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Schulen in Königswinter: 3,5 Millionen Euro für die Digitalisierung

Tablets für Schüler : Königswinter investiert 3,5 Millionen Euro in Digitalisierung der Schulen

Das Projekt „Digitalisierung der Schulen“ startete die Stadt Königswinter, lange bevor es die Aussicht auf Zuschüsse aus dem Digitalpakt-Topf des Bundes gab. Im Herbst sind die ersten Grundschulen digital fit.

Von außen ist nichts davon sichtbar, für die Schulen ist es aber ein entscheidender Schritt in die Zukunft. 3,5 Millionen Euro investiert die Stadt Königswinter in die Digitalisierung ihrer Schulen.

Zum Start des großen und vernetzten Projekts gab es noch Überlegungen, ob es nicht wichtigere Maßnahmen gebe, die mit diesem Geld finanziert werden könnten. In der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung stockten die Kommunalpolitiker schon bereitwillig die Fördermittel des Landes auf, mit denen Tablets für bedürftige Schüler angeschafft werden sollen. Dazwischen machte das Homeschooling auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie wie ein Brennglas die Bedeutung des Themas sichtbar.

„Jetzt haben wir eine Server-Landschaft für alle Endgeräte und Ansprüche“, fasste Schulamtsleiter Hans-Peter Giesen das Ergebnis zusammen. Gestartet hatte die Stadt das Projekt „Digitalisierung der Schulen“, lange bevor es die Aussicht auf Zuschüsse aus dem Digitalpakt-Topf des Bundes gab. 2017 beschloss der Königswinterer Rat, die Schulen so auszustatten, dass digitaler Unterricht möglich ist.

2019 beschlossen Bundestag und Bundesrat, die Schulen bei genau solchen Vorhaben finanziell zu unterstützen. Und noch bevor das Land Nordrhein-Westfalen entschieden hatte, wie die Anträge aussehen sollten, mit denen Kommunen und andere Schulträger Mittel aus dem Digitalpakt beantragen können, feierte Königswinter den Abschluss der ersten Projektphase: Im vergangenen Sommer war das Schulzentrum in Oberpleis nicht nur an ein schnelles Breitbandnetz angeschlossen, sondern beherbergte auch einen gut ausgestatteten Serverraum mit unterschiedlichen Netzwerken für Verwaltung, Unterricht und Schüler sowie der Möglichkeit, eigene Endgeräte wie Laptops und Tablets einzubinden.

An diesen Serverraum wurden und werden nun nach und nach auch die Grundschulen angeschlossen. Zu den Herbstferien wird es für die Grundschulen in Königswinter, Eudenbach und Oberdollendorf soweit sein. Wichtige Voraussetzung für die digitale Infrastruktur: die Anbindung an schnelles Internet. „Das war vor allem in Eudenbach eine echte Herausforderung“, sagt Giesen. Eine Absprache mit der Telekom soll dafür sorgen, dass alle Schulen rechtzeitig vor Beginn des Aus- und Umbaus an schnelles Internet angeschlossen sind.

„Wir standen vor einer Riesenherausforderung“, beschrieb die zuständige Dezernentin Heike Jüngling den Beginn des Projekts. In den Schulen mussten Löcher in Wände gebohrt und Leitungen verlegt sowie der rechtzeitige Anschluss ans Breitbandnetz sichergestellt werden. „Wir mussten die Baumaßnahmen, die physische Vernetzung und die Entwicklung der IT koordinieren und natürlich auch mit den Schulen abstimmen“, so Jüngling. „Rückblickend denke ich, wir haben alles richtig gemacht.“ So machte sich beispielsweise der Einsatz eines Fachplaners bezahlt. „Und wir sind mit dem veranschlagten Geld ausgekommen.“

Zur Planung gehörte eine Prioritätenliste für die Anbindung der Grundschulen. „Die Schulen, die am schlechtesten ausgestattet waren, waren zuerst dran“, erklärte Giesen. Danach sollen bis zum nächsten März die Drachenfelsschule und die Grundschulen in Niederdollendorf und Oberpleis angebunden sein, bis zum Herbst 2021 die Grundschulen in Stieldorf, Ittenbach und Heisterbacherrott. „Königswinter ist eine der wenigen Städte, die das richtig angepackt haben“, hob der beauftragte Fachplaner, Georg-Hilary Zander, bei der Vorstellung des Projekts im vergangenen Sommer hervor.

Geld aus dem Digitalpakt des Bundes wird die Stadt dennoch beantragen. Rund eine Million Euro stehen Königswinter zu. Die sollen in die letzten beiden Projektphasen fließen – die Anbindung der sechs Grundschulen im nächsten Jahr – und für interaktive Whiteboards ausgegeben werden, das sind digitale Schultafeln, die von Computern aus gesteuert werden.

In der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses stand nun die Ausstattung von Lehrern und Schülern mit den nötigen Endgeräten auf der Agenda. Mit 167.000 Euro fördert das Land die Anschaffung von Tablets für bedürftige Schüler. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Jüngling. Auf Vorschlag der Verwaltung stockte der Ausschuss diese Fördermittel um 64.000 Euro auf. Davon sollen für jede Königswinterer Schule zwei Transportkoffer mit je 16 Tablets angeschafft werden und zusätzlich zwei weitere für das Gymnasium am Oelberg sowie sechs weitere für die Gesamtschule.

Auch für die Lehrer-Tablets stellt das Land Geld bereit – insgesamt 143.000 Euro. „Das wird nicht reichen“, stellte Jüngling fest. Allerdings verstehe sie auch nicht, warum die Kommune verpflichtet werde, Landesbedienstete mit den nötigen Arbeitsgeräten auszustatten, so die Dezernentin.

Giesen und Jüngling sahen mit dem plötzlichen, zweck- und fristgebundenen Geldsegen des Landes ein weiteres Problem auf alle Kommunen zukommen. Es werde dauern, bis die Tablets überall ankommen, vermuteten sie. „Die Hersteller werden mit den Großbestellungen Lieferschwierigkeiten bekommen.“

Und die Tablets allein machen längst nicht alle Schüler fit für die nächste Homeschooling-Phase: Einer Reihe von ihnen fehlt schlicht der Anschluss ans Internet zu Hause.