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Klöster und Kirchen im Siebengebirgsmuseum : Sehnsuchtsorte und Inspiration zwischen Himmel und Erde in Königswinter

Klöster und Kirchen im Siebengebirgsmuseum : Sehnsuchtsorte und Inspiration zwischen Himmel und Erde in Königswinter

Die Sonderausstellung im Siebengebirgsmuseum „Von Kirchen und Klöstern im Rheinland“ widmet sich der landschafts- und geschichtsprägenden Bedeutung dieser Bauwerke für das Siebengebirge und die Region.

Kirchen sind in unserem Landschaftsbild fest verankert. In nahezu jedem größeren Dorf, in jeder Stadt sind es die Kirchen, die weithin sichtbar gen Himmel aufstreben, oft mit markanten Türmen und Turmspitzen. Kleine Kapellen am Wegesrand laden zur Andacht und zum Innehalten ein, sind Ruhepole in einer bewegten Welt und treten gerade deshalb hervor. Auch Klostergebäude fallen dort auf, wo sie stehen. Sie verbinden in einzigartiger Weise die Landschaft mit der Kultur, dem tiefen Glauben ihrer Ordensschwestern und -brüder und der Gestaltungskraft des Menschen. Die neue Sonderausstellung „Zwischen Himmel und Erde... Von Kirchen und Klöstern im Rheinland“ widmet sich mit zahlreichen Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen weitgehend aus dem 19. Jahrhundert eben jener beeindruckenden Baukunst und Geschichte von geistlich verankerten Gebäuden, die Landstriche vielerorts formen und gestalten. Und das oft über viele Jahrhunderte hinweg.

Kirchen und Klöster bilden Brücken in die Vergangenheit und geben Zeugnis davon, wie tief Menschen durch die Jahrhunderte den Halt im Glauben gelebt haben. So auch im Rheinland. „Der Titel der Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde“ soll das hohe Aufstreben himmelwärts wiedergeben“, erklärte Irene Haberland, Kuratorin der Ausstellung. „Und gleichermaßen auch die Verbindung zur Erde, zum Menschen und dem kirchlichen Leben herstellen“, so Haberland weiter.

Werke erzählen Geschichten des Wandels

Kirchen und Klostergebäude wurden von romantischen Künstlern gerne als Motive aufgegriffen. Aber auch einsam gelegene Waldkapellen oder Wegekreuze, die als Blickpunkte die Landschaft kleinteiliger strukturierten, wurden gemalt. „heute vermitteln die Bilder wichtige Erkenntnisse zum historischen Erscheinungsbild der Bauten und zu den Veränderungen der Landschaft“, hob Haberland die Bedeutung der Kunstwerke hervor.

Rein städtebaulich gesehen waren die Kirchen oft als Zentrum im Stadtbild mittig angelegt. Im Mittelalter war der Marktplatz als Mittelpunkt des städtischen Organismus in der Nähe der Kirche zu finden. Die Klöster wiederum waren in der Region wichtige wirtschaftliche Unternehmen.

So ist in der Ausstellung als Bezug zum Klosterleben der Zisterziensermönche im Siebengebirge etwa ein Gemälde der Chorruine Heisterbach im Schnee aus dem Jahre 1863 von Wilhelm Steuerwald (1815-1871) zu sehen. Der aus Quedlingburg stammende Maler setzte die Klosterruine als fantastisch anmutenden Blickpunkt in den Hintergrund des Bildes und wählte als Vorder- und Mittelgrund eine romanische Torhalle, die nicht nur von ungefähr an die Quedlingburger Stiftskirche in Architektur und Bauform erinnert. Das Bild gehört in die Sammlung Rheinromantik des Siebengebirgsmuseums.

Von Johannes Jakob Diezler (1789-1855) ist das alte Kloster St. Apollinaire bei Remagen dargestellt. Das Bild ist eine Leihgabe der Bonner Sammlung Rheinromantik. „Ich bin glücklich, dass wir so viele Leihgaben zusammentragen konnten. Auch Privatsammler kamen auf uns zu und stellten ihre Schätze zur Verfügung“, freute sich Haberland.

Auch klösterliches Leben ist auf den Gemälden für die Betrachter gut nachvollziehbar. Ausgestellt sind etwa von Vincent Stoltenberg-Lerche (1837-1892) Klosterbrüder beim Betrachten von Kunstschätzen. Beeindruckend ist auch das Bild „Mönch vor einer geöffneten Tür“, um 1820 von einem unbekannten Maler gemalt. „Die Nonne im Klostergarten“ von Adolf Seel (1829-1907) zeigt eine junge Nonne mit Gebetbuch in der Hand, ihre Haltung in Andacht und Konzentration spiegelt das bürgerliche Verständnis von klösterlicher Entsagung aller weltlichen Dinge.

„Besonders stolz sind wir auf die Leihgabe aus Privatbesitz des Aquarells von John Louis Petit (1801-1868), gemalt 1854“, so Haberland. Das Bild zeigt die alte Pfarrkirche St. Andreas in Bonn Rüngsdorf und ist damit einzigartiges Zeugnis der damals noch vollständig erhaltenen Kirche. „Heute steht in Rüngsdorf nur noch der Turm“.

Das Thema Säkularisation – Enteignung kirchlichen Eigentums durch den Staat – ist ebenfalls ein bedeutender Aspekt der Ausstellung, veränderte sich durch die Zerstörung zahlreicher Kirchen das Landschaftsbild zum Teil enorm. Klosterruinen wurden hernach romantisch interpretiert und oftmals in Zentren von Landschaftsparks gerückt. Im Rheinland wurden Klosterruinen von Heisterbach und Altenberg zu wichtigen Zielen der Düsseldorfer Künstler, in deren Gefolge Kunstschaffende oft von weither anreisten. Zu sehen ist in der Ausstellung „Der Altenberger Dom“ von Caspar Scheuren (1810-1887) aus dem Düsseldorfer Künstler-Album). Das 1133 gegründete Kloster wurde 1803 säkularisiert. „Die Ruine wurde 1847 durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV wieder aufgebaut und hat eine Besonderheit: Sie ist als Simultankirche als evangelische und katholische Pfarrkirche nutzbar“, so Haberland. Ein Lieblingsbild habe sie, offenbarte Haberland noch: „Von Carl Nonn die St. Brigida-Kapelle in Kronenburg an einem sonnigen Wintertag im Schnee“.