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Siebengebirge: Werkstätten öffnen zum Tag der offenen Töpferei

Ein uraltes Handwerk : Werkstätten im Siebengebirge öffnen zum Tag der offenen Töpferei

Beim bundesweiten Tag der offenen Töpferei öffnen auch Werkstätten in Königswinter und Linz ihre Türen. Töpferei ist ein uraltes Handwerk.

Töpferei ist ein uraltes Handwerk und ein Zeichen für Beständigkeit. Und die Keramik-Betriebe führten auch ihren bundesweiten 15. Tag der offenen Töpferei am Wochenende durch – trotz Corona.

Veronika Dietz, die Obermeisterin der Innung in Nordrhein-Westfalen, saß an ihrem Platz in der Töpferei Dietz, die 2019 ihr 50-jähriges Ortsjubiläum in Königswinter feierte und arbeitete an einer Stempelform für einen Drachen. „Wir haben noch innerhalb der Innung telefoniert und über Absagen oder Festhalten an dem Termin gesprochen“, sagte sie. „Da aber bei solch einer Veranstaltung die Menschen nicht massenhaft kommen, sondern es sich verteilt, haben wir dann doch am Tag der offenen Tür festgehalten.“

Und so konnte zum Beispiel ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter auch das eigene Werk schaffen: ein Becher mit Herzchen, den sie nach dem Brennen mit nach Hause nehmen durfte. Einen kleinen Jungen hatte zudem der acht Meter lange Drache, mit dem die Ladenwand geschmückt ist, angelockt.

Die Besucher schauten der Chefin und ihren Mitarbeitern über die Schulter, stellten Fragen und konnten sich dann an einem eigenen Arbeitsplatz niederlassen, um einen Becher zu bemalen, der bereits bei mäßigen 900 Grad gebrannt worden war. „Das ist der Schrühbrand, in dem Zustand kann das Material gut bemalt werden“, erklärte Azubi Joshua, „Nach dem Glattbrand bei 1260 Grad ist der Becher dann fertig.“ Im nächsten Jahr hat Joshua seine Lehre beendet, aktuell war er dabei, Gefäße zu henkeln.

Azubi Alisha, die gerade im ersten Lehrjahr ist, formte unterdessen eine Lasagne-Pfanne, die ebenso wie Backformen durch ihren Brand bei 1260 Grad im Haushalt bedenkenlos in den Backofen geschoben werden können: Sie sind absolut dicht. Sogar als Drachen gibt es die Backformen – ein hübscher Hingucker für jede Kaffeetafel. Die Gäste erfuhren so eine Menge über dieses alte Handwerk.

Becher als Rohformen

Veronika Dietz dekorierte einen Brottopf. Und sie arbeitete mit viel Fingerfertigkeit an einem Stempel für Becher, die Pfadfinder aus Köln bestellt haben. An der Drehscheibe saß Josef Olé, der bereits seit 30 Jahren bei Familie Dietz tätig ist und aus Barcelona stammt.

Während er die Pfadfinderbecher als Rohformen herstellte, formte Dietz geschickt das reliefartige Emblem der Pfadfinder, das einen Drachen beinhaltet, als Mutterform aus Ton nach, das dann niedrig gebrannt wurde. Obwohl der Drache für Veronika Dietz das große Thema ist, saß sie doch geraume Zeit und sehr konzentriert an dieser Arbeit. Eine Vorstellung, wie diese Pfadfinderbecher einmal aussehen werden, konnten jedenfalls auch Laien gewinnen.

Auch Dietz-Tochter Li Mascha, die im vergangenen Jahr ihre Ausbildung beendete, war beim Arbeiten zu beobachten. „Wir möchten das alte Handwerk unseren Besuchern näherbringen“, sagte sie. „Es ist ein Beruf, der heute kaum noch existiert.“ Die Töpferei Dietz ist die einzige Werkstatt innerhalb der Keramiker-Innung, die noch ausbildet, erläuterte sie. Dabei fehlt es nicht an Interessenten und auch nicht an der Leidenschaft, Kreativität sowie der erforderlichen handwerklichen Geschicklichkeit, um für diesen Beruf zu brennen. Aber es sei für Betriebe aus finanziellen und organisatorischen Gründen schwer, Auszubildende zu haben.

Jedenfalls erhielten die Besucher, die sich den Tag der offenen Töpferei nicht entgehen ließen, einen interessanten Eindruck. Und auch bei Sabine Moshammer von „SteinZeugKeramik“ am Sändchen in Linz waren die Türen am Wochenende weit geöffnet für Führungen und Vordrehen.