa weggeworfen, sondern kommt in die reguläre Altkleidersammlung.

Der Parkplatz vor dem Pfarrheim gleicht am Samstag einem Verladebahnhof: ein Lieferwagen nach dem anderen kommt an, auch ein Trecker mit Anhänger, randvoll mit Altkleidersäcken, ist dabei. Raus aus dem einen Transporter wird alles in den nächst größeren umgeladen. Ist der voll, geht es zum Wiegen nach Hennef-Kümpel, wo es eine große LKW-Waage gibt. „Früher konnten wir die Waage am Raiffeisenmarkt nutzen, aber die funktioniert leider nicht mehr“, so Lehmann.

Lastwagen werden gewogen

Gewogen werden müssen die Sachen aber, damit der Gesamterlös aus dem Verkauf der Altkleider entsprechend den tatsächlich gespendeten Mengen an die drei beteiligen Pfadfinderstämme aufgeteilt werden kann. „Das ist schon ein Riesen-Aufwand“, finden Thomas Koch und Gregor Salewski. Denn von Hennef aus geht es zurück nach Oberpleis ins Gewerbegebiet, wo schon der Laster des Kolpingwerks wartet.

Altkleider sind heutzutage ein wertvolles Gut – das mussten auch schon die Pfadfinder feststellen. So wurden in der Vergangenheit Fremde dabei beobachtet, wie sie die für die DPSG bestimmten Säcke einsammelten. Dumm für die Langfinger, dass das ausgerechnet einem Polizisten auffiel, der prompt Anzeige erstattete.

Auch kollidiert der Sammeltermin hin und wieder mit kommerziellen Sammlungen – denn wer eine Sammelgenehmigung des Kreises besitzt, muss die Termine nicht vorher abstimmen. „Daher bitten wir immer darum, die Säcke entsprechend zu kennzeichnen“, so Lehmann. Zum Glück ist es aber bislang nicht zu größeren Diebstählen gekommen. Schließlich ist der Erlös für die Pfadfinder eine wichtige Einnahmequelle zur Finanzierung ihrer ehrenamtlichen Arbeit.