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Politik stimmt Mehrausgaben in Königswinter zu - Hallenbad kostet 10,9 statt 9,6 Millionen Euro

Politik stimmt Mehrausgaben in Königswinter zu : Hallenbad kostet 10,9 statt 9,6 Millionen Euro

Nach der aktuellen Prognose soll das Hallenbad in Königswinter 10,9 statt 9,6 Millionen Euro kosten. Die Kritik hielt sich aber in Grenzen.

Die Stadt kann jetzt die Aufträge für den Abbruch des alten Hallenbades und den Bau des neuen Bades erteilen. Der Haupt-, Personal- und Finanzausschuss stimmte mehrheitlich der Budgeterhöhung um 1,3 Millionen Euro und der Auftragserteilung zu. Statt der ursprünglich kalkulierten 9,6 Millionen Euro soll das Hallenbad nach der Prognose nun 10,9 Millionen Euro kosten.

Die Fraktionen von SPD und Königswinterer Wählerinitiative (Köwi) enthielten sich der Stimme. Sie waren stets für eine Sanierung des alten Hallenbades gewesen. Die Kritik hielt sich aber in Grenzen. Projektsteuerer Matthias Ring (Berlin) bezeichnete das Vorliegen von 85 Prozent aller Submissionsergebnisse für insgesamt 16 Gewerke als "Meilenstein" in der Planung.

"Wir wissen jetzt, worüber wir reden", sagte er. Die Bau- und Konjunkturlage, die für Bauherren eine kleine Katastrophe darstelle, habe auch die Wirkung auf das Königswinterer Projekt nicht verfehlt. Fünf Angebote hätten sogar bis zu 100 Prozent über der Prognose gelegen. Dabei seien für die einzelnen Gewerke nur ein bis drei Angebote eingegangen. Auf die prognostizierten Mehrausgaben ist der Projektsteuerer gekommen, indem die Angebote für 85 Prozent der Gewerke, die um 939 000 Euro über der Kalkulation liegen, auf 100 Prozent hochgerechnet wurden. Als Einsparpotenzial bei Nachverhandlungen wurden 200 000 Euro gerechnet. Dazu wurde von einer Reserve für Unvorhergesehenes bei der Bauausführung von drei Prozent ausgegangen, was 253 000 Euro entspricht. Bei den Diskussion über Einsparmöglichkeiten habe immer der Gedanke im Vordergrund gestanden, dass die Funktionalität des Bades nicht gefährdet werden dürfte.

Wegen der zusätzlichen Beratung im Ausschuss wurde der Auftrag an das Abbruchunternehmen nicht Ende August erteilt, sondern erfolgt erst jetzt - nach der Entscheidung der Politik. Die Schwimmtreff GmbH setzt daher den Betrieb im alten Hallenbad bis zum 27. Oktober fort. Nach der Räumung, die bis zum 22. November erfolgt, kann der Abbruch beginnen. "Die sechs Wochen sind bis Ende des Projekts nicht mehr aufholbar, sodass wir mit der Fertigstellung bis zum 11. April 2021 rechnen", so Ring. Das könne sich aber auch noch einmal um zwei Monate verschieben, zumal zum Beispiel noch keine Zeitzuschläge für Witterungsereignisse berücksichtigt seien.

"Die 1,3 Millionen sind natürlich ein Betrag, über den man nicht einfach hinweggehen kann", sagte CDU-Fraktionschef Josef Griese. Die Erhöhung komme angesichts der boomenden Baukonjunktur aber auch nicht überraschend. "Verwaltung, Projektsteuerer und Architekten haben sehr viel richtig gemacht. Sie haben gezeigt, dass in unruhigen Zeiten, in denen die Baupreise nicht kalkulierbar sind, eine sichere Prognose haben, auf was der Preis am Ende hinausläuft", meinte er.

Andreas Danne (Linke) nannte die Verteuerung hingegen eine "ärgerliche Situation". Jetzt sei die Alternative nur: Friss oder stirb. Der Kostenfaktor habe schließlich bei der Entscheidung für den Neubau eine große Rolle gespielt. "Und ganz abgerechnet wird erst, wenn das letzte Gewerk beendet ist und der erste Schwimmer dort baden geht", so Danne. Auch er hätte eine Sanierung bevorzugt.

Roman Limbach (CDU) und Michael Ridder (Köwi) hätten den dreiprozentigen Zuschlag für Unvorhergesehenes gerne bereits in der ersten Kalkulation gesehen. Alexander Stucke (Köwi) wollte wissen, ob die drei Prozent erfahrungsgemäß ausreichen würden. "Das ist ein vernünftiger Ansatz. Wenn man nur 2,5 Prozent braucht, ist das erfreulich. Es gibt aber auch bei Neubauten mal Verteuerungen um sieben oder acht Prozent", sagte Ring.

Den Befürwortern einer Sanierung hielt der Projektsteuerer entgegen, die Kostensteigerung am Baumarkt wäre bei diesem Szenario genauso eingetreten. "Die Unsicherheiten, die von Firmen für Risiken eingepreist werden, ist bei Sanierungsprojekten wesentlich höher."