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Bauwerk auf der B42: Sanierung der Drachenbrücke im Siebengebirge schreitet voran

Bauwerk auf der B42 : Sanierung der Drachenbrücke im Siebengebirge schreitet voran

Oben rollt der Verkehr, unten wird gearbeitet. Seit Mitte Juni läuft die Sanierung der Drachenbrücke auf der B42. Voraussichtlich im Oktober muss zum ersten Mal am Wochenende voll gesperrt werden.

Oben auf der Brücke rollt der Verkehr. Seit mittlerweile zwei Jahren einspurig, sowohl in Fahrtrichtung Bonn als auch nach Bad Honnef. Wohl kaum ein Autofahrer, der diesen Abschnitt der B42 oberhalb der Königswinterer Altstadt passiert, ahnt, dass nur wenige Meter unter ihm die aufwendige Sanierung der Drachenbrücke läuft. Seit dem 15.Juni lässt der Landesbetrieb Straßen NRW das Bauwerk von 1962 so ertüchtigen, dass es auch 60 Jahre später dem zunehmenden Verkehr standhält. Ein Jahr sind für die Arbeiten veranschlagt, die Kosten liegen bei rund 3,8 Millionen Euro.

Wenn sich Klaus Otto und Jörg Kilian zur Lagebesprechung im Baubüro gegenüber der Talstation der Drachenfelsbahn treffen, brauchen Fachfremde schon mal Übersetzungshilfe. Es geht um externe Längsvorspannung, vertikale Stabspannglieder und eingeschlitzte Bewehrungsstäbe. Otto leitet die Bauüberwachung Königswinter des Landesbetriebs, Kilian arbeitet als Polier bei der bauausführenden Firma Leonhard Weiss mit Sitz im hessischen Langen. Beide tragen in den kommenden Monaten die Verantwortung dafür, dass die Arbeiten an der rund 660 Meter langen Drachenbrücke wie geplant ablaufen. „Eine Großbaustelle“, sagt Otto. „Standardgeschäft“, sagt Kilian und grinst.

Otto, der selbst in Königswinter wohnt, kennt die Brücke wie aus dem Effeff. „Ich kann hier quasi jede Taube mit Vornamen anreden“, sagt er. Bereits bei der Brückensanierung 2005 war er dabei. Damals musste an dem Bauwerk unter anderem der Spannbeton instand gesetzt werden. Dass jetzt erneut eine Sanierung erforderlich ist, geht auf die „Nachrechnungsrichtlinie“ aus dem Jahr 2017 zurück. Zwei Jahre zuvor, 2015, war auf der B42 eine durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke von 27.758 Pkw für beide Fahrtrichtungen ermittelt worden, davon entfallen etwa drei Prozent auf Lastwagen. „Der Verkehr hat in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen“, sagt Otto. „Und bei Lkw sind die Achslasten höher geworden.“

Brücke entsprach nicht mehr den modernen Anforderungen

Die Drachenbrücke wies nach den neuen Berechnungen statische Defizite auf. „Es geht jetzt darum, die Drachenbrücke in sämtliche Richtungen zu stabilisieren“, erklärt Otto. Ihr quasi ein sicheres Korsett für die kommenden Jahrzehnte zu verpassen.

An der Südseite der Brücke, nahe Rhöndorf, herrscht Höllenlärm. Auf einer Scherenbühne steht ein Mitarbeiter Kilians „eingehaust“ wie in einem Zelt und schießt mit einem Höchstdruck von 2500 bar Wasser per Lanze in die Brückenhohlkörper an der Unterseite, sodass L-förmige Schlitze entstehen. Techniker haben zuvor die genaue Position mit einem Ultraschallmessgerät festgelegt und gekennzeichnet. 60 Schlitze schafft er an einem Tag, knapp 3300 müssen es am Ende werden. Alle zwei Stunden wird er abgelöst. „Das ist schon ein harter Job“, sagt Kilian. Mit sieben Arbeitern ist der Polier derzeit auf der Baustelle im Einsatz. „Wenn alle Gewerke im Einsatz sind, kommen wir auf 20 Mann.“

Mehrere Maßnahmen müssen durchgeführt werden

Konkret sind drei Maßnahmen erforderlich, erklärt Otto: In die Schlitze werden Stahlbügel eingefügt, die Stelle hinterher wieder mit Spritzbeton aufgefüllt. An insgesamt 85 Stellen wird die Fahrbahnplatte durchbohrt. Zwei je etwa fünf Meter lange Stahlträger an der Unterseite des Hohlkastens werden dann mit einem Querträger verbunden. Schließlich werden rund 320 Meter lange Stahlseile zwischen Ankerblöcke gespannt, die an den Widerlagern betoniert werden. 16 Ankerblöcke sind es auf der gesamten Brückenlänge. „Alle Maßnahmen sind aufeinander abgestimmt“, sagt Kilian. Damit das Korsett am Ende auch hält. Er ist guter Dinge, dass die Arbeiten wie geplant laufen. Ein kniffliger Abschnitt steht voraussichtlich im Winter bevor, wenn die Arbeiten in Höhe der Talstation angekommen sind, die unmittelbar unter der Brücke liegt. „Dann müssen wir das Gerüst, von dem aus gearbeitet wird, besonders verpacken, um Besucher und Fußgänger zu schützen“, sagt Otto.

Kniffelig wird es auch für Autofahrer – und zwar erstmals voraussichtlich im Oktober, wenn die erste von drei Vollsperrungen an einem Wochenende bevorsteht. „Wenn die Ankerblöcke betoniert werden, muss der Beton im Anschluss erschütterungsfrei abbinden“, erklärt Otto. Von Samstagmorgen bis Montagmorgen bleibt die Brücke gesperrt. Die Umleitungen sollen großräumig über Linz beziehungsweise in Königswinter über die L331 und die A3 ausgeschildert werden.