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Prozess wegen Brandstiftung in Oberpleis: Schüler zündelten aus Langeweile am Schulzentrum

Prozess wegen Brandstiftung in Oberpleis : Schüler zündelten aus Langeweile am Schulzentrum

Dass sie das Feuer im Juli 2017 vorsätzlich legten, haben zwei Schülerinnen und zwei Schüler am Mittwoch vor dem Bonner Jugendschöffengericht zugegeben. Um sie zu überführen, hatte eine achtköpfige Ermittlergruppe Monate gebraucht.

Es hätte ein noch größeres Desaster werden können, wenn die Feuerwehr nicht doch noch zeitnah alarmiert worden wäre: Am 2. Juli 2017 brannte es im Schulzentrum Königswinter-Oberpleis, und schnell war klar, dass Feuerteufel am Werk gewesen waren.

Doch erst nach langwierigen Ermittlungen stand fest: Zwei damals 18-jährige Schüler, eine 16-jährige und eine 15-jährige Schülerin waren für das Feuer verantwortlich. Die drei älteren hatten in einem Papiercontainer an der Hauswand Feuer gelegt, während die 15-Jährige Schmiere stand. Am Mittwoch saß das Quartett vor dem Bonner Jugendschöffengericht und gab die Vorwürfe zu.

Vorsätzliche gemeinschaftliche Brandstiftung warf ihnen der Staatsanwalt vor, weil sie billigend in Kauf genommen hätten, dass das ganze Gebäude in Brand geriet. Als sie Wehrleute eintrafen, hatte das Feuer schon auf das Gebäude übergegriffen. Der Schaden, den die Gebäudeversicherung nun geltend macht und von den vier jungen Leuten gesamtschuldnerisch zurückverlangt, beträgt 140.000 Euro.

Lügen und Falschaussagen zur Vertuschung

Doch die Brandstiftung allein ist es nicht, die den Staatsanwalt entsetzt: Die vier jungen Angeklagten haben anschließend mit Lügen, Falschaussagen und Absprachen versucht, ihre Täterschaft zu verschleiern. Es ging kaut Ankläger sogar so weit, dass einer der Väter mit Hilfe eines ihm bekannten Polizisten einen der Ermittlungsbeamten der unrechtmäßigen Vernehmungsmethoden bezichtigte.

Den Ermittlungsaufwand beschrieb der 55-jährige Beamte im Zeugenstand: Ein Dreiviertel Jahr lang hätten acht Ermittler gebraucht, um die Verschleierungsaktionen und Lügengebilde der Jugendlichen, die auch noch Freunde hineinzogen, zu entlarven. Zwei IT-Experten hätten monatelang die Handynachrichten des Quartetts auswerten müssen, um ihnen auf die Schliche zu kommen.

Seit 18 Jahren sei er als Brandermittler tätig, aber so etwas habe er noch nie erlebt: „Ich war im Nachhinein überrascht, wie die alle gelogen haben. Wir sind wie blind vor die Wand gelaufen. Der Zeit- und Personalaufwand war gigantisch und stand in keinem Verhältnis“, sagte der Polizist. Er sei so riesig gewesen wie sonst bei Mordermittlungen. Und: „Durch die Bank hat keiner Einsicht gezeigt.“

Geständnis nach drei Wochen U-Haft

Schließlich war gegen einen der 18-jährigen Schüler sogar Haftbefehl wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr erlassen worden. Drei Wochen saß der Jugendliche in U-Haft, bevor er alles zugab. Auch vor Gericht legte er ein umfassendes Geständnis ab.

Sein Verteidiger Martin Kretschmer erklärte: Die vier hätten an dem Abend Party gemacht, etwas getrunken und seien dann aus Langeweile auf die fatale Idee gekommen, einen Karton anzuzünden. Nachdem der abgebrannt war, hätten sie zu dritt Feuer im Container gemacht und seien dann gegangen.

Sein Mandant sei zwar zurückgegangen, weil er seine Jacke vergessen habe, und habe den Container brennen sehen. Aber er habe nicht gewollt, dass die Schule brennt. Der 18-Jährige gebe auch die Vertuschungsaktionen zu und dass er auf allen Ebenen gelogen habe.

Auch sein Kumpel gibt zu, dabei gewesen zu sein, kann sich aber angeblich an das Zündeln nicht erinnern. Er wird von den anderen als Ideengeber beschuldigt. Die 16-Jährige gibt ebenfalls alles zu. Sie hat sich nicht an den Vertuschungsaktionen beteiligt, das übernahm ihr Bruder für sie. Schließlich war sie die erste, die bei der Polizei auspackte und gestand.

Die Vierte im Bunde tat sich nun vor Gericht schwer zuzugeben, dass auch sie bei den Verschleierungsaktionen mitgemacht hatte, wurde vom Staatsanwalt immer wieder hart angegangen und räumte erst nach und nach ihre Beteiligung ein.

Sie hatte sich bei der Polizei besonders aufsässig aufgeführt, wie der Beamte als Zeuge beschrieb: „Und das, obwohl sie selbst Polizistin hat werden wollen.“