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Ausstellung in Königswinter: Taufrische Werke im Kunstforum Palastweiher

Ausstellung in Königswinter : Taufrische Werke im Kunstforum Palastweiher

Sechs Künstler zeigten am Wochenende ihre Arbeiten im Kunstforum am Palastweiher in Königswinter. Die offizielle Eröffnung war zwar eigentlich ausgefallen, dennoch ließen sich einige Besucher von den Werken verführen.

„Taufrisch“ war der Titel der Ausstellung. Und taufrisch waren auch die Arbeiten, die im Palastweiher gezeigt wurden. Vier Künstler, die im Kunstforum an der Winzerstraße ihr Atelier haben, und zwei Gäste präsentierten einige ihrer Werke. Wegen der Corona-Pandemie war die offizielle Eröffnung am vergangenen Wochenende ausgefallen. Dennoch kamen einige Besucher zu der Werkschau, die ohnehin stets nur ein Wochenende ausmacht.

Werke von Christine Theile, Lilian Szokody, Ingrid Klein, Tobias Buß als „Palastweiher-Künstler“ und Sabine Prechtel und Steffi Schröder waren an den Wänden der beiden Ausstellungsräume zu sehen. Tobias Buß, Kunstlehrer am Oelberg-Gymnasium, hängte seine Bilder direkt neben Steffi Schröder. Sie war seine Schülerin, jetzt studiert sie in Wuppertal Kunst und Deutsch auf Lehramt.

Aktzeichnungen und perlenförmige Früchte

Neben zwei Aktzeichnungen steuerte Steffi Schröder zwei großformatige Bilder bei, einmal die „Johannisbeere“, bei der sie mit übereinandergelegtem Seidenpapier Farbabstufungen erreichte, und dann die „Hiobsträne“, eine tropische Getreidepflanze, die auch „Christusträne“ genannt wird. Leonardo da Vinci hatte diese Pflanze schon vor mehr als 500 Jahren gezeichnet. Wenn die Körner reifen, bleiben sie eingeschlossen in ein schlauchartiges Blatt und bilden damit zusammen eine rundliche Scheinfrucht aus.

Diese perlenförmigen Früchte sind die namensgebenden Tränen, die übrigens als Perlen in Ketten und Rosenkränzen verwendet werden. Tobias Buß füllte die komplette Stirnwand mit einem 2,60 Meter breiten Bild, das eine Kaffeehausszene, drei Damen plus Hund, darstellte. Er hatte sie im Café einzeln skizziert und im Atelier zu einer Komposition in Öl auf Leinwand zusammengebracht. Eins zu eins draußen war indes das Aquarell mit Paar entstanden, im innigen Gespräch von hinten festgehalten.

Obwohl in Eile entstanden, war es doch sehr aussagekräftig und gelungen. Während alle Protagonisten dieser beiden Bilder nichtsahnend waren, zeigte Buß noch das klassische Porträt eines Mannes als Kohlezeichnung. Den bannte er innerhalb einer Sitzung im Atelier auf Papier – und das Modell, das die Ausstellung besuchte, war sehr zufrieden mit dem Werk.

Installation mit 100 Bahnen Angelschnur

Lilian Szokody, in Bonn lebende Fotografin aus der Schweiz, die auch als Theaterfotografin gearbeitet hat, blieb im gewissen Sinne ihrer Profession treu. Sie stanzte von alten Fotos Punkte aus und machte daraus eine Art feste Hängeinstallation, einen Meter breit, mit 100 Bahnen Angelschnur, an der sie die Bildpunkte anbrachte. „Die Baum-Thematik treibt mich um, ich habe Angst um ihr Verschwinden“, sagte sie. Die schwarz-weißen Punkte hatte sie so angebracht, dass eine Birke entstand, in der durch die glänzende Schnur das Licht spielte.

Sabine Prechtel liebt Farbe, diesmal aber blieb sie in Schwarz-Weiß. „In den letzten beiden Jahren habe ich die Leidenschaft für Wasser und Wasserfälle entdeckt.“ Dieses Element bannte die Ernährungswissenschaftlerin in Acryl auf Leinwand. Prechtel hat ihr ganzes Leben gemalt und arbeitet aktuell in ihrem Atelier in Beuel. „Licht und Schatten, das Wasser sind meine Elemente.“

„Drei Kandidaten“ oder „Das schwarze Schaf ist der andere“ nannte Christine Theile eine ihrer Arbeiten. „Wenn man auf die Weltpolitik schaut, wird man zynisch, depressiv oder man malt schwarze Schafe“, meinte die freischaffende Künstlerin, die in den USA Malerei studierte. Die Tiere stehen verstreut auf der Erde, „haben null Kommunikation“.

Hommage an Lieblingsmaler Matisse

Dem Betrachter überlässt sie es, wer welches Schaf ist. Eine „Hommage an Matisse“, ihren Lieblingsmaler, ist eine kleine Radierung. „Museumsbäume“, „Mondlicht“ und ein „Modell vor grünem Vorhang“ sind weitere sehenswerte Werke. Ingrid Klein aus Heisterbacherrott, die Malerei in Essen studierte, genießt es, mit alten Materialien zu arbeiten. Durch den Einsatz von Tempera mit Bienenwachs etwa wurde die Oberfläche zunächst fest, Fön-Wärme ließ alles verschwimmen und sorgte damit für überraschende Effekte.

Als Unterlage nutzte Klein alte Kartons und als Motive teilweise alte Familienfotos, auch aus Kriegszeiten. Die „Buddenbrooks“ nannte sie ein Bild, dessen Motiv von einer Postkarte vom Trödelmarkt stammte. „Mabel“ ist ein großes Kinderporträt, nach der Vorlage eines Filmszenen-Fotos. Ingrid Klein ließ sich außerdem von Drachenfels-Schnellfotograf Richard Kern alte Bilder aus den fünfziger Jahren zum Nachmalen zeigen.