Deutsch-Englische Gespräche Warum Königswinter auch Margaret Thatcher ein Begriff gewesen ist

Königswinter · Der Name „Königswinter“ ist ein Begriff auch international. Wie es dazu kam, ist am Dienstag, 28. Mai, Thema eines Vortrages im Siebengebirgsmuseum.

Im Adam-Stegerwald-Haus, benannt nach dem Mitbegründern der christlichen Gewerkschaftsbewegung, und einst Tagungs- und Bildungsstätte der Jakob-Kaiser-Stiftung trafen sich viele Jahrzehnte Deutsche und Briten zur „Königswinter Konferenz“.

Im Adam-Stegerwald-Haus, benannt nach dem Mitbegründern der christlichen Gewerkschaftsbewegung, und einst Tagungs- und Bildungsstätte der Jakob-Kaiser-Stiftung trafen sich viele Jahrzehnte Deutsche und Briten zur „Königswinter Konferenz“.

Foto: Sülzen

Wo heute in Königswinter Senioren und Seniorinnen betreut werden, sind vor 74 Jahren erstmals britische und deutsche Entscheider zu den „Deutsch-Englischen Gesprächen in Königswinter“ zusammengekommen. Das einstige Adam-Stegerwald-Haus – heute Seniorenresidenz Kaiser-Palais – war damals der Treffpunkt für die erste Konferenz. Diese hatte das Ziel, wieder eine Beziehung zwischen den im Zweiten Weltkrieg noch verfeindeten Seiten aufzubauen und Klischees den Deutschen gegenüber abzubauen.

Diesen Gesprächen, für die sich die Bezeichnung „Königswinter Konferenz“ etabliert hat, widmet sich am Dienstag, 28. Mai, ein Vortrag im Siebengebirgsmuseum. Die Veranstaltung ist Teil des Festprogramms zu 50 Jahren Städtepartnerschaft Königswinter-Cleethorpes. Referentin ist an diesem Abend Elke Berger, die von 1982 bis 2003 Geschäftsführerin der Deutsch-Britischen Gesellschaft - bis 2001 Deutsch-Englische Gesellschaft - war.

Diese Gesellschaft, oder vielmehr deren Mitbegründerin Lisalotta Milchsack, ist es, die das Gesprächsformat zwischen Briten und Deutschen einst auf den Weg gebracht hat. Milchsack hatte die Gesellschaft 1949 in Düsseldorf gegründet, die da noch Gesellschaft für kulturellen Austausch mit England hieß.

Dass als Ort für die Gespräche Königswinter ausgewählt wurde, liegt, wie Elke Berge erläutert, auch darin begründet, dass die politischen Vertreter aus Bonn so gezwungen waren, ihr Büro in der damaligen Bundeshauptstadt hinter sich zu lassen und somit nicht vom Alltagsgeschäft abgelenkt wurden.

Treffen in Königswinter bis 1999

Bis 1999 trafen sich britische und deutsche Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien in Königswinter, um über aktuelle Themen zu debattieren. Ab 1975 wechselten sich Großbritannien und Deutschland mit der Ausrichtung der Gespräche ab. Mit dem Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin zog auch die „Königswinter Konferenz“, die auch heute noch jährlich stattfindet, um. Neuer Tagungsort ist seitdem Schloss Hardenberg unweit der Hauptstadt.

„Offen miteinander zu sprechen“, das sei der Sinn dieser knapp zweitägigen Gespräche, die außerhalb der offiziellen Politik stattfinden und deren Einfluss auf die offizielle Politik indirekter Art ist, sagt Elke Berger. So hätten etwa Abgeordnete der Konservativen und der Labour-Partei, die an einer Debatte der Konferenz zur deutschen Wiedervereinigung teilgenommen hatten, offiziell gegen die Haltung von Premierministerin Maggie Thatcher Partei ergriffen. Thatcher war Gegnerin der Wiedervereinigung, sie fürchtete ein erneut mächtiges Deutschland. „Zweimal haben wir die Deutschen geschlagen, jetzt sind sie wieder da“, habe sie 1989 bei einem Abendessen der Europäischen Gemeinschaft gesagt, schrieb der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl in seinen Memoiren. Kurz vorher hatte er einen Zehn-Punkte-Plan zur deutschen Wiedervereinigung vorgelegt.

Auf der 40. Königswinter Konferenz am 29. März 1990 in Cambridge hielt die britische Premierministerin eine Rede: „Zunächst möchte ich Sie, Herr Bundeskanzler Kohl, herzlich zu diesem Abendessen und dieser Königswinterer Konferenz begrüßen. Du kommst nur zehn Tage, Helmut, nach den ersten freien Wahlen in Ostdeutschland, die den Mitte-Rechts-Parteien einen so herausragenden Sieg beschert haben.“ Mit Blick auf ihre teils sehr direkten Aussagen zum Thema Wiedervereinigung räumt sie in dieser Rede ein, dass sie nun mal „nicht immer der größte Diplomat der Welt“ sei.

Wer mehr erfahren will über die Königswinter Konferenz, kann dies am Dienstag, 28. Mai, ab 18 Uhr im Siebengebirgsmuseum in Königswinter, Kellerstraße 16.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort