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Hausverwalter aus Königswinter: Privatleute und Handwerker erheben weitere Vorwürfe

Hausverwalter aus Königswinter : Privatleute und Handwerker erheben weitere Vorwürfe

Die Anschuldigungen gegen einen 65 Jahre alten Hausverwalter aus Königswinter, dem etwa 20 Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) schwere Verfehlungen bei der treuhänderischen Verwaltung ihrer Konten vorgeworfen haben, ziehen weitere Kreise.

Neben Hans-Josef Schiebinger, kommissarischer Hausverwalter einer WEG aus Sankt-Augustin-Mülldorf, der für 98 Wohnungsinhaber einen Schaden von rund 418.000 Euro auf dem Treuhandkonto bei der Sparkasse KölnBonn befürchtet, hat jetzt der Beirat einer WEG aus Bad Honnef-Selhof nach eigener Aussage Anzeige wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft gegen den Hausverwalter erstattet.

Diese Eigentümergemeinschaft fürchtet um ihre Rücklagen von mehr als 95.000 Euro, die ebenfalls auf einem Treuhandkonto der Sparkasse KölnBonn lagerten. Auch für das Girokonto sei der Königswinterer Hausverwalter verantwortlich gewesen.

Zudem führt mit dem Bad Honnefer Malermeister Wolfgang Berg jetzt der erste Handwerker öffentlich Klage gegen den 65-jährigen Königswinterer wegen einer nicht bezahlten Rechnung: Seit vier Wochen wartet Berg nach eigenem Bekunden auf 24.388 Euro, die er für den Fassadenanstrich eben jener WEG in Selhof berechnet hat. Für den alteingesessenen "Ein-Mann-Betrieb" ist die unbeglichene Forderung "existenzbedrohend", so der Malermeister.

Ob Wohnungseigentümergemeinschaften oder Malermeister, die Beschwerdeführer werden sich wohl mit der Klärung ihrer Ansprüche noch gedulden müssen: Ein Zugriff auf die WEG-Treuhandkonten des 65-Jährigen bei der Sparkasse ist derzeit nicht möglich. Das hängt damit zusammen, dass die Sparbücher auf den Namen des Königswinterers ausgestellt sind, der nach eigener Aussage mehr als 2000 Eigentumswohnungen und Mietverwaltungen in der Region betreut. Wegen "Ungereimtheiten" hat die Bank nun aber die Geschäftsbeziehungen zu ihm beendet. Das erklärte der 65-Jährige am Mittwoch vergangener Woche, wie berichtet, einem Siegburger Amtsrichter.

Bei dem Gerichtstermin hatte der Hausverwalter einer weiteren WEG aus Sankt Augustin, die um mehr als 160.000 Euro Rücklagen auf einem Treuhandkonto bei der Sparkasse bangt, einen Vollstreckungstitel gegen den Hausverwalter erwirkt. Bei dem Gerichtstermin äußerte der Anwalt der klagenden WEG bereits die Befürchtung, dass es ungeachtet des Titels schwer werden dürfte, an das Geld zu kommen. Unabhängig von den derzeit gesperrten Konten besteht aus Sicht des Juristen die Schwierigkeit darin, die zahllosen Sparbücher, die der 65-Jährige im Auftrag einer Vielzahl von Eigentümergemeinschaften führt, auch der entsprechenden WEG zuzuordnen.

Schließlich konzentrieren sich die Vorwürfe darauf, dass der Königswinterer im großen Stil Sparbücher manipuliert und mitunter ein und dasselbe Sparbuch mehreren Gemeinschaften vorgelegt haben soll. Auch befürchten Insider, dass Kontobewegungen wegen eines verwirrenden Buchungsverkehrs kaum mehr zu entwirren sein werden.

Der 65-jährige Hausverwalter aus Königswinter war gestern nicht zu erreichen. Wie er aber bereits nach der Gerichtsverhandlung in Siegburg beteuert hatte, "ist das Geld da". Der Hausverwalter bekräftigte zudem, dass seine Anwälte dabei seien, die Vorwürfe aufzuklären.