1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Königswinter

Ferien im Siebengebirge: „Rheinromantik muss modern daherkommen“

Ferien im Siebengebirge : „Rheinromantik muss modern daherkommen“

Oliver Bremm, Chef der Tourismus Siebengebirge GmbH, spricht über das Siebengebirge als Tourismus-Region. Während einer Fahrt in der Zahnradbahn zum Drachenfels wirft er einen Blick in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft.

Wie steht es heute um das Siebengebirge als Tourismus-Region, welche Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht und wie muss man sich aufstellen, um für die Zukunft gerüstet zu sein? Darüber sprach Oliver Bremm, Chef der Tourismus Siebengebirge GmbH, während einer Fahrt in der Zahnradbahn auf den Drachenfels und zurück zur Talstation.

Die Zahlen der Übernachtungsgäste im Siebengebirge sind im vergangenen Jahr gestiegen...

Oliver Bremm: Stimmt. Und wenn im kommenden Jahr der umgebaute Jugendhof Rheinland eröffnet wird, der derzeit noch als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt wird, rechnen wir mit zusätzlichen 17 000 Übernachtungen pro Jahr alleine in Königswinter. Damit machen wir vor allem jüngeren Leuten ein Angebot. Das ist eine Ergänzung, die wir hier gut gebrauchen können.

Wo kommen die Gäste denn her?

Bremm: Fast alle unsere Gäste kommen aus dem Norden. 85 Prozent stammen aus Deutschland, davon der größte Teil aus Nordrhein-Westfalen. Die meisten Besucher generieren wir aus einem Umkreis von 120 Kilometern.

Die Bahn ruckelt und setzt sich in Bewegung. Um 16.30 Uhr sind nur wenige Mitfahrer auf den Weg zum Drachenfelsplateau. Die älteste noch betriebene Zahnradbahn Deutschlands knirscht ein bisschen, zieht sich dann aber wie ein Uhrwerk den Berg hinauf.

Und der Rest?

Bremm:Wir werden internationaler. Engländer, Briten und – dank Schloss Drachenburg – vor allem Australier.

Australier? Warum gerade die?

Bremm: Wir liegen sehr günstig zwischen den Flughäfen Köln/Bonn, Frankfurt und Hahn. Die Reiseveranstalter suchen nach gut erreichbaren und attraktiven Zielen. Dazu gehört natürlich im Rheintal ein Schloss. Wenn es uns gelingt, über die Tourismus & Congress GmbH Region Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler, die uns ja international vertritt, an Veranstalter von Bus- oder Schiffsreisen heranzukommen, dann ist das für uns natürlich toll.

Und was muss die Region leisten?

Bremm:Die ganze Region braucht eine moderne und vernetzte Infrastruktur, die widerspiegelt, was die Region ausmacht und authentisch ist. Die Region muss als Ganzes sichtbar sein, gerne auch in Kleinigkeiten wie beispielsweise den Informationstafeln, die überall ähnlich sind.

Die Bahn erreicht die neu gestaltete Mittelstation. Für Bremm ein gelungenes Beispiel für die Anstrengungen, die das Siebengebirge unternimmt, um den Ansprüchen gerecht zu werden. Behindertengerecht und edel, ohne dass es besonders auffällt.

Hat das Siebengebirge zu spät erkannt, dass es sich auf einen neuen Tourismus einstellen muss?

Bremm: Nein, wir waren durch die Regionale 2010 früher dran als die meisten. Das sieht man gerade am Mittelrheintal. Aber natürlich kann man immer noch besser werden.

Lässt sich das belegen?

Bremm:Umfragen unter den Besuchern haben einen hohen Zufriedensheitsgrad gezeigt. Viele kommen auch – entgegen der Gefühle der Hoteliers – gerne wieder. Aber wir haben auch festgestellt, dass die Wünsche oder Anmerkungen der Besucher nicht immer mit dem übereinstimmen, was wir für wichtig erachten.

Inwiefern?

Bremm: Wir halten beispielsweise eine moderne Infrastruktur bei der Gestaltung des öffentlichen Raums für wichtig. So hätten wir zum Beispiel gerne wie am Rheinsteig Liegen, die man nutzen kann, um den Blick auf das Rheintal zu genießen. Aber der Mangel wird gar nicht so moniert.

Die Bahn kommt auf dem Drachenfelsplateau an. Die Gäste steigen aus, Besucher drängen sich in den historischen Waggon, um die Fahrt hinunter ins Tal zu machen. Es ist, obwohl mitten in der Woche, brechend voll. Auf den roten Ledersitzen rutschen alle zusammen.

Ist die Neugestaltung des Drachenfelsplateaus gelungen?

Bremm: Unbedingt. Die Leute kommen nicht und staunen mit offenem Mund – das nicht. Aber sie kommen und fühlen sich wohl, darauf kommt es an. Die Rheinromantik ist der richtige Ansatz für den Tourismus im Siebengebirge, aber sie muss modern daherkommen. Und sie muss erklärt werden.

Wieso?

Bremm: Die Leute müssen beispielsweise erklärt bekommen, was sie von da oben sehen. Was ist der komische weiße Golfball auf der anderen Rheinseite? Das fragt sich doch jeder. Aber da sind wir dran. Es wird, wenn auch anders gestaltet als in der Klosterlandschaft Heisterbach, entsprechende Stelen geben.

Welche Richtung schlägt der Tourismus im Siebengebirge sonst ein?

Bremm: Wir müssen über das reine Naturschutzgebiet hinausgehen und den Naturpark mehr in den Mittelpunkt rücken. Das betrifft vor allem die Bergregion. Dort versuchen wir in Absprache mit dem Verschönerungsverein für das Siebengebirge beispielsweise einen Weg für Mountainbiker zu installieren.

Natur bleibt also ein Thema?

Bremm: Unbedingt. Aber wir müssen sie erklären. Bei den Wildnisgebieten waren entsprechende Wege für Besucher beispielsweise immer eingeplant. Auch Chance 7 mit der Komper Heide ist ein Thema, aus dem man einiges rausziehen kann.

Was hat sich gegenüber den letzten Jahren verändert?

Bremm: Früher hat man auf die Fernwanderwege gesetzt. Aber die Leute heute wollen keine Wanderkarte in die Hand nehmen – oder sind gar nicht mehr in der Lage dazu, sie zu lesen –. sie wollen ein Paket angeboten bekommen. Sie rufen an und fragen nach konkreten Planungen für ein Wochenende. Wo frühstücken, was besichtigen, wie lange dauert eine Wanderung, wo einkehren? Gleichzeitig wollen sie Erklärungen von dem, was sie sehen.

Die Bahn fährt weiter Richtung Tal. Trotz des üppigen Bewuchses entlang der Strecke wird der Blick frei auf das Rheintal. Auf der gegenüberliegenden Seite liegt der Rolandsbogen.

Wo also steuert man hin?

Bremm: Der Trend der nächsten Jahre geht dahin, Natur und Landschaft zu erklären. Den Kapellenweg gibt es beispielsweise bereits, wir würden da gerne drei Rundwege anbieten und dabei nicht nur die Gebäude, sondern auch die Landschaft wie Hühnerberg, Auen und Bachläufe erklären. Letztendlich läuft das, auch wenn mich dafür Naturschützer steinigen würden, auf touristische Umweltbildung hinaus.

Und wie soll die vermittelt werden?

Bremm: Wir haben uns einen Stamm von Mitarbeitern erarbeitet, die nicht nur Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet sind, sondern dies auch unterhaltsam vermitteln können. Da liegt die Zukunft.