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Ausstellung in Königswinter-Heisterbacherrott: Vielfalt des Brauchtums im Haus Schlesien

Ausstellung in Königswinter-Heisterbacherrott : Vielfalt des Brauchtums im Haus Schlesien

Auch in Schlesien sind über die Jahrhunderte viele verschiedene Frühjahrs- und Osterbräuche gepflegt und weitergegeben worden. Einen Einblick erlaubt die Ausstellung im Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott.

Eier färben, das Osterfeuer entzünden oder das Klappern in der Karwoche: Die Bräuche zu Ostern sind vielfältig und variieren häufig von Region zu Region. Das galt auch für Schlesien. In einer Sonderschau stellt Haus Schlesien in Heisterbacherrott jetzt parallel zur aktuellen Ausstellung „Typisch schlesisch!?“ diese verschiedenen Bräuche und religiösen Feste vor.

Etwa das Singen zu Lätare: Nach den Karnevalstagen begann auch in Schlesien „die lange Faste“. An Lätare jedoch, dem dritten Sonntag vor Ostern, wurde die Fastenzeit unterbrochen. Die Jungen und Mädchen zogen mit bunt verzierten Sommerstecken singend von Haus zu Haus und erhielten im Gegenzug Süßigkeiten, Obst und „Beegla“, ein eigens zu diesem Anlass hergestelltes Schaumgebäck. Zu einem regelrechten Volksfest hatte sich mit den Jahren der Tallsackmarkt in Warmbrunn am Palmsonntag entwickelt, der aus der Bewirtung der Kirchenbesucher entstanden war. Bekannt waren vor allem die dort angebotenen „Tallsäcke“, auch bekannt als Pfefferkuchenmänner.

Gerade die Karwoche und das Osterfest sind reich an Traditionen und Bräuchen, die oft lokale Unterschiede aufweisen. So zogen in manchen Regionen Schlesiens die Kinder statt an Lätare am Gründonnerstag mit den mit bunten Papierstreifen, Papierblumen und Bändern geschmückten Sommerbäumchen durch das Dorf. Wie in vielen katholischen Regionen Deutschlands, zogen auch in Schlesien an Karfreitag, wenn die Glocken schwiegen, die jungen Leute mit Ratschen und Klappern durch den Ort, um die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen.

In Schlesien war es ebenfalls Brauch, einander gefärbte Eier zum Osterfest zu schenken. Berühmt sind vor allem die kunstvollen, in Oberschlesien gefertigten Eier, bei denen die Motive mit dünnen Nadeln oder Messern in die bunt gefärbten Eier geritzt werden und so besonders filigrane Muster entstehen. Ein ebenfalls weit verbreiteter Osterbrauch ist das Schmackostern: Am Ostermontag gingen traditionell die Jungen zu ihren Mädchen und gaben ihnen mit selbstgefertigten Ruten leichte Schläge auf die unbedeckten Arme und Beine. Durch das Schlagen sollten die Fruchtbarkeit, Kraft und Tüchtigkeit gefördert werden. Die dabei benutzte Rute hieß „Schmackoster“ und bestand aus mehreren zusammengedrehten, mit bunten Papierschnitzeln durchflochtenen Weidenruten.

Die Ausstellung „'Derr Winter muuß naus! [...] Is Frühjoah ies doo': Frühjahrs- und Osterbrauchtum in Schlesien“ ist noch bis Sonntag, 22. April, im Haus Schlesien, Dollendorfer Straße 412, zu sehen. Weitere Informationen über die Ausstellung sowie das Haus selbst und seine Arbeit gibt es unter www.hausschlesien.de.