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Schüsse auf Jungen in Königswinter-Bockeroth: Stiefvater festgenommen

Stiefvater unter Tatverdacht : Festnahme nach Schüssen auf Elfjährigen in Königswinter

Nach den Schüssen aus einer Luftdruckwaffe auf einen Elfjährigen in Königswinter-Bockeroth hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Es handelt sich um den Stiefvater des Jungen.

Die Polizei hat am Donnerstagmorgen einen 32-Jährigen in Königswinter-Bockeroth festgenommen. Bei dem Mann handelt es sich um den Stiefvater des elfjährigen Jungen, der Anfang April durch Schüsse aus einer Luftdruckwaffe schwer verletzt wurde. Die Polizei bestätigte am Donnerstagnachmittag entsprechende Informationen des General-Anzeigers. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 32-Jährige die Schüsse auf seinen Stiefsohn abgegeben haben soll.

Das Kind war vor zwei Wochen durch Schüsse aus einer Luftdruckwaffe so schwer verletzt worden, dass es in einer Bonner Klinik notoperiert werden musste. Der Elfjährige war zusammen mit anderen Kindern an diesem Donnerstag zwischen 14 und 17 Uhr im Bereich der Friedrichshöher Straße und der Florianstraße unterwegs. Als er gegen 17 Uhr nach Hause zurückkehrte, entdeckten seine Eltern die Verletzungen an seinem Oberkörper und fuhren mit dem Jungen nach Siegburg ins Krankenhaus. Im Zuge der Ermittlungen war vorübergehend auch ein Spielplatz an der Friedrichshöher Straße abgesperrt worden, da er kurzzeitig für einen möglichen Tatort gehalten wurde.

Das Kind ist auf dem Weg der Besserung

Unklar war lange, ob die Schussverletzungen durch einen Unfall oder ein absichtliches Geschehen verursacht worden sind. Wie es zu den Verletzungen kam, dazu kann das Kind selbst keine Angaben machen. Wie die Polizei am Donnerstag erklärte, ist der Elfjährige derzeit weiterhin auf dem Weg der Besserung.

Intensive Ermittlungen einer Mordkommission führten jetzt zu einem neuen Sachstand, nach dem Staatsanwaltschaft und Mordkommission derzeit davon ausgehen, dass der Stiefvater dem Elfjährigen die festgestellten Verletzungen zugefügt hat. In seiner polizeilichen Vernehmung machte der Beschuldigte keine Angaben zur Sache, so Piontek. Er lasse sich anwaltlich vertreten. Als mögliche Tatwaffe identifiziert werden konnte ein Luftgewehr. Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender, Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft, erklärte, sei das Gewehr nicht während der Festnahme beschlagnahmt, sondern von dem Stiefvater bereits nach einer Zeugenbefragung vor einigen Tagen ausgehändigt worden. „Eine der ersten Fragen an ihn war, ob sich eine solche Waffe, wie sie bei dem Vorfall zum Einsatz gekommen ist, in seinem Haushalt befindet“, so Faßbender. Daraufhin habe der 32-jährige Mann den Ermittlern das Luftgewehr ausgehändigt. „Wir sind der Überzeugung, dass es diese Waffe war“, erklärte der Oberstaatsanwalt.

Staatsanwaltschaft schließt Zufall aus

Ob sich die Schüsse eventuell beim „Spielen“ gelöst haben, oder mit Absicht abgefeuert worden sind, dazu liegen den Ermittlern detaillierte Erkenntnisse vor: „Es handelt sich um ein Knicklaufgewehr. Das muss für jeden einzelnen Schuss neu geladen werden“, so Faßbender. Für diesen Ladevorgang muss jedes Mal der Lauf der Waffe abgeknickt werden. Ein Zufall oder eine falsche Handhabung scheide aus Sicht der Staatsanwaltschaft aus.

Am Freitag wird entschieden, wie die neue Entwicklung in dem Fall „rechtlich zu bewerten ist“, so Faßbender. Erst wenn der konkrete Tatverdacht feststeht, kann der vorläufig Festgenommene noch am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden. Um welchen Vorwurf es sich handelt, dazu wollte Fassbender am Donnerstagnachmittag keine Angaben machen. „Wir spekulieren nicht über Tatvorwürfe“, so der Oberstaatsanwalt. Nach Informationen des General-Anzeigers könnte der Tatvorwurf von gefährlicher Körperverletzung bis zu versuchtem Mord reichen.

Erleichtert und geschockt zugleich hat Holger Willcke, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Bockeroth, am Donnerstag die Entwicklung in diesem Fall und die Festnahme des 32-Jährigen aufgenommen. „Diese Nachricht schockiert mich zutiefst. Diese menschliche Tragödie bedeutet vor allem für die Familie einen schwer aufzuarbeitenden Schicksalsschlag“, erklärte Willcke auf Anfrage des GA. „Mutter und Kindern ist zu wünschen, dass sie jetzt jegliche Hilfestellung durch Jugend- und Sozialberatung erfahren. Da der traurige Vorfall jetzt offensichtlich gelöst ist, wird den Menschen im Dorf die Sorge genommen, dass ein Phantom mit Waffe weiterhin durch die Straßen vagabundiert“, sagte der Vorsitzender der Bürgergemeinschaft.

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