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Factory Outlet Center in Königswinter: Tunnel passt Investor nicht

Factory Outlet Center in Königswinter : Tunnel passt Investor nicht

Der Planungs- und Umweltausschuss hat einen weiteren Beschluss zum geplanten Factory Outlet Center (FOC) in der Altstadt vertagt. Die Politik will zunächst ein Gespräch zwischen der Verwaltung, der Deutschen Bahn und dem Projektentwickler abwarten. Am 24. September soll sich dann der Ausschuss erneut mit dem FOC beschäftigen.

Bei dem Termin mit der Bahn im September soll geklärt werden, ob die vom Investor vorgeschlagene Brücke über die Bahnstrecke an der Drachenfelsstraße zu einer weiteren zeitlichen Verzögerung führen würde. Die bisher geplante Tunnellösung soll bis Mitte 2021 realisiert sein. Stadtplanerin Anya Geider stellte noch einmal dar, dass die Stadt bereits seit 30 Jahren versucht, mit der Bahn eine Lösung zu finden. "Ich habe den Eindruck, dass die Kollegen von der Bahn jetzt einen Weg gefunden haben, um eine Zeitschiene aufzuzeigen", sagte sie.

In welchen zeitlichen Dimensionen bei der Bahn gedacht werden müsse, zeige der Umstand, dass eine Streckensperrung für 72 Stunden, um die Tunnelröhre unter die Strecke zu schieben, bereits drei Jahre vorher angemeldet werden müsste. "Das ist ein enormer Kraftakt für die Bahn." Die von der Stadt vorgelegte Planung sei Voraussetzung sowohl für die Planfestestellung als auch für die Eisenbahnkreuzungsvereinbarung. Das werde auch bei einer Brücke über die Bahn nicht anders sein. "Es bleibt auch bei der Aussage, dass die Bahn uns bei einer Planänderung die kompletten Kosten in Rechnung stellen wird. Das ist die Kröte, die wir schlucken müssten", so Geider.

Projektentwickler Ulrich Nordhorn von der Retail Development Group (Köln) stellte im Ausschuss noch einmal klar, dass er sich von einer Brücke über die Bahn eine schnellere Lösung erhofft. "Mir geht es darum, diese Möglichkeit der Bahn darzustellen. Ich hoffe, mit dem Bauwerk Bewegung in die Zeitschiene bekommen zu können." Gegen das bisher geplante Tunnelbauwerk spricht aus seiner Sicht auch, dass dadurch auf dem Bobby-Areal eine extrem große Fläche für den Handel verschwindet.

"Wir haben ein Konzept zur Ausnutzbarkeit der Fläche vorgelegt. Wenn Sie das nicht annehmen, müssen wir sehen, wie wir mit der Planung zurechtkommen", so Nordhorn. Er betonte auch noch einmal die Bedeutung des Bobby- und Rheingold-Geländes für die Planung. "Das ist das Grundstück, über das die Stadt planungstechnisch selber entscheiden kann." Anders als beim Lemmerzgelände, bei dem der Regionalplan geändert werden müsste.

"Sind wir mit der Brücke denn überhaupt schneller?", fragte dann auch Oliver Schikora von den Grünen. Joachim Hirzel (SPD) möchte die Frage, ob Brücke oder Tunnel, auch aus städtebaulicher Sicht bewerten können. Friedemann Spicker (Königswinterer Wählerinitiative) befürchtet, dass die Blickachse durch eine Brücke entscheidend gestört werden könnte.

Vertagt wurde im nichtöffentlichen Teil der Planungsausschusssitzung auch das Thema "Planungsvereinbarung mit dem Investor". Darin soll sich dieser verpflichten, sämtliche Folgekosten zu tragen. Diese könnten erheblich sein, wenn zum Beispiel ein Verkehrsgutachten zu dem Schluss kommen sollte, dass eine zusätzliche Anbindung an die Bundesstraße 42 geschaffen werden müsste.

Zeitplan

Bis Ende des Jahres sollen die Planfeststellung für das Tunnelbauwerk unter der Bahn erfolgen und die Kosten ermittelt werden. Bis Mitte 2015 könnte die Entwurfsplanung für die Gesamtmaßnahme und der Entwurf für die Eisenbahnkreuzungsvereinbarung abgeschlossen sein. Mitte 2016 wird die Genehmigung der Eisenbahnkreuzungsvereinbarung und die Finanzierungszusage der DB Netz AG erwartet. Die Ausschreibung und Vergabe der Bauleistung wird noch einmal rund ein Jahr dauern. Dann könnte mit dem Bauwerk Anfang 2018 begonnen werden. Bei einer Bauzeit von drei bis vier Jahren ist frühestens Mitte 2021 mit der Fertigstellung der Maßnahme zu rechnen.

Kommunikationsprobleme

"Wir müssen darauf achten, dass keine Kommunikationsprobleme das ohnehin schwierige Verfahren belasten", sagte Joachim Hirzel (SPD) angesichts der Verwaltungsvorlage und der Äußerungen des Projektentwicklers im General-Anzeiger. Die Verwaltung hatte in ihrer Vorlage die Hürden auf dem Weg zum FOC aufgezeigt, worauf Nordhorn reagiert hatte. "In jedem dritten oder vierten Absatz der Vorlage schwingt der Unterton mit, dass das Projekt frühzeitig beerdigt werden soll", meinte auch Ali Dogan (SPD). Das sieht Dezernent Theo Krämer anders. "Unsere Aufgabe ist es, alle Fakten zur Verfügung zu stellen. Mir sind Kommunikationsprobleme nicht bekannt."