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Unfall auf A3 in Königswinter: Fassungslosigkeit nach Geisterfahrt

Tödlicher Unfall bei Thomasberg : Fassungslosigkeit nach Geisterfahrt mit zwei Toten auf A3

Nach dem schweren Unfall auf der A3 bei Königswinter mit zwei Toten sind noch viele Fragen offen. Warum ein 73-Jähriger auf die Gegenspur geriet, ist nicht geklärt. Die Autobahnpolizei handelt bei einer Geisterfahrt nach einem standardisierten Maßnahmenkatalog.

Nach dem folgenschweren Unfall mit zwei Toten am Samstagabend auf der A 3 in Höhe von Thomasberg ist die Frage nach der Motivation des Geisterfahrers weiter ungeklärt. Die zuständige Autobahnpolizei Köln bestätigte am Montag, dass es sich bei dem Geisterfahrer um einen 73-jährigen Mann aus Troisdorf handelte. Das zweite Opfer soll anderen Medien zufolge eine 77-jährige Frau gewesen sein. Das wollte die Autobahnpolizei nicht bestätigen. „Wir müssen erst hundertprozentig sicher sein, bevor wir das bestätigen“, sagte ein Sprecher. Mit dem zweiten Opfer kam ein Hund in dem brennenden Fahrzeug ums Leben.

Der Geisterfahrer war nach Angaben der Polizei mit einem VW Polo gegen 19.45 Uhr am Parkplatz „Sülztal“ entgegen der Fahrtrichtung Köln auf die Autobahn aufgefahren. Nach etwa 18 Kilometern kam es um kurz vor 20 Uhr zu dem Horror-Crash mit dem Mercedes Kombi des zweiten Unfallopfers. Zuvor hatte eine Streife der Autobahnpolizei, etwa fünf Minuten nach der Erstmeldung, den Polo lokalisiert und über die Mittelschutzplanke hinweg vergeblich versucht, Kontakt zu dem Geisterfahrer aufzunehmen. Wenig später wurde sie Augenzeuge des Zusammenstoßes der beiden Fahrzeuge, bei dem der Mercedes Feuer fing und ausbrannte. Drei Ersthelfer versuchten verzweifelt, den brennenden Wagen zu löschen. Das Fahrzeug des Geisterfahrers wurde durch den Aufprall auf die Gegenfahrbahn geschleudert. Der 73-Jährige, der allein im Auto saß, wurde dabei aus dem Fahrzeug geschleudert und tödlich verletzt.

Nach Auskunft der Autobahnpolizei wird bei einer Geisterfahrt nach einem standardisierten Maßnahmenkatalog gehandelt, zu dem auch die Sperrung von Autobahnauffahrten und das Abbremsen des fließenden Verkehrs durch ein Einsatzfahrzeug gehören. „Es ist eine extrem gefährliche Situation. Wir geben uns alle Mühe, aber aufgrund der hohen Geschwindigkeiten kann es sein, dass die Zeit nicht reicht“, so der Sprecher. So war es auch in diesem Fall. Zur Motivation des Geisterfahrers könne er zurzeit noch nichts sagen. „Auch wenn die Frage sehr wichtig ist, müssen wir im Sinne des Opferschutzes hier sehr sorgfältig vorgehen“, sagte er.

„Als wir am Kreisel in Ittenbach in Fahrtrichtung Köln auf die Autobahn gefahren sind, stand der Mercedes in Vollbrand. Es hatte sich eine riesige Rauchwolke gebildet“, berichtete der Königswinterer Feuerwehrsprecher Marc Neunkirchen am Montag. Gleichzeitig rückten die Kollegen aus Sankt Augustin auf der Gegenfahrbahn an. Die Rettungsgasse habe vorbildlich funktioniert. Nach dem, was er am Unfallort zu sehen bekam, wunderte Neunkirchen sich nicht, dass die Identifizierung der Toten ein Problem darstellt. „Man konnte gar nichts mehr erkennen. Keine Kennzeichen oder etwa die Fahrgestellnummer.“ Gefunden habe man eine Damenbrille, wahrscheinlich vom Unfallopfer.

Für Neunkirchen war es bereits der zweite tödliche Unfall mit einem Geisterfahrer innerhalb von vier Monaten. Im Mai war ein Mann auf der B 42 kurz hinter dem Tunnel Oberkassel in Fahrtrichtung Bonn mit einem anderen Fahrzeug kollidiert. Der Unfall-Verursacher starb noch an der Unfallstelle. Das andere Unfallopfer trug schwere Verletzungen davon. „Da fragt man sich schon, in welch verrückter Welt wir eigentlich leben“, so Neunkirchen. Er selbst habe im Laufe der Jahre einen Schutzmechanismus entwickelt, sodass er mit solchen Einsätzen ganz gut umgehen könne. Er wolle zum Beispiel so wenig wie möglich über die Opfer wissen. „Aber die Bilder müssen natürlich verarbeitet werden“, sagt er.

Einige jüngere Kollegen, die einen solchen Unfall noch nicht erlebt hätten, hätten am Samstag die Gesichtsfarbe gewechselt. Diesen Kameraden stehe man in Gesprächen zur Seite. Es gebe, wenn erforderlich, auch psychosoziale Unterstützung durch die PSU-Teams. Neunkirchen gehört der Löscheinheit Ittenbach an, die als Erste zu den Einsätzen auf der Autobahn gerufen wird. Von rund hundert Einsätzen im Jahr fänden zwei Drittel auf der A3 statt.