Höhere Gebühren selbst bei weniger Verbrauch Schreck beim Blick auf die Wasserrechnung im Siebengebirge

Siebengebirge · Höhere Gebühren selbst bei weniger Verbrauch: Der Wasserbeschaffungsverband Thomasberg hat die Gebührenbescheide für das Jahr 2023 verschickt. In diesem Jahr soll der Preis unverändert bleiben.

Mehr für ihr Wasser bezahlen müssen die Kunden des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg. Sie haben jetzt die Gebührenbescheide für 2023 erhalten.

Mehr für ihr Wasser bezahlen müssen die Kunden des Wasserbeschaffungsverbandes Thomasberg. Sie haben jetzt die Gebührenbescheide für 2023 erhalten.

Foto: Frank Homann

Wie dem Thomasberger, der dieser Tage seinen Gebührenbescheid vom Wasserbeschaffungsverband (WBV) bekam, wird es vielen Kunden beim Blick auf ihre aktuelle Wasserrechnung gegangen sein. Obwohl er im vergangenen Jahr 30 Prozent weniger Wasser verbraucht hatte, muss er knapp zehn Prozent mehr bezahlen.

Damit setzt der WBV, der 33.000 Menschen im Bergbereich von Königswinter und angrenzenden Kommunen versorgt, jetzt allerdings nur um, worüber er seine Kunden bereits vor einem Jahr informiert hatte. Da das Wasser jedoch immer erst im Nachhinein abgerechnet wird, nachdem der tatsächliche Verbrauch für das abgelaufene Jahr gemeldet wurde, kam der Schreckmoment erst jetzt. Immerhin: Im Jahr 2024 bleiben die Preise für den Bezug von Wasser sowie die Grundgebühren unverändert, kündigte der WBV auf GA-Anfrage an.

Vor einem Jahr hatte der Verband mitgeteilt, dass der Wasserverbrauchspreis pro Kubikmeter mit Umsatzsteuer ab dem 1. Januar 2023 von 1,55 Euro auf 2,09 Euro brutto ansteigt, was einer Steigerung um 35 Prozent entspricht. Der Investitionsbeitrag blieb unverändert bei 25 Cent pro Kubikmeter. Die Grundgebühr mit Umsatzsteuer wurde von 10,70 Euro auf 14,98 Euro pro Monat angehoben. Die Steigerung beträgt hier 40 Prozent.

Nach Angaben des WBV bedeutete die Preiserhöhung für einen Zwei-Personen-Haushalt Mehrkosten von 100,18 Euro im Jahr, das heißt 50,09 Euro pro Person. Ein Vier-Personen-Haushalt muss 149 Euro im Jahr, das heißt 37,25 Euro pro Person, mehr bezahlen. Die Angaben beziehen sich dabei auf ein Einfamilienhaus mit Direktanschluss bei einem täglichen durchschnittlichen Wasserverbrauch von 125 Litern pro Einwohner oder 45,6 Kubikmetern pro Einwohner pro Jahr.

Der WBV hatte die Preiserhöhung damit begründet, dass allein die Verteuerung des Strompreises Mehrkosten von rund 600.000 Euro pro Jahr ohne Mehrwertsteuer verursachen würde. Die Preiserhöhung des zugemischten Wassers des Wahnbachtalsperrenverbandes (WTV) schlage ebenfalls mit 93.000 Euro zu Buche. Dazu komme die Steigerung der Tiefbaupreise um rund 150 Prozent.

Allerdings hatte der WBV damals seinen Kunden auch in Aussicht gestellt, die Preise wieder zu senken, wenn seine eigenen Kosten zurückgehen würden. Das ist jedoch nicht der Fall. „Für 2024 hatten wir gehofft, den Preis für das bezogene Wasser wieder senken zu können und damit dem fallenden Strompreis folgen zu können. Wir haben auch tatsächlich einen niedrigeren Preis für den in 2024 zu beziehenden Strom erzielt. Er ist aber immer noch dreieinhalbmal so hoch wie 2022“, teilte jetzt WBV-Geschäftsführer Gerrit Schnitzer auf GA-Nachfrage mit.

Weiterhin seien im Laufe des Jahres 2023 von nahezu allen Geschäftspartnern Preiserhöhungen in vorher nie dagewesener Höhe vorgenommen worden, die den WBV gezwungen hätten, den Wasserpreis schließlich doch unverändert zu belassen. Die Einsparungen beim Strombezug seien damit „aufgezehrt“ worden.

Neutrales Betriebsergebnis als Unternehmensziel

Schnitzer weist in diesem Zusammenhang auch auf die Rechtsform des Wasserbeschaffungsverbandes hin, der als Körperschaft öffentlichen Rechts keinen Gewinn machen darf. Mitglieder sind die jeweiligen Eigentümer der an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossenen Grundstücke. „Sollte der WBV Thomasberg im Verlauf eines Geschäftsjahres einen Überschuss erwirtschaften, wird dieser im Folgejahr bei der Bildung des Wasserpreises berücksichtigt“, erklärt er.

Von einem möglichen Überschuss profitierten nur die Mitglieder selbst und kein Unternehmenseigentümer, Gesellschafter, die Stadt oder das Management. Allerdings müssten auch eventuelle Verluste an die Mitglieder weitergereicht werden. Ziel der Betriebsführung sei deshalb ein neutrales Betriebsergebnis.

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