Erneuter Prozess sorgt für verringertes Strafmaß Nach Leichenfund im Kofferraum: Minderjährige Mittäterin bekommt Entschädigung

Eudenbach · Die zur Tatzeit 15-jährige Freundin der Tochter der Toten, die Anfang Januar 2021 im Kofferraum eines in Eudenbach abgeschleppten Autos gefunden worden ist, steht wieder vor Gericht. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil gegen sie aufgehoben. Am Mittag fiel das Urteil in nicht-öffentlicher Sitzung.

An dieser Stelle in Königswinter-Eudenbach hatte die Polizei am 28. Dezember 2020 einen anthrazitgrauen Kleinwagen sichergestellt, da er ohne Kennzeichen schräg am Straßenrand abgestellt worden war. Später wurde im Kofferraum eine Frauenleiche gefunden.

An dieser Stelle in Königswinter-Eudenbach hatte die Polizei am 28. Dezember 2020 einen anthrazitgrauen Kleinwagen sichergestellt, da er ohne Kennzeichen schräg am Straßenrand abgestellt worden war. Später wurde im Kofferraum eine Frauenleiche gefunden.

Foto: Frank Homann

In dem Strafprozess um einen Leichenfund im Kofferraum eines im Königswinterer Ortsteil Eudenbach abgestellten Kleinwagens ist die minderjährige Mittäterin in zweiter Instanz von der 2. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht nurmehr einer versuchten Strafvereitelung für schuldig befunden worden. Vier Wochen Dauerarrest beträgt das verkündete Strafmaß, das aber mit der bereits abgesessenen achtmonatigen Untersuchungshaft verrechnet wird. Für den Rest dieser Haftzeit wird sie entschädigt.

Die Urteilsverkündung fand am Dienstagmittag – so wie zuvor auch die gesamte Verhandlung – in nichtöffentlicher Sitzung statt, weil die Angeklagte zum Tatzeitpunkt noch minderjährig war. Erstinstanzlich hatten die Richter der damals zuständigen 8. Großen Strafkammer die zum Tatzeitpunkt 15-Jährige noch wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Es war ein Verbrechen, das zum Jahreswechsel 2020/2021 viel Aufsehen erregt hatte: Die Polizei hatte Anfang Januar 2021 im Kofferraum eines zuvor in Eudenbach abgeschleppten anthrazitgrauen Kleinwagens vom Typ Renault die Leiche einer 48-jährigen Frau entdeckt. Die Beamten hatten den Wagen rund eine Woche zuvor, am 28. Dezember 2020, sichergestellt, da er ohne Kennzeichen schräg am Straßenrand in dem Königswinterer Höhenort abgestellt worden war.

Erst nachdem wegen der gestiegenen Temperaturen ein strenger Geruch aus dem Wagen drang, hatte das Verkehrskommissariat eine genauere Untersuchung des Fahrzeugs angeordnet. Weil den Beamten außer leichten Unfallspuren zuvor nichts nennenswert Verdächtiges an dem Wagen aufgefallen war, und offenbar auch niemand den Wagen zu vermissen schien, war bis dahin nichts unternommen worden.

Nach Überzeugung der Richter in der ersten Instanz hatte die damals 22-jährige Tochter ihre Mutter gemeinsam mit der nun wegen versuchter Strafvereitelung verurteilten Freundin im Streit mit einem Kissen erstickt. Im September 2021 war die Tochter der Toten wegen Totschlags zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der Fall musste neu verhandelt werden, weil der Bundesgerichtshof (BGH) bemängelt hatte, dass die Richter in der ersten Instanz ihren Schuldspruch einzig und allein auf das Geständnis der Tochter gestützt hatten. Für die hatte das Gericht seinerzeit einen minderschweren Fall angenommen, da das schwerkranke Opfer seine Tochter zunehmend unter Druck gesetzt hatte. Sie hatte allerdings im Laufe des Verfahrens ihre minderjährige Freundin belastet und der Mittäterschaft beschuldigt.

Diese Aussage war dem Gericht aber für eine Verurteilung wegen Totschlags nicht überzeugend genug, sie folgten vielmehr den Angaben der heute 19-jährigen Angeklagten: Die hatte ausgesagt, dass sie aus Verbundenheit zu ihrer Freundin nur dabei geholfen habe, die Leiche wegzuschaffen. Bei der Tötung habe sie hingegen nicht mitgewirkt. Sie habe dabei zugeschaut, sei wie gelähmt im Türrahmen stehen geblieben und habe nichts getan. Nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ – im Zweifel für den Angeklagten – verurteilten sie die junge Frau daher nur wegen der versuchten Strafvereitelung und nicht mehr wegen Totschlags.

Nach Streit mit einem Kissen erstickt

Die beiden Frauen hatten die Leiche der Mutter am zweiten Weihnachtstag 2020 gemeinsam mit dem Freund der Minderjährigen in den Kofferraum eines Kleinwagens geladen und das Fahrzeug am Straßenrand unweit des Tatorts zurückgelassen. Der Plan war offenbar den Wagen mithilfe des Jungen zum Rhein zu fahren und dort im Fluss zu versenken.

Das Vorhaben scheiterte aber an der fehlenden Fahrpraxis des jungen Mannes. Er war in dem ersten Verfahren ebenfalls wegen versuchter Strafvereitelung zu einer zweijährigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Während die Urteile gegen die Tochter des Opfers und den jungen Helfer rechtskräftig geworden waren, hatte die Anwältin des Mädchens Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

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