Arbeitsagentur Bonn/Rhein-Sieg Vier Ausbildungszertifikate gehen an Unternehmen aus der Region

KÖNIGSWINTER · 1800 freie Ausbildungsplätze in diesem Jahr auf der einen Seite, 2000 Jugendliche und meist junge Erwachsene, die einen Ausbildungsplatz suchen, auf der anderen: Die Aufgabe der Arbeitsagentur Bonn/Rhein-Sieg wäre damit rein statistisch umrissen.

 Bei der Zertifikatsübergabe: Marita Schmickler-Herriger von der Arbeitsagentur (5. v. r.), Vertreter der Unternehmen und die Auszubildende im Maritim, Laura Halberstadt (6. v. r.).

Bei der Zertifikatsübergabe: Marita Schmickler-Herriger von der Arbeitsagentur (5. v. r.), Vertreter der Unternehmen und die Auszubildende im Maritim, Laura Halberstadt (6. v. r.).

Foto: Frank Homann

Aber Agenturleiterin Marita Schmickler-Herriger und ihre Mitarbeiter stellen sich immer auch die Frage: Bei welchem Arbeitgeber kann man noch den einen oder anderen Platz herausholen? Zum Ansporn vergibt die Agentur im mittlerweile zehnten Jahr ihre Ausbildungszertifikate an ambitionierte Unternehmen aus der Region. Dieses Mal durften das Maritim Hotel Königswinter, das Café Breuer aus Bonn, Tee Gschwendner aus Meckenheim und das Bedachungsunternehmen Weingarten aus Lohmar die Urkunden in Empfang nehmen. Sie alle, begründete Schmickler-Herriger, hätten eine lange Ausbildungstradition. "Vor allem mit Ihrem sozialen Engagement agieren Sie vorbildlich."

Tanja Roesberg aus Königswinter-Ittenbach ist ein Beispiel dafür. Im Februar hat sie ihre Ausbildung zur Fachverkäuferin im Café Breuer in Oberkassel in Teilzeit abgeschlossen. Die Alleinerziehende musste schließlich ihren heute neunjährigen Sohn versorgen. "In Vollzeit hätte ich das nicht hinbekommen", sagte die 28-Jährige bei der Urkundenvergabe im Maritim. Die Geschäftsführerin des Cafés, Margareta Sauder, hat gute Erfahrungen "mit dieser gegenseitigen Flexibilität gemacht".

Flexibilität war ein Stichwort, das auch der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, ansprach: "Der Trend geht zur Akademisierung. Manche Eltern und Schüler meinen, nur dieser Weg sei der richtige. Eine Ausbildung ist aber eine echte Alternative." Er nannte neben den vielen direkten Berufsausbildungen das duale System mit einer Mischung aus Praxis und Hochschule. Überall bekannt sei diese Form, die ein späteres Studium nicht ausschließt, noch lange nicht.

Laura Halberstadt pendelt seit 2013 zwischen dem Maritim in Königswinter, der Hochschule in Köln und Lohmar, wo sie lebt. "Das kann manchmal hart sein, ich lerne aber unglaublich viel", berichtete die 20-Jährige. Nächstes Jahr absolviert sie aller Voraussicht nach ihren Bachelor mit Schwerpunkt Hotel und Tourismus. Dann stünden ihr viele Türen im In- und Ausland offen.

Im Gegensatz zu ihr befassen sich manche Schulabgänger erst spät mit der Frage der Berufswahl. Das sprachen nicht nur Oliver Krämer von der Kreishandwerkerschaft und Dirk Weingarten (Weingarten Bedachungen) an. "Alle wollen direkt Karriere machen, aber viele beschäftigen sich nicht rechtzeitig mit dem Weg dorthin", sagte Maritim-Geschäftsführer Andreas Ewald, dessen Hotel 120 Mitarbeiter beschäftigt; dazu zählen 24 Studenten in dualer Ausbildung und Auszubildende. In den drei Jahren der Lehrzeit gehe es darum, so Thomas Holz von Tee Gschwendner, "aus den jungen Leuten rauszukitzeln, was in ihnen steckt".

Kurz gefragt

Der Weg zum Ausbildungsplatz war für die Alleinerziehende Tanja Roesberg aus Ittenbach nicht einfach. Die 28-Jährige suchte eine flexible Lehrstelle - und fand sie. Darüber sprach Philipp Königs mit ihr.

Frau Roesberg, Sie haben sich in Teilzeit ausbilden lassen. Bedeutet das auch eine Verlängerung der Lehrzeit über die üblichen drei Jahre hinaus.
Tanja Roesberg: Bei mir war das nicht der Fall. Ich habe 30 Stunden die Woche gearbeitet und konnte letztlich sogar aufgrund guter Noten die Lehre um ein halbes Jahr verkürzen.

Wie war es, als Alleinerziehende einer Ausbildung nachzugehen?
Roesberg: Man braucht etwas mehr Flexibilität, aber das geht vielen Alleinerziehenden im Job ja ähnlich. Ich bin auch der Meinung, dass diese Flexibilität von beiden Seiten da sein muss. Dann verschieben sich eben mal die Arbeitszeiten.

Hatten Sie direkt beim ersten Ausbildungsbetrieb Glück?
Roesberg: Nein, bei der ersten Bäckerei hat es nicht hingehauen. Da fehlte diese Bereitschaft. Umso dankbarer bin ich, dass das Café Breuer mir diese Chance gegeben hat.

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