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Nach Felssturz in Königswinter: So gehen die Bauarbeiten an der L331 voran

Nach Felssturz in Königswinter : So gehen die Bauarbeiten an der L331 voran

Die Bauarbeiten an der L331 dauern voraussichtlich vier bis fünf Wochen. Der poröse Fels, aus dem sich Ende Mai zwei Brocken gelöst hatten, wird mit einem Netz gesichert.

Vier bis fünf Wochen müssen sich die Autofahrer auf der L 331 noch gedulden. Dort haben am Montag die Arbeiten zur Felssicherung begonnen. Die Fahrbahn ist knapp unter der Margarethenhöhe halbseitig gesperrt. Den Verkehr regelt eine Ampel. Wie berichtet, hatten sich Ende Mai nach intensiven Regenfällen zwei Felsbrocken aus dem Hang gelöst. Das Technische Hilfswerk aus Siegburg und Bad Honnef hatte danach einen provisorischen Steinfangzaun aus Holz gebaut.

Beim Blick hinter die massive Schutzwand aus Holzdielen und Holzbalken wird deutlich, wie notwendig die Felssicherung ist. Aus dem rund 40 Meter breiten und bis zu 14 Meter hohen Felshang haben sich beim bisherigen Grünschnitt und der Räumung von lockerem Steinmaterial rund 20 kleinere und größere Brocken gelöst, die jetzt an der Schutzwand liegen. „Diese Steine wären früher oder später von selber heruntergekommen“, sagt Martin Hofmann von der Würzburger Baufirma Königl. Seine Firma war vom zuständigen Landesbetrieb Straßen kurzfristig beauftragt worden. Sie hat auch bereits im Bereich Eitorf gearbeitet.

Stabile Schutzwand: "Da ist ein Auto gegen gekracht"

Die Schutzwand des THW hat sich auch in anderer Hinsicht schon als ziemlich stabil erwiesen. „Da ist ein Auto gegen gekracht. Das hat sie ausgehalten“, sagt Bauleiter Bodo Westphal von Straßen NRW. Nach dem Abschluss des Grünschnitts und der Entfernung der lockeren Steine in dieser Woche soll in der kommenden Woche dann mit den Bohrungen begonnen werden. Zwischen 80 und 100 Felsenanker mit einer Länge von drei bis vier Metern sollen dem Fels ein stabiles Gerüst geben.

In einem 3-D-Modell, das das vom Landesbetrieb beauftragte geotechnische Büro Düllmann (Aachen) entworfen hat, sind 86 Anker vorgesehen, aber erst im Zuge der Arbeiten wird man genau sehen, wie viele tatsächlich gesetzt werden müssen. Wenn die Anker an Ort und Stelle sind, wird ein hochfestes Stahldrahtgeflecht der Schweizer Spezialfirma Geobrugg mit Krallplatten auf die Anker und über den Fels gespannt. Das Netz, das aus 3,90 Meter breiten Bahnen besteht, wird dann eine Fläche von rund 400 Quadratmetern überspannen und verhindern, dass wieder ein Stein auf die L 331 rollt. Sein Stahl ist drei Millimeter dick, die Löcher im Netz 6,5 Zentimeter groß.

Bohrlöcher werden mit Beton ausgefüllt

Die Bohrlöcher zwischen den Ankern und dem Fels werden zusätzlich mit Beton ausgefüllt. Die Kosten beziffert Westphal auf rund 100.000 Euro. „Das Ergebnis unserer Arbeiten sieht man erst, wenn die Anker gesetzt sind und das Netz gespannt ist“, sagt Martin Hofmann. Vorher würden sich viele Autofahrer noch darüber ärgern, dass sich am Felshang angeblich wenig tue.

Der Geologe Rudolf Hagen vom Büro Düllmann sieht in der Häufung von Felssicherungsmaßnahmen im Bereich Siebengebirge im Übrigen keine Tendenz, die sich so fortsetzen dürfte. Die Arbeiten am oberen Eselsweg unterhalb des Drachenfels, an denen sein Unternehmen ebenfalls beteiligt ist, sei der Tatsache geschuldet, dass die Felssicherung dort aus den 1970er Jahren stammt und reif für eine Erneuerung war. Fachfirmen haben den Fels mit meterlangen Nägeln, Ankern, Netzen und Beton stabilisiert. Die Sanierungsarbeiten dort haben bereits im Juni 2017 begonnen. Auch hier war vor Jahren ein Felsbrocken auf den Weg gerollt.

Auch an der B 42 musste im Herbst 2017 eine Fahrspur zwischen den Anschlussstellen Rhöndorf und Königswinter in Fahrtrichtung Köln gesperrt werden. Dort war ebenfalls eine Hangsicherung erforderlich, nachdem eine hundert Jahre alte Natursteinmauer unterhalb der Straße Am Domstein gebröckelt und sich ein Fels gelöst hatte. Auch hier war der Landesbetrieb im Einsatz.

An der L 331 erwarten die Experten nach Abschluss der Arbeiten und Anbringung des Sicherheitsnetzes keine bösen Überraschungen mehr. „Wir werden dann lediglich alle fünf Jahre einen Pflegeschnitt machen“, sagt Westphal. Trotz des Netzes werde der Felshang schließlich nach und nach wieder zuwachsen.