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Literatur im Siebengebirge: Streifzug durch vier Jahrhunderte

Literatur im Siebengebirge : Streifzug durch vier Jahrhunderte

Sechs Autoren präsentieren beim Lesefest des Vereins Literatur im Siebengebirge ihre Werke. Der Streifzug reicht von Beethoven bis zur Kinderlandverschickung.

Durch vier Jahrhunderte führte das Lesefest des Vereins Literatur im Siebengebirge in diesem Jahr. Sechs Autoren aus der Region präsentierten im Arbeitnehmer-Zentrum Königswinter ihre Werke.

LiS-Vorsitzende Silke Kornstädt konnte zusammen mit Moderatorin Gabriele Hamburger, die selbst ihr neues Buch vorstellte, Christel Baumgart, Stephan Eisel, Michaela Küpper, Catrin Möderler und Jörg Rieche als Vertreter einer Autorengemeinschaft begrüßen. Ein abwechslungsreiches Programm ermunterte die Lesefans im Saal, während der Pause die Büchertische zu inspizieren. Der Stoff war vielfältig – Biografisches, Humorvolles und regionale Geschichte vom Roman bis zum Sachbuch.

Reise dauert bis zu fünf Jahre

75 Jahre nach Kriegsende hatte Michaela Küpper sich des Themas Kinderlandverschickung angenommen. In ihrem Roman „Kinderzug“ schildert die Autorin aus Königswinter am Schicksal ihrer Protagonisten um Lehrerin Barbara Salzmann aus dem Kriegssommer 1943 dieses Kapitel deutscher Geschichte. „Geplant war die Verschickung für drei Monate, für manche dauerte die Reise zwei, drei oder gar fünf Jahre“, sagte Küpper.

Stephan Eisel las nicht aus seinem Buch – er erzählte und ließ das Klavier „sprechen“. Der Bonner Historiker hat Licht in Ludwig van Beethovens Bonner Jahre gebracht. „22 Jahre lebte Beethoven in Bonn, länger als Mozart in Salzburg. Bei Salzburg denkt jeder an Mozart, aber noch nicht alle bringen Bonn mit Beethoven in Verbindung.“ Damit sich das ändert, hat er die Jugendjahre Beethovens ausgiebig recherchiert.

Der Königswinterer Verlag Edition Lempertz hat das Buch herausgebracht. „Das Klischee, Beethoven habe immer nur düster dreingeblickt, wird seinem Leben nicht gerecht. Er war ein Charmeur, ein Frauenheld.“ Mit weiteren Irrtümern räumte er auf. Und am Klavier stellte Eisel dem begeisterten Publikum das „Prinzip der rheinischen Täuschung“ vor. Das alles machte neugierig auf den „unbekannten Beethoven“.

Ebenfalls bei Lempertz wurde Gabriele Hamburgers „Gülichplatz“ verlegt. Noch bevor der historische Roman im Bonner Stadtmuseum offiziell vorgestellt wird, machte das LiS-Publikum damit Bekanntschaft. Diese Story spielte 100 Jahre vor Beethovens Jugendzeit in Köln. In ihrem druckfrischen Roman schildert die Heisterbacherrotterin, wie Nikolaus Gülich (1644-1686) in Köln gegen ein korruptes Stadtregiment revoltierte. Einfühlsam, mit einem fesselnden Kriminalfall verknüpft, aber historisch präzise informiert sie über diese beispiellose Rebellion. Nach dem Kämpfer gegen den kölschen Klüngel ist sogar Kölns kleinster Platz benannt. Mit diesem Buch gelang der Autorin ein weiterer historischer Thriller. Christel Baumgart aus Aegidienberg hatte keine Lust mehr, Bücher für andere zu korrigieren – sie schrieb nun selbst eins. Die Lesefest-Besucher hatten ihren Spaß an den amüsanten Geschichten von „Kater Willy“, der gewissermaßen auch ein Rebell ist, dessen Freiheitsdrang mit dem langweiligen Job einer Hauskatze nicht so ganz vereinbar ist. Wie er seine Familie erzieht, ist einfach nur urkomisch.

Erzbergbau im Siebengebirge

Christian Kies, Klemens Dormagen und Jörg Rieche haben jahrzehntelang in Archiven gestöbert, herausgekommen ist das dicke Sachbuch „Historischer Erzbergbau im Siebengebirge“, es ist auch ein Heimatbuch, in dem 145 Erzgruben und auch deren Folgen auf Leben, Familien und Umwelt speziell im 19. Jahrhundert plastisch dargestellt werden – ein Fenster in die Zeit der Vorfahren. Geologe Jörg Rieche, der darauf hinwies, dass Christian Kies der Initiator für das Buch war, hatte es für seine Mitstreiter übernommen, über die Folgen für die Menschen zu sprechen, die unter erbärmlichen Bedingungen ihrer Arbeit nachgehen mussten. Catrin Möderler aus Asbach hat sich der schönen Mila Röder aus Honnef gewidmet und deren bühnenreifes Leben recherchiert. „Das war ja wirklich eine Vorstellung hier“, zeigte sich Gabriele Hamburger am Schluss begeistert. Denn Möderler trug sorgfältig ausgewählte Passagen aus ihrem Buch emotional und einer Schauspielerin ebenbürtig vor und hielt damit die Spannung bis zur letzten Sekunde. Der Beifall war ihr gewiss. Der Autorin ist es zu verdanken, dass das Rätsel um Schicksal und Herkunft der Sängerin, deren Stern zehn Jahre lang von London bis Florenz strahlte und die im Mausoleum in Honnef endete, gelöst wurde. Auch dies letztendlich ein Stück Honnefer Heimatgeschichte.