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Interview zum Thema Lemmerzhallen: "Vorwurf von 'Antiform' entbehrt jeglicher Grundlage"

Interview zum Thema Lemmerzhallen : "Vorwurf von 'Antiform' entbehrt jeglicher Grundlage"

In ihrer Erklärung kritisiert die Künstlergruppe Antiform die Verwaltung für ihr Verhalten beim Thema Lemmerzhallen teils heftig. Hansjürgen Melzer sprach mit dem Königswinterer Bürgermeister über die Vorwürfe.

Was sagt die Verwaltung zum implizierten Vorwurf von Antiform, sie habe das kulturelle Potenzial des geschichtsträchtigen Ortes nicht erkannt?Peter Wirtz: Dieser Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage. Eine kulturelle Nutzung in den Lemmerzhallen wurde von Seiten der Verwaltung und der Politik nie ausgeschlossen. Auf Wunsch von Antiform wurden zudem Kontakte zu den möglichen Kaufinteressenten hergestellt. Im Übrigen wurde der Verwaltung bisher weder von Antiform noch von einem Kaufinteressenten ein konkretes, tragfähiges Konzept und/oder Kaufangebot zu einer kulturellen Nutzung der ehemaligen Werkshallen vorgelegt.

Was sagt die Verwaltung zum Vorwurf, sie habe die Politik dazu gebracht, auf dem Klageweg gegen den Denkmalschutz vorzugehen?
Wirtz: Auch dieser Vorwurf geht völlig fehl. Zur Entwicklung und Vermarktung des ehemaligen Lemmerzgeländes gibt es eindeutige, demokratisch zustande gekommene Beschlüsse des Stadtrates. Dies betrifft auch das Vorgehen gegen eine Unterschutzstellung von Teilen des Altgebäudebestandes. Tatsache ist, dass derzeit die vom LVR geplante Unterschutzstellung die Fortsetzung der Verkaufsverhandlungen mit dem Interessenten auf Grundlage der politischen Beschlusslage unmöglich macht.

Stimmt es, dass die Verwaltung 50.000 Euro für ein Rechtsgutachten ausgibt, um die Erfolgsaussichten einer Klage gegen den Denkmalschutz zu prüfen, gleichzeitig aber für die Planungs- und Entwicklungsarbeit in den Lemmerzwerken kein Geld übrig hat?
Wirtz: Die Verknüpfung der beiden Sachverhalte ist unsinnig. Die Beauftragung eines Gutachters ist Konsequenz der Vermarktungsentscheidung des Rates, die eine gewerbliche Nutzung vorsieht, und wurde vom Stadtrat beschlossen.

Was sagt die Verwaltung zum Vorwurf, die Verwaltung sei unter Berufung auf das Votum des Stadtrats nicht mehr zu weiteren Gesprächen mit Antiform bereit gewesen, obwohl der Verein es geschafft habe, drei Investoren zu finden, die sich im Einklang mit dem Denkmalschutz für ein alternatives, aber professionelles Nutzungskonzept engagieren wollten?
Wirtz: Die Verwaltung hat in der Vergangenheit regelmäßig mit Antiform gesprochen. Dabei hat Antiform jedoch gegenüber der Stadt niemals konkrete Angaben über etwaige Investoren gemacht und niemals einen Kontakt zwischen etwaigen Investoren und der Stadt als Eigentümerin der Fläche hergestellt. Überdies hat weder Antiform noch ein von Antiform gegebenenfalls gefundener Investor jemals ein Kaufangebot bei der Stadt Königswinter eingereicht. Eine schriftliche Rückfrage bei Antiform mit der Bitte um konkretere Auskünfte im Vorfeld der Ratssitzung im Dezember 2015 blieb unbeantwortet. Die Politik wurde wahrheitsgemäß über diese Sachverhalte informiert. Nach der Entscheidung des Rates im Vergabeverfahren war für weitere Investorengespräche kein Raum mehr. Dies ist auch unmissverständlich kommuniziert worden.

Was sagt die Verwaltung zu dem Vorwurf, sie habe einen ergebnisoffenen Workshop abgelehnt, obwohl daran in der Politik viel Interesse bestanden habe?
Wirtz: Das Interesse der Politik kann durch die Verwaltung nicht bestätigt werden. Richtig ist, dass es einen Ratsbeschluss gibt, der zum jetzigen Zeitpunkt Workshops keinen Raum gibt.