1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Königswinter

Niederdollendorf: Plakataktion gegen den wilden Müll

Niederdollendorf : Plakataktion gegen den wilden Müll

Ein Vogel, der in den Resten einer Plastikverpackung gefangen ist: Eindeutige und auch drastische Motive erinnern am Königswinterer Rheinufer jetzt daran, dass Müll nicht in die Natur gehört. Die Urheber hoffen auf ein Einsehen aller Besucher.

Mit Plakaten gegen Müllferkel. Birgit und Hans Simon wohnen hundert Meter vom Rhein entfernt. Und seit Jahren ärgern sie sich über weggeworfene Flaschen, Glasscherben, liegengelassene Verpackungen, achtlos entsorgtes Papier und anderen Müll am Ufer. Beide gehören dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) an. Birgit Simon ist sogar Vorstandsmitglied und Arbeitskreisleiterin Abfall des Kreisverbandes Rhein-Sieg. Sie initiierte nun zusammen mit der Stadt Königswinter und der RHI Magnesita Deutschland AG eine Plakataktion, die das Augenmerk der Besucher des Rheins auf die Müllproblematik und deren Folgen lenken soll.

Von Königswinter bis hinter Niederdollendorf leuchtet nun an exponierten Stellen wie den Zugängen zu den Kribben und Rheinstränden das Hintergrundblau der Plakate, die auf die Folgen des Mülls aufmerksam machen sollen. „Immer liegt etwas herum“, drückt Birgit Simon ihren Unmut aus. Deshalb unterbreitete sie ihrem Nabu-Arbeitskreis und Bürgermeister Lutz Wagner ihre Idee, die im Rathaus sofort zündete. Ulrike Klein aus der Stadtverwaltung setzte sich mit dem Anliegen auseinander und entwarf die Plakate, die nun für Spaziergänger einen Blickfang darstellen sollen. 

Unternehmen unterstützt die Aktion

Das Unternehmen RHI Magnesita (früher Didier) war sofort bereit, die Kosten zu übernehmen. Umweltbeauftragter Stefan Weber: „Unser Unternehmen ist seit 130 Jahren hier am Ort und unterstützt auch dieses Projekt sehr gern wie auch viele andere Aktivitäten.“ So wurden etwa 2020 aus dem Spendenpool für den Verschönerungsverein für das Siebengebirge 4000 Bäume gestiftet und selbst gepflanzt, in diesem Jahr werden wegen Corona die Mittel für die Bäume zur Verfügung gestellt. Mit Müllbeuteln und Schubkarren machten sich 60 Mitarbeiter schon mehrfach vom Betrieb bis zum Rhein auf den Weg, um Müll zu sammeln.

Bürgermeister Wagner bedankte sich bei den Initiatoren und Mitstreitern. „Ich hoffe, dass dieses Projekt etwas bringt und die Plakate nachhaltig wirken. Auch ich ärgere mich über den Müll, der nicht nur die Landschaft verschandelt, sondern auch zu Verletzungen von Tieren führt. Leider ist das nicht nur Gedankenlosigkeit, sondern teilweise auch Ignoranz.“ Die Mehrheit der Besucher nehme aber ihren Müll wieder mit nach Hause. Wagner: „Am Rhein haben wir es mit angeschwemmtem Müll vom Hochwasser und von Hinterlassenschaften der Leute zu tun.“

Ständige Kontrolle nicht möglich

Hans Simon wünschte sich „Sheriffs“, die abends am Rhein entlanggehen und kontrollieren. „Wenn keine Präsenz da ist, lässt sich das Problem nicht ändern. Wir brauchen am besten einen mit Uniform, der den Besuchern deutlich macht, ihr seid nicht unbeaufsichtigt“, meinte er. Aber Wagner ließ keine Illusionen aufkommen: „Wir haben einen Ordnungsamtsaußendienst, wir können nur an einem Ort zu einer Zeit sein. Anderenfalls müssten wir unseren Ordnungsaußendienst verdoppeln. Aber die Mitarbeiter schauen freilich im gesamten Stadtgebiet nach dem Rechten.“ Gerade während Corona sei der Andrang auf das Siebengebirge stark angewachsen. „Die vielen Besucher machen auch Müll bei ihren Wanderungen und parken da, wo sie nicht parken dürfen, obwohl sie es anders gelernt haben in der Fahrschule.“

Die Plakate fand Bürgermeister Wagner jedenfalls gelungen – und er wünscht sich, dass sie Wirkung zeigen. Vielleicht haben Hans und Birgit Simon künftig, wenn sie  wie am nächsten Samstag mit weiteren Nabu-Mitstreitern Müll am Rhein sammeln, nicht mehr so viele Fundstücke. Birgit Simon: „Es ist ja unglaublich, was alles in den Rhein gelangt.“ Der Baubetriebshof der Stadt wird Müllsäcke, Handschuhe und Greifer zur Verfügung stellen und das Gesammelte abholen. So wird die Stadt auch die Sammelaktion unterstützen.