Solidaritätsaktion und Schweigeminute Bonner Polizei gedenkt getöteter Einsatzkräfte von Kusel

Königswinter · Bundesweit haben Polizisten, Politiker und Bürger am Freitagmorgen der beiden erschossen Polizisten von Kusel gedacht. Auch die Bonner Polizei gedachte der Verstorbenen - erst auf dem Drachenfels, dann vor dem Präsidium.

 Insgesamt acht Einsatzkräfte und Polizeipräsident Frank Hoever gedachten ihrer jungen Kollegen.

Insgesamt acht Einsatzkräfte und Polizeipräsident Frank Hoever gedachten ihrer jungen Kollegen.

Foto: Axel Vogel

Mit zwei symbolträchtigen Solidaritätsbekundungen hat die Bonner Polizei am Freitagmorgen der beiden getöteten Kollegen in Kusel gedacht. Bereits um 8 Uhr hatte sich Polizeipräsident Frank Hoever mit acht Kollegen auf dem Drachenfels-Plateau eingefunden, um von dort aus ein „starkes Signal“ der Anteilnahme ins unmittelbar angrenzende Rheinland-Pfalz zu senden. Die zwei Beamten waren bei einer Wagenkontrolle erschossen worden. Unter den Beamten auf dem Drachenfels war eine Streifenwagenbesatzung, die just in der Tatnacht im Beritt der Bonner Polizei im Einsatz war.

Zwei Stunden später das nächste beeindruckende Bild: Rund 350 Polizeibeamte um Präsident Hoever versammelten sich vor dem Polizeipräsidium in Ramersdorf zu einer Schweigeminute, die bundesweit viele Polizeibehörden durchführten. Kurzzeitig musste die Königswinterer Straße gesperrt werden.

 Vor dem Polizeipräsidium in Ramersdorf kamen Polizisten und Polizistinnen und weitere Menschen zusammen.

Vor dem Polizeipräsidium in Ramersdorf kamen Polizisten und Polizistinnen und weitere Menschen zusammen.

Foto: Axel Vogel

„Das macht einen sprachlos“

Auch für die Beamten der Bonner Polizei ist die brutale Tat in Kusel, die Hoever in einer kurzen Ansprache als „heimtückischen Mord“ bezeichnete, ein regelrechter Schock gewesen. Hoever, selbst ein erfahrener Polizist, beschrieb die Gefühlslage seiner Leute auf GA-Nachfrage mit „Sprachlosigkeit und Wut“. Denn die Beamten aus dem benachbarten Bundesland seien aus „einem ganz normalen Einsatz nicht mehr zurückgekehrt“. Letztendlich seien sie wegen eines nichtigen Anlasses, wegen Wilderei, getötet worden, so Hoever weiter: „Wie kommt ein Mensch dazu, in einer solchen Situation eine Schusswaffe einzusetzen? Das macht einen sprachlos.“

Wie bereits mehrfach berichtet, waren die beiden Beamten, ein 29-jähriger Mann und eine 24-jährige Frau, bei einer nächtlichen Fahrzeugkontrolle vermutlich von zwei Wilderern erschossen worden. Verstörend ist zudem aus Sicht der Polizei: Fahrzeugkontrollen wie die in Kusel gehören ebenso für Bonner Streifenbeamte zum normalen Geschäft. „Das sind alltägliche Situationen und daher wird es natürlich jetzt auch für viele Kollegen und Kolleginnen schwierig, mit der Situation umzugehen“, betonte Hoever. „Wir haben einen tollen, aber leider auch gefährlichen Beruf.“ Für seine Beamten gehe es zukünftig weiterhin darum, den goldenen Mittelweg zwischen Bürgernähe und Selbstschutz zu finden. „So schlimm wie es ist: Wir werden solche Situationen in Zukunft nicht vermeiden können.“ Der Bonner Polizeipräsident nahm deshalb diejenigen Bürger in die Pflicht, die der Polizei längst nicht mehr den nötigen Respekt und Anerkennung zukommen lassen: „Die sollten die Ereignisse jetzt zum Anlass nehmen, sich selbst einmal zu reflektieren.“

Ereignisse wirkten belastend

„Die Nachricht hat uns alle getroffen, und zwar bis in Mark“, fasste Dirk Lennertz, Vorsitzender der Kreisgruppe Bonn der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die Stimmungslage zusammen. „Gerade die Bonner Polizei kann den Schmerz der Kollegen in Rheinland-Pfalz nachvollziehen, denn in diesem Jahr jährt sich der 20. Todestag des Polizisten Gerd Höllige“, so Lennertz. Am 28. Juli 2002 war der 40 Jahre alte Polizeikommissar bei einem scheinbaren Routineeinsatz in Bad Godesberg erschossen worden; ein Gedenkstein am Kurpark erinnert an ihn. Was die Todesschüsse von Kusel mit den Bonner Kollegen gemacht haben, erklärt er so: „Die Beamten sind geschockt. Das sind natürlich immer wieder Ereignisse, die sehr belastend wirken. Vor allem auf Kollegen im Streifendienst, die solchen Situationen tagtäglich ausgesetzt sind.“ Die Polizisten selbst wollten sich nicht äußern.

Gott sei Dank seien solche Polizistenmorde sehr selten, dennoch müsse man einfach zur Kenntnis nehmen, dass ein gesellschaftlicher Trend zur Verrohung unverkennbar sei. „Uns schockieren vor allem die Hasskommentare in den Medien“, führte Lennertz beispielhaft an. Wenn man anlässlich der Kusel-Ereignisse Querdenker-Beiträge wie den lesen müssen, dass man es nun „mit 2 weniger bei Spaziergängen“ zu tun habe, dann mache ihn das einfach sprachlos.

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