Altes Stadttheater in Königswinter Stadt sucht Käufer für den Königswinterer Hof

KÖNIGSWINTER · Es ist kein schöner Anblick: Abgewetzte grün-braune Teppiche, großflächige Uralt-Tapeten und eine schimmelige, abgehangene Decke. Dazu der modrige Geruch von jahrzehntelangem Feuchtigkeits-Muff in Boden, Wänden und Decken. Kaum vorstellbar, dass der große Saal in dem seit langem leerstehenden Gebäude einmal 500 Leute zu rauschenden Theaterfesten versammelt hat.

 Vom Theatersaal ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die Stadt vermarktet das Gebäude ergebnisoffen.

Vom Theatersaal ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die Stadt vermarktet das Gebäude ergebnisoffen.

Foto: Frank Homann

Doch der alte Glanz ist längst verblasst. Des aktuellen Verfalls hatte sich kürzlich die Stadt Königswinter angenommen, indem sie das Gebäude dank Vorkaufsrecht für 350.000 Euro aus einem geschlossenen Immobilienfonds kaufte. Die Zukunft: offen.

Doch der Reihe nach: Das Gebäude, auch bekannt unter dem Namen "Königswinterer Hof", hatte sich Ende der 20er Jahre zu dem gesellschaftlichen Zentrum der Stadt entwickelt. Grund war ein Umbau, bei dem auch der große Saal entstanden ist. "Dieser war sofort der bedeutendste der ganzen Stadt", sagt Elmar Scheuren, der sich als Leiter des Siebengebirgsmuseums mit der Historie des Gebäudes beschäftigt hat. Gleich nach dem Krieg wurde der Saal dann zum Theater umfunktioniert und entwickelte große Strahlkraft über Königswinter hinaus.

Schon 1945 taucht das Theater im Bühnen-Jahrbuch für Deutschland auf, in dem ein großes Ensemble aufgeführt wird - darunter ein eigenes Orchester und Ballett. "Einige bekannte Akteure aus dem Kulturleben des Rheinlands kamen nach Königswinter", sagt Scheuren. Das lag vor allem daran, dass viele große Säle im Krieg zerstört worden waren - nicht aber in Königswinter.

Das Repertoire von damals zeigt die große Bandbreite der Aufführungen: Zur offiziellen Eröffnung am 1. Januar 1946 wurde unter anderem das Klavierkonzert Nr. 1 von Beethoven gespielt, Publikumsmagneten waren vor allem Operetten wie "Die Fledermaus" oder "Das Schwarzwaldmädel". Aber auch Volksnahes wurde geboten: Jeden zweiten Mittwoch im Monat wurde zum Hausfrauen-Nachmittag mit leichtem Unterhaltungsprogramm geladen. Eintritt: 2,50 Reichsmark ohne Kaffeegedeck - so stand es im Programmheft.

Bezahlt wurde in der Nachkriegszeit mit Naturalien. Mit der Währungsreform im Juni 1948 war es dann schnell vorbei mit dem florierenden Theaterbetrieb in Königswinter. Wo zuvor noch Stars wie Grete Weiser für 500 Zuschauer gesorgt hatten, verirrten sich nun bestenfalls noch 30 Kulturfreunde in den Saal. Weder Theater noch Menschen hatten genug Geld. Und so ging das Königswinterer Theater sang- und klanglos unter.

Über Jahrzehnte zog dann eine Stoffhandlung in den ehemaligen Saal. Eine große Treppe wurde an die Empore gebaut, die Decke abgehangen, die Bühne durch eine Wand verdeckt. Aus dem florierenden Theater waren nüchterne Geschäftsräume geworden. Als um die Jahrtausendwende ein Investor das Gebäude erwarb, war es dem Verfall geweiht. Bis es die Stadt nun zurückkaufte. Was genau jetzt mit dem Gebäude passiert, das neben Geschäftsräumen unter anderem noch über eine Penthouse-Wohnung verfügt, ist offen. Fest steht aber: "Der Königswinterer Hof soll vermarktet werden", sagt Baudezernent Theo Krämer. Sprich: Die Stadt sucht einen Käufer und ist offen für Ideen, was die künftige Nutzung angeht.

Elmar Scheuren muss nicht lange überlegen, wenn er an die Zukunft denkt: "Es wäre toll, wenn der Saal wieder genutzt werden könnte. Genial wäre, einen solchen Ort für Veranstaltungen zu haben. Aber das muss sich ja erst einmal rechnen."

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