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Wahl in Königswinter: Stadt will vor 2050 klimaneutral werden

Kommunalwahl im Rhein-Sieg-Kreis : Königswinter will deutlich vor 2050 klimaneutral werden

Mit der Verabschiedung eines Maßnahmenprogramms und der geplanten Einstellung eines Klimaschutzmanagers hat Königswinter in diesem Jahr zwei wichtige Weichen gestellt. Bei diesem Thema liegen auch die Bürgermeisterkandidaten nicht weit auseinander.

Wenn sich das Engagement einer Kommune für den Klimaschutz auf die Bereitschaft ihrer Bürger, an einer symbolträchtigen Aktion wie dem Stadtradeln reduzieren ließe, wäre Königswinter ganz sicher eine klimafreundliche Stadt. Im vergangenen Jahr belegte die Stadt im Rhein-Sieg-Kreis den dritten Platz und landete damit vor vielen größeren Kommunen. Königswinterer legten auf ihren Rädern 38.188 Kilometer zurück und vermieden dabei 5422 Kilogramm CO2, die beim Autofahren in die Atmosphäre gelangt wären. Für das Stadtradeln 2020, das wegen der Pandemie auf den Herbst verschoben wurde und nun vom 20. September bis 20. Oktober stattfindet, haben sich schon wieder engagierte Radler angemeldet.

Schon im Jahr 2012 hatte die Stadt ein Integriertes Klimaschutzkonzept in Auftrag gegeben. Das 120 Seiten starke Konvolut widmete sich damals allerdings vor allem der Frage, wie die städtischen Gebäude energetisch optimiert werden können. Viele Punkte wurden in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt. Seit dem vergangenen Jahr drückt die Stadt beim Klimaschutz jedoch erst so richtig aufs Tempo. Im Herbst wurde eine interfraktionelle Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit mit Bürgermeister Peter Wirtz als Moderator gegründet, die sich seitdem viermal traf.

Wegen Corona wurde in einer Dringlichkeitsentscheidung im März das „Maßnahmenprogramm 2050 der Stadt Königswinter für den Klimaschutz“ verabschiedet. Das Programm nimmt weitgehend Bezug auf das vom Kreistag im vergangenen Jahr beschlossene „Maßnahmenprogramm 2025 des Rhein-Sieg-Kreises für den Klimaschutz“. Im Juni folgte die Politik zudem einem Vorschlag der Verwaltung und beschloss die Einstellung eines Klimaschutzmanagers, der alle Bemühungen der Stadt koordinieren und Projekte vorantreiben soll. Die Stelle soll in Kürze ausgeschrieben werden.

Einigkeit über die herausragende Bedeutung des Klimaschutzes herrscht auch unter den Bewerbern für das Bürgermeisteramt. Vor allem Bürgermeister Peter Wirtz (CDU) und sein Herausforderer Lutz Wagner, gemeinsamer Kandidat von SPD, Grünen und Köwis, gleichen sich in ihren Antworten auf die Frage, welche drei Maßnahmen sie in den kommenden fünf Jahren für die wichtigsten halten.

„Wir müssen in den nächsten Jahren daran arbeiten, dass das einvernehmlich verabschiedete Maßnahmenprogramm schon deutlich vor 2050 umgesetzt wird“, sagt Wirtz. Die Stadt müsse mit ihren Gebäuden Vorreiter sein und auch Programme entwickeln, die private Hausbesitzer motivieren, in Klimaschutz zu investieren. Damit diese Aufgabe gelingen könne, brauche die Stadt den Klimaschutzmanager. Als prioritäre Aufgabe sieht er den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und die Forcierung des Radwegebaus. „In diesem Bereich wird deutlich investiert werden müssen.“ Lobend hebt er hervor, dass in der AG Nachhaltigkeit trotz der durch Corona bedingten Einschränkungen in rein sachorientierter Diskussion die Weichen für die Forcierung des Klimaschutzes gestellt worden seien. „Es war schön zu sehen, dass über die Parteigrenzen hinweg die gleichen Ziele verfolgt werden.“

Auch Wagner fordert, dass das langfristige Ziel der Klimaneutralität deutlich vor 2050 liegen müsse. Mit Unterstützung des zukünftigen Klimaschutzmanagers müsse zügig eine Potenzialanalyse durchgeführt werden. „Mit diesen Informationen wissen wir dann, welche Handlungsfelder welchen Beitrag zur CO2-Einsparung leisten.“ Auf dieser Basis müssten mittel- und langfristige strategische Ziele erarbeitet und konkrete Maßnahmen definiert werden. Vorrangige Aufgaben seien ein Integriertes Verkehrskonzept, das die Errichtung von Mobilstationen, den deutlichen Ausbau des Radwegenetzes sowie die weitere Verbesserung des ÖPNV-Angebotes beinhalte. Dazu komme die Modernisierung der Bestandsimmobilien der Stadt und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft. „Hier hat die Stadt eine wichtige Vorbildfunktion.“ Planen und Bauen in der Stadt müssten viel klimafreundlicher werden.

Bastian Reichardt (Linke) fordert neben klimaneutralem Bauen und energetischem Sanieren das Ausrüsten weiterer städtischer Gebäude mit Solarpaneelen, damit eine dezentrale Energieversorgung erreicht werde, die unabhängig von der Kohleverstromung sei. Außerdem spricht er sich für einen besser getakteten und fahrscheinfrei gestalteten ÖPNV aus, so dass mehr Menschen auf Bus und Bahn umsteigen. „Königswinter könnte hier in Form eines Modellprojekts zu den wenigen deutschen Kommunen gehören, die sich diesen Schritt trauen.“

Reichardt setzt sich auch für den Erhalt der letzten großen Grünflächen im Talbereich wie den Sumpfweg und den Stadtgarten aus. „Ohne diese Maßnahme können wir damit rechnen, dass die Temperaturen in der dicht bebauten Altstadt im Sommer regelmäßig und dauerhaft zum Problem werden – insbesondere für ältere Menschen.“